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Interview der Woche: Aennie

Wenn man sich im Internet zum Thema Applikationen umschaut, dann taucht mit Sicherheit schnell ein Name auf: Aennie. Die Mutter von zwei Kindern zeigt auf ihrem Blog Kleidungsstücke, die mit zum Teil unglaublich aufwändigen Applikationen verziert sind. Darüberhinaus hat sie verschiedene Tutorials dazu veröffentlicht, wie man Nähwerke derart cool verzieren kann. Heute besucht sie uns im Nähcafé und erzählt, wie sie zum Applizieren gekommen ist.

Sewunity: Liebe Aennie, du zeigst auf deinem Blog die Sachen, die du für deine Kinder (und die anderer Leute und dich selbst) nähst, häkelst und strickst. Mehrere tausend User lesen dir dabei gerne zu. Wie fühlt es sich an, dass so viele Menschen sehen möchten, was du so fabrizierst?

Aennie

Aennie: „Mehrere tausend User …“ – uih, wie sich das anhört smiley(Ist das heute noch so, wo sich doch das meiste auf Facebook und Co. abspielt?). Ich finde es immer noch UNGLAUBLICH! Bei jedem Post, den ich verfasse, bin ich noch aufgeregt wie ein kleines Kind und ziemlich kritisch: Kann man das so schreiben, kann man das so zeigen? Ich fühle mich manchmal sogar schon beim Nähen beobachtet.
Aber es freut mich natürlich riesig – ganz klar! Besonders freue ich mich auch dann immer, wenn mich jemand in der realen Welt erkennt und anspricht. Zwar bin ich dann immer total verlegen und habe ein Brett vor dem Kopf, aber das Gefühl ist gigantisch smiley

Wenn wir auf die Anfänge deiner Nähkarriere zurückblicken – wie hat alles angefangen? Seit wann nähst du, und warum hast du dich entschieden, einen Blog über deine Nähwerke zu führen?

Die Anfänge … Das war 2009. Mein großer Sohn war damals zwei Jahre alt und wir lebten in einem großen Mietshaus, in dem einige Familien Kinder im etwa gleichen Alter hatten. Mit Nähen hatte ich zu diesem Zeitpunkt (mal abgesehen von zwei bis drei kleinen Versuchen in der Kindheit) noch nie etwas am Hut und hätte auch niemals nie gedacht, dass ich damit anfangen würde. Mein Sohn trug ab und an handmade, aber das kam ausschließlich via DaWanda zu uns nach Hause smiley. Im Erdgeschoss des Hauses lebte eine Mama, die ihrem kleinen Sohn ganz zauberhafte Sachen nähte, und ich war immer etwas neidisch: Nix DaWanda, das war SELBST gemacht!
Wahrscheinlich erzählte ich im Beisein meiner Schwiegereltern oft und begeistert von den Nähkünsten meiner Nachbarin, denn zum Weihnachtsfest 2008 schenkte mir mein Schwiegervater (!) plötzlich eine Nähmaschinesmiley. Es war zwar eine ganz einfache Maschine, denn er war sich nicht sicher, ob das Nähen wirklich etwas für mich sein würde, aber es war eine Nähmaschine, die tatsächlich vollautomatisch nähen konnte – für mich ein Teufelswerk. Ich freute mich riesig, aber hatte auch totale Ehrfurcht vor diesem Gerät. So stand die Maschine dann lange Zeit nur rum, bis ich beschloss: Es muss etwas geschehen! Ich meldete mich zu einem Nähkurs an (bei dem ich größenwahnsinnig eine gefütterte Jacke mit Reißverschluss nähen wollte und auch genäht habe, mehr oder weniger selbst – hahaha – das Gesicht der Kursleiterin damals war göttlich, als ich mit meinem Wunsch ankam), danach gab es kein Halten mehr.
So kam ich also zum Nähen. Und das Bloggen … Das kam 2010 hinzu. Aber nicht, weil ich der Welt zeigen wollte, was ich so anstelle mit meinem Maschinchen, sondern weil ich mich 2010 in einem Tauschforum für selbst gemachte Dinge angemeldet hatte, für das der Blog eine Plattform bot, zu zeigen, was man selbst so anbieten kann und möchte. Das Bloggen war damals in Nähkreisen noch in den Kinderschuhen. Man zeigte seine Designbeispiele eher bei Farbenmix zum jeweiligen Schnittmuster. Blogs … die waren echt übersichtlich in ihrer Anzahl. Und ich wusste nicht mal, wie man sich so einen Blog einrichtet …

Damit wäre auch die Frage beantwortet, warum die URL deines Blogs „aennietauscht“ heißt!
Besonders bekannt bist du für deine aufwändigen, einzigartigen Applikationen. Wie bist du dazu gekommen, die Kleidungsstücke auf diese Art zu verzieren?

Schon die oben genannte Jacke aus meinem Nähkurs musste nicht nur einen Reißverschluss haben, nein, die sollte bitteschön auch eine Piratenapplikation auf den Rücken bekommen. Mein erstes Nähstück hatte also schon eine Appli – das war aber „nur“ ein Motiv aus einem Baumwollstoff, das ich per Zickzackstich aufappliziert habe. Vliesofix war damals, glaube ich, ganz neu auf dem Markt. Jedenfalls hatte auch die Kursleiterin totalen Spaß am Ausprobieren.
Es gab damals noch nicht so viele Motivstoffe für Kinder, also zumindest nicht Jersey, schon gar nicht für Jungs. Lillestoff und Co. – nix, weit und breit (wobei … Lillestoff entdeckte ich dann doch noch, damals noch unter „minimenschundco“).

Maja

Es gab da einen Auto-Jersey von Hilco, an den erinnere ich mich noch ganz genau J, und irgendwann entdeckte ich Stoff & Stil (damals noch gar nicht in Deutschland). Das war es aber auch schon. Schließlich hatte ich die Stoff-und-Stil-Affen und die Hilco-Autos über, Motive aus diversen Baumwollstoffen waren auf viele Shirts appliziert: Eulen, Autos und … Eulen … Stickmaschinenbesitzerinnen schmachtete ich heimlich an, aber noch so eine „Teufelsmaschine“ traute ich mir nicht zu.
Und dann kam Wickie – mein Sohn liebte diese Serie. Ich hab es einfach versucht … und es wurde meine Meditation
smiley

Du hast ja zwei Söhne, nähst also viel für Jungs. Sind Applikationen die coole Version von Getüddel und Rüschen? smiley

Hahaha … wahrscheinlich smiley Ich selbst bin so wahnsinnig rüschen- und tüddellos – ich glaube, für Mädchen könnte ich gar nicht nähen. Deshalb bin ich so unglaublich froh, dass ich von Elsa und Barbie verschont bleibe, dass ich keinen Rollsaum, keinen Glitzer, kein Rosa, kein Drehkleid,keinen Haarschmuck, keine Puffärmelchen, nicht mit Framilonband … nähen muss. Den Jungs reicht die aktuelle Lieblingsfigur auf 'nem Shirt – ein Traum!

Du hast auch ausführliche Tutorials geschrieben, sodass andere von deinem Wissen profitieren können. Die stellst du auf deinem Blog frei zur Verfügung. Auch betonst du, dass du ausschließlich privat nähst. Reizt es dichnicht, mit deinem Hobby auch Geld zu verdienen?

Mmm… das ist eine Frage, mit der ich mich tatsächlich schon eine ganze Weile beschäftige. Wenn ich ehrlich bin, würde ich sogar sehr gern verkaufen, weil es mir einfach total Spaß macht – vor allem auch das Feedback, das ich auf meine Sachen bekomme. Aber es gibt drei Dinge, die mir dabei im Wege stehen: meine nicht vorhandene Zeit, mein Perfektionismus und die „Angst“, dass es einem Kunden nicht gefallen könnte. Ich bräuchte einfach zu lang für ein Teil und somit wäre es wahrscheinlich unbezahlbar smiley

Immer wieder nähst du Schnitte zur Probe. Was macht für dich ein gutes E-Book aus?

Das habe ich eine Zeit lang sehr viel getan – das stimmt. Mittlerweile schaffe ich das leider gar nicht mehr so oft. Ein gutes E-Book vereint für mich: eine gute Passform, eine ausführliche Beschreibung, vor allem auch für Näheinsteiger (möglichst mit Tipps und Tricks zu diversen Nähschritten und Anpassungen) und … das gebe ich zu … auch der Ausdruck und eine fehlerfreie Rechtschreibung und Grammatik smiley

Ja, da haben wir etwas gemeinsam. Und welches ist dein Lieblingsschnitt – für dich und für deine Söhne?

Das kann ich gar nicht an einem bestimmten Schnitt festmachen. Für mich nähe ich wahnsinnig gern alle Ladys von Mialuna – am liebsten Rose und Pepe, Grace wird noch ausprobiert – für die Jungs Mialunas Pepe und die Schnitte von Klimperklein. Mein Lieblingsmützenschnitt ist die Michelmütze von Lillemo, mein Lieblingshosenschnitt ist der Täschling 2.0 von Allerleikind.
Ich gebe zu, dass ich nicht mehr sehr experimentierfreudig bin, mir noch unbekannte E-Book-Erstellerinnen auszuprobieren. Der Markt dafür ist mittlerweile so riesig und ein-, zweimal bin ich auch schon reingefallen, deshalb greife ich meist auf Altbewährtes zurück. Aber es gibt auch positive Überraschungen: Schnittgeflüster zum Beispiel. Da hab ich mich getraut und mit Velara voll ins Schwarze meines Geschmacks getroffen (und später auch mit dem Mantelschnitt Clarice).

Du hast zwei Kinder, arbeitest und bist auch sonst viel beschäftigt. Hast du eigentlich auch noch Zeit für Hobbys, die nichts mit dem Nähen zu tun haben? Was machst du am liebsten, wenn du ganz frei hast?

Nein, bzw. kaum. Meine Arbeit ist mein zweites Hobby smiley. Ich nähe nachts, und wenn ich dafür zu faul bin, dann stricke oder häkle ich, das erspart das Anschmeißen der Maschinen, das Zurechtlegen und –schneiden der Schnittteile ... In der Bahn zur Arbeit lese ich, Sport ist so gar nicht meins, auch wenn ich das gern machen würde und müsste. Was ich leider gar nicht kann, ist einfach mal Nichtsmachen. Das müsste ich eigentlich mal zum Hobby werden lassen smiley.

Wenn jemand zu dir kommt und meint, er hat jetzt auch Lust bekommen, mit dem Nähen anzufangen – welche Ratschläge würdest du ihm mit auf den Weg geben? Und auf welche Hilfsmittelchen kannst du keinesfalls verzichten?

Auf jeden Fall würde ich von Anfang an zu vernünftigem Handwerkszeug raten. Es gibt nichts Schlimmeres als Maschinen, Rollschneider, Garn und Co., die dem Arbeitsfluss einen Strich durch die Rechnung machen. Der Spaß ist wahnsinnig schnell verdorben! Ansonsten würde ich sofort Tipps fürs Applizieren geben – fertige Motivstoffe sind doch auf Dauer auch langweilig smiley

Gibt es in puncto Nähen noch etwas, an das du dich bislang noch nicht gewagt hast? Welcher Herausforderung würdest du dich gerne mal stellen?

Ich würde mir wahnsinnig gern mal einen Anzug nähen, also Hose und Blazer. So richtig maßgeschneidert … Aber dafür fehlt mir das Knowhow, die Schneiderpuppe, das Selbstvertrauen … und … die Zeit.

Du kennst ja das Prinzip von Sewunity: Die User bewerten Schnittmuster nach einem Fünf-Sterne-System, sodass andere von ihren Erfahrungen profitieren können. Wenn Sewunity ein Schnitt wäre: Wie viele Sterne würdest du geben – und warum?

Die Idee finde ich richtig, richtig klasse und hoffe auf immer ganz ehrliche Meinungen. Von mir gibt’s 5 Sterne

Auch mit dir würden wir nun gerne zum Abschluss ein kleines Spiel spielen. Immer zwei Begriffe stehen zur Auswahl – bitte sag uns doch, welcher davon am besten auf dich zutrifft!

  • Rollschneider oder Schere? Schere (Rollschneider nur für Bündchen, ansonsten komme ich nicht klar damit)
  • E-Book oder Papierschnitt? E-Book (auch wenn ich das Zusammenkleben eigentlich hasse)
  • Webware oder Maschenware? Maschenware
  • Nähkurs oder Autodidakt? Autodidakt (ich will einfach immer alles sofort selber machen und bin zu ungeduldig für Anleitungen)
  • Ovi umfädeln oder immer mit der gleichen Farbe nähen? umfädeln (Immer! Ich habe eine kleine monkistische Ader.)
  • Onlineshopping oder Stoffgeschäft? Stoffgeschäft (Ich muss ganz viel tatschen, grabschen und fühlen und mit der Ladeninhaberin quatschen.)
  • Couch oder Laufschuhe? Couch in der Freizeit, Laufschuhe nur für den Weg zur Arbeit.
  • Kaffee oder Tee? Kaffee (und das in Unmengen!)

Liebe Aennie, wir danken dir herzlich für das Gespräch!