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Interview der Woche: Cindy von Din.Din

Das Label Din.Din verbinden viele Fans der Kreativszene nicht nur mit klaren Kinderschnitten, sondern auch mit abwechslungsreichen Plotterdateien. Doch Cindy, die sich hinter dem Namen Din.Din verbirgt, hat noch eine ganz andere Leidenschaft: Sie gibt Nähkurse für Kinder. Passend zu unserem Themenspecial "Nähen mit Kindern" verrät sie im Gespräch mit Sewunity, was dabei den besondern Reiz ausmacht und wie Kinder behutsam an die Nähmaschine herangeführt werden können.

Logo Din.DinSewunity: Liebe Cindy, erst einmal vielen Dank für deine Bereitschaft, uns im Interview Rede und Antwort zu stehen. Das Thema unserer aktuellen Nähkästchen-Ausgabe lautet "Nähen mit Kindern". Du hast mit dem Thema bereits eine Menge Erfahrungen gesammelt – denn du gibst selber Nähkurse für Kindern. Was ist denn deiner Meinung nach das ideale Alter, in dem ein Kind mit dem Nähen beginnen kann?

Cindy: Ich biete Kurse ab 7 Jahre an. Eine generelle Empfehlung kann man nicht zu 100 Prozent abgeben, da jedes Kind einen unterschiedlichen Entwicklungsstand hat. Es sollte viel Lust mitbringen, zuhören und mit den Fingern gut umgehen können. Überwiegend habe ich Anfänger Kinder im durchschnittlichen Alter von 9-12 Jahren. Es kommt einfach darauf an, ob ein Kind das wirklich will oder ob das nur noch ein Hobby ist das ein Elternteil gerne bei seinem Kind sehen möchte. Meine Tochter ist 5 und möchte natürlich, weil Mama es ständig tut, auch an die Nähmaschine. Aber mehr als ein- bis zweimal gerade aus nähen ist hier noch nicht drin.

Aller Anfang ist bekanntlich schwer – und Kinder lernen ganz anders als Erwachsene. Was ist wichtig, damit ein Kind behutsam an die Nähmaschine herangeführt wird?

Für mich persönlich ist es wichtig, dass auch der Sicherheitsaspekt nicht zu kurz kommt. Bevor los genäht werden kann, muss einfach etwas Theorie gelernt werden. Was muss ich tun? Was kann passieren? Wie verhält sich meine Maschine? Schließlich habe ich die Verantwortung für alle kleinen Kinderhände. Ist mit einem Haustier ja ähnlich … man sollte sich darüber informieren was der kleine Hase oder Hund frisst oder mag. Neben diesem Theorie-Teil, der eher langweilig ist, müssen kleine Übungen gemacht werden. In diesen zeige ich aber auch ganz bewusst die Grenzen auf die die kleinen Näher/innen noch haben. Da wird mit ganz viel Euphorie losgenäht und dann festgestellt: Ups … da lieg ich ja etwas daneben. Es muss eine gute Mischung an Schwierigkeit und Erfolgserlebnis sein, um den Anreiz zu schaffen, aber auch zu zeigen, dass geübt werden muss.

Cindy von Din.DinWelche Arten von Schnitten können denn Kinder deiner Meinung nach besonders gut bewältigen – und was ist eher weniger geeignet?

Ich habe ganz ehrlich nach keinen speziellen Kinder-Schnittmuster bisher genäht. Die Kinder lernen bei mir, ihre eigenen Ideen selbst umzusetzen und die Herangehensweise, wie sie das optimal tun. D.h., was ist Nahtzugabe, wie gehe ich mit Ecken und Rundungen um, wie nähe ich dünne Teile auf, wie appliziere ich etwas und vieles mehr. Aus den Gestaltungsideen der Kinder ergeben sich ganz viele Bereiche die man erklären kann. Sie haben so auch noch mehr Bezug dazu, weil sie IHRE persönliche Vorstellung umsetzen. Greift man mit einem bestimmten Schnittmuster zu hoch, ist sofort wieder ein Erfolgsdruck gegeben der eventuell Enttäuschung mit sich bringt, weil das Ergebnis noch nicht so geworden ist. Es kann aber meiner Meinung nach je nach Erfahrung Stück für Stück jeder Schnitt bewältigt werden. Wichtig ist jedoch, dass man am Anfang nicht zu umfangreich startet. Ein einfacher Rock ist machbar – eine Hose für die zweite Stunde noch zu viel. Mützen, Schals, Taschen und Kissen sind ganz schnell genäht. Es sollte einfach ein Erfolgserlebnis nach drei Stunden zu sehen sein, das das einzelne Kind auch zufrieden stellt. Länger als drei Stunden sollte ein Kurs nicht gehen. weil die Aufmerksamkeit danach stark abnimmt.

Nicht nur das Angebot an Schnittmustern ist ja riesig, sondern auch an Nähmaschinen. Was macht deiner Meinung nach eine gute Nähmaschine für Kinder aus – und ist grundsätzlich erst einmal jedes Modell geeignet?

Neuere Nähmaschinen haben hier schon tolle Schutzmechanismen und ich bin froh, dass ich mit dem Nähpark Cham einen tollen Partner an meiner Seite habe, der mich bei der Anschaffung der Maschinen gut beraten hat. Die Nähmaschinen, auf denen meine Kurs-Kinder nähen, können z. B. in der Geschwindigkeit reguliert werden und meckern auch, wenn der Nähfuß einmal nicht heruntergelassen ist. Das sind für mich zwei wichtige Aspekte beim Nähmaschinen Kauf für Anfänger. Die Geschwindigkeit kann dann je nach Erfahrung verstellt werden und man hat so einen langen Begleiter in der Familie, an dem dann auch mal die Mama nähen kann und Freude damit hat. Als Anfängermaschine kann ich daher die Brother Innov-is 10 A nur empfehlen.

Gibt es aus deinen Nähkursen mit Kindern besonders schöne Erlebnisse, die du gerne mit uns teilen möchtest?

Ich finde die Emotionen toll, die man hier beobachten kann. Wie durch Aufregung, Konzentration und Willensstärke etwas ganz Eigenes entsteht und dann am Schluss fast vor Stolz geplatzt wird. Kinder können mit so einfachen Sachen motiviert werden und dadurch erste und so wichtige Erfolgserlebnisse haben ohne jeglichen Erfolgsdruck. Ein kleines Beispiel: Die Tochter wurde von der Mutter zum Kurs gebracht und der Vater hat sie abgeholt. Die Kids waren total aufgeregt und hibbelig, endlich ihre fertig gestalteten Dinge ihren Eltern zu zeigen, sodass sie bereits im Flur gewartet haben. Freudestrahlend wurde das fertige Kissen und der Schlüsselanhänger präsentiert. Das verdutze Gesicht des Vaters war Gold wert! Er hat drei Mal nachgefragt, ob seine Tochter das alleine gemacht hat, weil er dachte, sie nähen etwas wie in Handarbeit mit Nadel und Faden. Dann wurde der immer noch verdutzt dreinschauende Papa in den Kursraum gezogen und die ganzen Nähmaschinen und Stoffe voller Stolz gezeigt; „Ja Papa, ich habe das ganz alleine an dieser Nähmaschine genäht!“ Der Vater hat sich mehrfach bedankt und danach auch noch einmal per E-Mail. Das war ein toller Moment, der gezeigt hat, das wir unsere Kinder manchmal unterschätzen.

Nun zu einem ganz anderen Thema – das Label Din.Din. Was bedeutet eigentlich der Name Din.Din – und bist du selber auch bereits als Kind zum Nähen gekommen?

Als Kind und Jugendliche habe ich wie wahrscheinlich viele von euch in der Schule genäht und auch ab und zu mal zuhause. Aber mehr als Taschen und Kissen wurde es nicht. Ich war schon immer kreativ und habe das auf die verschiedensten Weisen ausprobiert. In der Schule wurden regelmäßig meine Ordnerrücken bemalt und mit den verschiedensten Kunstwerken verziert. Ich war und bin gerne Individualist. Ich mochte es noch nie, mit der Masse mit zu schwimmen. Daher vielleicht auch mein ganz eigener, individueller Stil der vielleicht nicht unbedingt die komplette Masse anspricht, aber das ist nicht schlimm. Zu meinem kleinen Label Din.Din bin ich dann mit der Geburt meiner großen Tochter gekommen. Ich fand es furchtbar, in den Einheitsbrei ROSA gezwungen zu werden. Zum Namen bin ich auch durch sie gekommen. Ich habe nach etwas gesucht, was ich noch nicht gehört habe, nicht zu lang und gut zu merken ist, in ein Logo und gleichzeitig auf ein Label passt, ohne dass man eine Lupe braucht. Din.Din ist eine Wortschöpfung meiner Tochter für „springen“. Da sie ein kleiner Springfloh ist uns seit ihrem ersten Lebensjahr vom Trampolin nicht runterzubringen war, haben wir „din din“ gefühlt hundertmal am Tag gehört. Daher dachten wir uns: „Warum nicht?“. Erfüllt alle gewünschten Kriterien.

Das Angebot in deinem Shop besteht aus einigen sehr klaren Schnitten für Kinder und Erwachsene – aber auch aus zahlreichen Plotterdateien. Was macht dir denn persönlich mehr Spaß – Schnitte zu entwickeln oder Plots? Und warum?

Bei mir ist es die Mischung. Ich könnte jetzt nicht sagen, was mir besser gefällt. E-Books sind bei mir längere Projekte, die sehr zeitintensiv sind. Hier wird genäht, geändert, wieder genäht, wieder Schnitt digitalisiert und umgesetzt, gerechnet und Listen verglichen, um alles auf Herz und Nieren zu testen. Für meine Plottvorlagen kann ich mich auf eine Sache konzentrieren, nämlich grafisch tätig zu sein. Das ist fast ein bisschen Entspannung zwischendurch. Man zeichnet vor sich hin oder verwirklicht eine Idee, wenn einen die Kreativität gerade küsst. Meistens entstehen meine Vorlagen spontan und aus einer Situation heraus, weil ich etwas benötige und gerade nichts Passendes finde.

Cindy - Din.DinWas macht denn deiner Meinung nach ein gutes und überzeugendes Näh-E-Book aus?

Wichtig ist für mich persönlich einfach eine professionelle Umsetzung, das fängt bei der Anleitung an und hört beim Schnitt inklusive Passform auf. Da ich selbst aus dem Grafikbereich komme, lege ich sehr viel Wert auf eine schöne, stimmige und logische Umsetzung. Das Auge isst mit, daher mag ich es sehr, wenn Anleitungen wie auch bei mir mit viel Liebe zum Detail erstellt sind und auf Tipps und Tricks mit eingegangen wird. Wenn ich das bei Kolleginnen wiederfinde, und spüre, wieviel Herzblut dahinter steht, fühle ich mich gleich wohl. Die Beschreibungen sollten mit guten Bildern untermalt werden, sodass man beim Lesen nicht ins Stocken gerät, fünf Mal lesen oder nachdenken muss, was der Schreiberling eigentlich sagen möchte. Schnell zusammenkopierte Anleitungen und Bilder finde ich persönlich ein No-Go.

Hast du einen persönlichen Lieblingsschnitt – abgesehen von deinen eigenen? Und wenn ja, welchen?

Ich nähe sehr gerne „Marie“ von FeeFee oder aber die „Beinschmeicheleien“-Leggins von rosarosa. Ob die Vorliebe der Schnittmuster wohl am Doppelnamen der lieben E-Book-Hersteller-Kolleginnen liegt? Fällt mir gerade so auf.

Selbermachen ist ja im Moment unglaublich angesagt. Tu doch mal so, als würdest du einen Blick in eine riesige Glaskugel werfen – wo geht die Reise hin? Hält der DIY-Trend an – oder wie wird sich der Markt in Zukunft deiner Meinung nach entwickeln?

Die DIY Branche explodiert im Moment förmlich - es ist schön zu sehen, dass sich viele kreativ ausleben und verwirklichen. Ganz wichtig in diesem Bereich finde ich jedoch, dass jeder seinen eigenen Stil findet und sich diesem treu bleibt bzw. den nötigen Respekt dem anderen gegenüber erbringt. Man kann sich so wundervoll ergänzen und inspirieren lassen. Daher sollte es nicht schwer fallen, die ehrliche Offenheit zu wahren und auch den Urheber oder Ideengeber zu nennen: Respect others and their ideas. Ich denke, dass der Trend anhalten, aber aufgrund der Masse sich nur Qualität vor Quantität durchsetzen wird.

All unsere Interviewpartner bekommen übrigens die gleiche Frage in eigener Sache gestellt. Bei Sewunity bewerten die User Schnittmuster und vergeben dafür bis zu fünf Sterne. Wie viele Sterne würdest du hingegen Sewunity geben – und warum?

Die Idee des Portals finde ich toll – alles auf einen Blick mit Kategorien zum Suchen hinterlegt. Super! Werde ich jetzt garantiert öfter nutzen, wenn ich neue Stoff-Probenähprojekte habe und wieder überlege „Was soll ich bloß nähen?“ Nur blinkende Banner sind nicht so mein Fall - das finde ich eher störend beim relaxten Stöbern.

Am Ende nun noch unser beliebtes kleines Spiel für unsere Interviewpartner. Wir präsentieren dir jeweils zwei Begriffe zur Auswahl – wähle bitte den Begriff aus, der für dich persönlich passender ist:

  • E-Book oder Papierschnitt? Ebook
  • Rollschneider oder Schere? Beides
  • Webware oder Maschenware? Meistens Maschenware
  • Nähkurs oder Autodidakt? Autodidakt
  • Overlock umfädeln oder immer mit der gleichen Farbe nähen? umfädeln
  • Onlineshopping oder Stoffgeschäft? Meistens online
  • Couch oder Laufschuhe? Couch
  • Kaffee oder Tee? Latte aber auch gerne Tee, da ich eigentlich kein Kaffeetrinker bin

Vielen Dank für das Gespräch!