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Interview der Woche: Tanja von "Die Elberbsen"

Ob kleine Täschchen, niedliche Kuscheltiere oder Geldbörsen: Wer gerne kleine Geschenke und Überraschungen näht, kommt am Label "Die Elberbsen" aus Pinneberg nicht vorbei. Im Interview mit Sewunity erzählt Tanja, auch "Frau Erbse" genannt, wie das Label zu seinem Namen kam - und warum man beim Wenden eines Nähwerkes unbedingt darauf achten sollte, vorher alle Stecknadeln zu entfernen.

die elberbsenSewunity: Liebe Tanja, erst einmal vielen Dank dafür, dass du uns für ein Interview zur Verfügung stehst. In unserem Nähkästchen dreht sich in der aktuellen Ausgabe alles um genähte Last-Minute-Geschenke zu Weihnachten. Schaut man sich deine E-Books an, wird man auf der Suche nach liebevollen Kleinigkeiten ganz sicher fündig. Wie bist du auf die Idee gekommen, Anleitungen für Taschen und viele andere kleine Nähprojekte zu entwickeln?

Tanja: Hallo und lieben Dank, dass ich dabei sein darf! Ich habe zwei Jahre lang Auftragsnäharbeiten für Babyausstattungen gemacht. Das war ein Vollzeitjob. Teilweise arbeitete ich bis zu 60 Stunden die Woche. Ich merkte, dass das alles zu viel wurde - ein frischgebackenes Schulkind, ein Baby und mit dem dritten Kind schwanger. So beschloss ich, alle Sachen, die ich genäht hatte, in eine Nähanleitung zu verwandeln. Das machte mir riesen Spaß und da ich ursprünglich Grafikerin bin, hatte ich mit der Umsetzung auch keine Schwierigkeiten. Ich war total glücklich, dass die E-Books zu gut ankamen. Nebenbei verkaufte ich noch Stoffe und Nähmaterialien. Genähte Sachen verkaufe ich immer noch, aber keine Extraanfertigungen mehr.

Woher kommt eigentlich dein Name, "Die Elberbsen?" Und wie fing deine eigene, persönliche Nähkarriere an?

Ganz am Anfang hieß mein Label noch T.U.G.L. family. Das entsprach unseren Anfangsbuchstaben. Dann kam aber noch unser drittes Kind dazu, da passte der Name einfach nicht mehr. Wir saßen also zu fünft zusammen und haben Brainstorming gemacht. Jeder Name wurde auf einen Klebi geschrieben und dieser auf den Tisch geklebt. Wem ein Name nicht gefiel, hat den Klebi weggeworfen, so blieb noch einer übrig - Die Elberbsen. Wir fünf Erbsen, fest verwurzelt an der Elbe. Diese Klebiaktion haben wir damals übrigens auch bei den Namen unserer Kinder gemacht.
2006 verlor ich meinen Job als Grafikerin und da beschloss ich, mir das Nähen beizubringen. Ich war schwanger mit unserem zweiten Kind und es nervte mich, dass man Babyausstattungen nur in diesem typischen Bärchendesign bekam. Ich wollte schon immer Nähen lernen und dann tat ich das einfach! Eine günstige Nähmaschine, 25 Kilo Kirschkerne, (ohne zu ahnen wieviel das wirklich ist – oh Schreck!), erfrischende florale tolle Stoffe und dann nähte ich Kirschkernkissen ohne Ende. Ich legte einfach drauf los! Ich hatte mich auch mal bei einem VHS-Nähkurs angemeldet, aber ich fühlte mich äußerst unwohl. Sehr viele Teilnehmerinnen und eine Kursleiterin, die nicht wirklich Zeit für jeden einzelnen hatte. Außerdem wollten alle Klamotten nähen, nur ich fiel aus der Reihe. Also bin ich nach dem zweiten Termin nicht mehr hingegangen und sagte mir, dass ich das auch alleine schaffe. Ich saß täglich stundenlang an der Maschine! Einige Monate später, im Jahr 2008, eröffnete ich meinen ersten Onlineshop.

Tanja - die elberbsenAndere entwerfen Schnittmuster für Kleidung, du für Accessoires, Kuscheltiere und mehr. Was macht in diesem Bereich deiner Meinung nach ein gutes E-Book aus?

Ich hab es nicht so mit Bekleidung. Ich liebe es, Taschen, Mützen und Kuschelsachen für Kinder zu nähen! Was ein gutes E-Book ausmacht? Genaue Materialbeschreibung, jeder Schritt muss gut fotografiert werden. Dazu eine genaue, aber nicht zu lange Beschreibung. Beispielfotos sind sehr inspirierend für die Kundinnen. Ich habe ein großes und vor allem großartiges Probenähteam. Jedes E-Book wird von ihnen getestet. Das heißt, sie achten darauf, dass jeder Schritt, besonders für Nähanfängerinnen, gut nachvollziehbar ist. Die Mädels haben immer so tolle Ideen! Sie haben ja freie Hand. So entstehen viele neue Details an dem Nähobjekt. Diese versuche ich dann, wieder ins E-Book mit einzubauen. Außerdem braucht man eine Lektorin oder jemanden, der top in Grammatik und Rechtschreibung ist. Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht! Und da habe ich meine Heike, die für mich immer da ist, wenn ich sie brauche. Das Layout ist natürlich auch nicht ganz unwichtig. Absolut unprofessionell ist es, wenn man seinen Schnitt per Hand gekritzelt und eingescannt hat.

Wie lange dauert bei dir der Entstehungsprozess von der ersten Idee bis zum fertigen E-Book?

Normalerweise 2-3 Wochen, wenn nichts dazwischen kommt. Ich bin da sehr spontan und mein Probenähteam auch. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, muss es ganz schnell gehen!

Jemand kommt zu dir und hat noch nie im Leben an einer Nähmaschine gesessen. Welche Tipps gibst du ihm für den Start mit auf den Weg?

Als erstes: Entspannen! Es geht erstmal nicht um Perfektion, sondern um den Spaß. Nähen hat etwas von Therapie  Man braucht auch keine teuren Materialien und auch keine teure Nähmaschine für den Anfang. Am besten näht man auf Papier oder ausgesondertem Stoff ein paar gerade Linien, dann Zick Zacklinien, dann Rundungen. Mit leichten Projekten starten. Nicht gleich mit Jersey nähen. Das braucht erstmal Übung. Lieber zu normalen Baumwollstoffen greifen. Und wichtig: Immer wieder dehnen und bewegen. Sonst hat man am nächsten Tag Probleme mit Nacken und Rücken ;-)

Du gibst selber auch Nähkurse. Welchen Stellenwert haben solche Kurse heutzutage noch, wenn man sich ja theoretisch auch fast alles selbst über das Internet beibringen kann?

Einen sehr hohen Stellenwert haben Nähkurse! Eltern die ihre Kinder zu mir schicken, haben natürlich noch nie vorher mit Hilfe des Internets genäht. Erwachsene haben schon sehr oft gesagt, dass sie sich zwar Videos angeschaut haben, aber es nicht wirklich verstanden haben. Es ist ein großer Unterschied, ob man gewisse Dinge im Internet sieht oder live und möglichst mit einer 1:1-Betreuung übt.

Nähst du auch noch für dich? Wenn ja, was sind deine Lieblingsprojekte?

Für mich nähe ich sehr selten. Mein Problem war ganz oft, dass der Schnitt nicht 100-prozentig passte. Ich ärgere mich dann, weil Stoffe teuer sind und ich da tatsächlich geizig bin. Letztes Jahr habe ich drei Longshirts für mich genäht. Sie passten perfekt und ich hätte sie am liebsten täglich getragen. Jetzt liegen sie im Schrank, drei Nummern zu groß. Ich muss also wieder an die Maschine.

Hast du auch spezielle Lieblings-E-Books - außer deinen eigenen?

Oh ja, von meiner Kollegin Leni Pepunkt das Shirt Nr. 1. Wie gerade schon erwähnt – passt perfekt! Ansonsten bin ich leidenschaftliche E-Book Sammlerin. Mein Problem ist nur, dass ich zu wenig Zeit habe und selten zum Nachnähen komme.

Das ElberbsenhausWas ist im Zusammenhang mit Nähen deine größte Panne, die dir je passiert ist? Und an welchen Projekt hattest du den größten Spaß?

Früher habe ich immer mit kleinen Stecknadeln gearbeitet und sie ganz oft in den Sachen vergessen. Beim Wenden durfte ich schmerzlich feststellen, dass da noch welche drin sind. Seitdem benutze ich nur noch meine großen Herzstecknadeln. Die fallen auf! Ich habe immer so Nähphasen. Dann nähe ich einige Tage durch und mag nicht gestört werden. So wie vor kurzem, als ich 122 Schmink- und Stiftetaschen genäht habe. Hat mir riesen Spaß gemacht, andere haben mit dem Kopf geschüttelt.

Aktuell ist Nähen ja ausgesprochen angesagt. Was ist deine Prognose für die Zukunft, wie sich der Markt entwickelt? Wird der Boom anhalten – oder wird er nachlassen?

Ich bin überzeugt davon, das der Trend anhalten wird. Die Menschen wertschätzen mittlerweile das Selbstgemachte und möchten etwas Besonderes.

Was sind deine persönlichen Pläne für die Zukunft – was wird es als nächsten von den "Elberbsen" geben?

Meine drei (Schul) Kinder stehen immer an erster Stelle. Wir verbringen sehr viel Zeit miteinander. Nebenbei gebe ich Nähkurse in meinem kleinen Lädchen und leite einmal die Woche eine Näh-AG an der Grundschule. Nun werde ich ab Februar eine weitere AG für Illustrationen an einer weiterführenden Schule leiten. Da freue ich mich schon sehr drauf! Und wenn ich zwischendurch wieder Zeit finde, gibt’s ein neues E-Book! Geplant ist es eigentlich schon lange…

Zum Schluss noch eine Frage in eigener Sache. Auf sewunity.de bewerten die User Schnittmuster mit bis zu fünf Sternen. Wie viele Sterne würdest du Sewunity geben – und warum?

Natürlich 5 Sterne! Eure Plattform ist super. Endlich kann man ausführliche Bewertungen lesen. Gerade weil ich immer wieder Probleme mit den Passformen beim Klamottennähen habe, kann ich vorher lesen, was für mich in Frage kommen könnte.

Am Ende möchten wir mit dir noch ein kleines Spiel machen. Wir geben dir jeweils zwei Begriffe zur Auswahl – und du wählst bitte den Begriff aus, der für dich persönlich am besten passt. Los geht's!

• Rollschneider oder Schere? Schere, ganz klar!

• E-Book oder Papierschnitt? E-Book. Ich mag es nicht abzupausen

• Webware oder Maschenware? Webware

• Nähkurs oder Autodidakt? Autodidakt

• Overlock umfädeln oder immer mit der gleichen Farbe nähen? Definitiv mit der gleichen Farbe nähen

• Onlineshopping oder Stoffgeschäft? Beides

• Couch oder Laufschuhe? Morgens Sportschuhe und abends Couch

• Kaffee oder Tee? Kaffee, möglichst tiefschwarz! Ich kann Tee nicht ausstehen

Vielen Dank für das Gespräch!

Hat riesen Spaß gemacht ♥