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Wie verarbeite ich Wachstuch richtig?

Ostern steht vor der Tür - der Frühling ist da! Endlich kann man wieder nach draußen, Spielen im Garten, Kaffeetrinken auf der Terrasse, die Blumen- und Gemüsebeete werden frisch gemacht. Wenn man für diese Aktivitäten etwas nähen möchte, ob Tasche für das Buddelzeug, Sitzkissen, Utensilos oder abwischbare Tischdecken, dann taucht ein Material geradezu zwangsläufig auf: Wachstuch. Aber was ist das eigentlich, und wie wird es am besten verarbeitet?

Wachstuch war ursprünglich genau das: ein gewachstes Tuch. Dazu wurde ein Leinen-, Jute- oder Baumwollstoff mit mehreren Schichten Firnis und Ölfarbe überzogen. Diese Stoffe dienten vor allem dazu, Waren wasserdicht zu verpacken. Sie waren stabil, wasserfest und robust.

Wachstuch

Heutzutage besteht Wachstuch entweder aus einer gewebten Grundlage oder einem aufgerauhten Vlies aus Kunstfasern, das mit einer dünnen Kunststoffschicht überzogen ist. Wie das Original ist es wasserabweisend und sehr stabil - zum Beispiel für Utensilos braucht man keine zusätzlichen Bügeleinlage oder Volumenvlies, um ausreichende Standfestigkeit zu erreichen.

Die Besonderheiten, die es beim Verarbeiten von Wachstuch zu beachten gibt, liegen im Material begründet. Da ist zum einen die Tatsache, dass Wachstuch in aller Regel nicht waschbar ist. Weder das Kunststoffvlies noch die Beschichtung würden die Umdrehungen in einer Wäschetrommel so gut vertragen. Und auch das Bügeleisen sollte dem Wachstuch tunlichst fernbleiben. Darum wird Wachstuch eigentlich auch immer auf Rollen gelagert, häufig gerollt verschickt und sollte nicht gefaltet in den Stoffschrank wandern, denn Knicke lassen sich nur schwer wieder entfernen. Ich persönlich habe da ganz gute Erfahrungen mit einem Fön gemacht, aber da muss man behutsam vorgehen - ich übernehme keine Garantie für geschmolzenes Plastik smiley.

Beim Schneiden ist die Stoffschere die richtige Wahl, die Beschichtung schadet der Klinge für gewöhnlich nicht. Bei der Nahtzugabe sei stets daran gedacht, dass auch sie eine gehörige Steifigkeit an den Tag legt; wenn man ein Projekt vor sich hat, bei dem gewendet werden muss, sollte die Nahtzugabe vor dem Wenden zurückgeschnitten werden. Versäubern muss man Wachstuch nicht, durch die Beschichtung kann es nicht ausfransen.

mit Wonderclips

Beim Nähen sind auf jeden Fall Wonderclips oder Stylefix (oder ähnliches Klebeband) den Stecknadeln vorzuziehen. Ein Loch, das einmal ins Wachstuch gepiekst wurde, geht nicht wieder weg. Von daher ist auch Auftrennen immer ungut und sollte vermieden werden!

Weil die Löcher im Material permanent sind, empfiehlt es sich, mit eher dünnen und frischen (also spitzen) Universalnadeln zu nähen. Auch ist es sinnvoll, die Stichlänge eher groß zu wählen. So vermeidet man, dass das Material perforiert wird und später an der Naht reißt!

Da Wachstuch ein eher schweres und steifes Material ist, kann es helfen, wenn man den Nähfußdruck bei der Maschine etwas erhöht. So wird das Material sauberer geführt. Allerdings kann ein zu hoher Nähfußdruck das folgende Problem noch verstärken:

Oftmals gibt es Probleme mit dem Transport. Vor allem, wenn die beschichtete Seite des Materials außen liegt, beim Absteppen oder re-auf-li-Nähen etwa, kann es vorkommen, dass das Wachstuch am Füßchen oder Transporter kleben bleibt. Hier gibt es drei Methoden, die Abhilfe schaffen:

  1. der Obertransport
    Das ist die kostenintensivste, aber auch sicherste Methode, um Abhilfe zu schaffen. Manche Maschinen sind bereits mit einem eingebauten Obertransport versehen, bei anderen kann man den Obertransportfuß als Zusatzmaterial dazukaufen. Hier wird, wie der Name schon sagt, der Stoff auch von oben weitertransportiert. So verschiebt sich nichts und die Naht wird sauber und gleichmäßig.
  2. Teflonfüßchender Teflonfuß
    Dieses Wechselfüßchen besteht aus Kunststoff, der ein Festkleben verhindert - wie bei der Teflonpfanne eben. Er ist für die meisten Maschinen als optionales Zubehör erhältlich und leistet nicht nur für Wachstuch, sondern auch für alle anderen klebrigen Materialien (wie manche Ledersorten oder Stoffe mit Beschichtung) gute Dienste.
  3. Backpapier/Masking Tape
    Mit einem einfachen Trick könnt ihr dem Kleben ein Schnippchen schlagen, wenn ihr nur mal ausnahmsweise mit Wachstuch arbeitet oder spontan keine Zeit habt, um auf das neue Zubehör zu warten: Entweder ihr klebt einen Streifen Masking Tape unter euer normales Nähfüßchen, oder ihr legt Backpapier zwischen Füßchen und Nähgut. So kann die Beschichtung nicht am Metall kleben bleiben, an dem glatten Papier haftet sie nämlich nicht. Nachteil dieses Systems: Das Masking Tape hält nicht ewig, bei größeren Arbeiten muss man also öfters nachkleben. Und das Backpapier muss natürlich nach dem Nähen sorgfältig wieder abgerissen werden, besonders in den Nähten kann das schon fitzelig werden.

Übrigens treffen die meisten dieser Tipps und Tricks auch auf beschichtete Baumwolle zu. Dabei handelt es sich (wie der Name schon sagt) um ein Baumwollgewebe, das mit einer dünnen Kunststoffschicht laminiert wurde. Beschichtete Baumwolle ist ebenso wasserfest wie Wachstuch, aber deutlich weicher, dünner und weniger standfest. Sie eignet sich gut für Taschen, Kissen und kleinere Objekte. Im Gegensatz zu Wachstuch ist beschichtete Baumwolle für gewöhnlich im Schonwaschgang waschbar und kann vorsichtig von links gebügelt werden. Beschichtete Baumwolle ist allerdings deutlich weniger robust und muss für viele Projekte verstärkt werden. Dafür ist es aber edler in der Optik, weil man weniger den "Plastikeffekt" hat und oft die Gewebestruktur noch gut erkennbar ist. Es neigt auch weniger zu dauerhaften Knittern.

Grundsätzlich gilt für beide Materialien: Sie sind vielleicht ein bisschen divenhaft in der Handhabung, aber mit diesen Kniffen sollte dem frühlingshaften Wachstuch-Nähvergnügen nichts mehr im Wege stehen! Wenn ihr noch Inspirationen sucht, dann schaut doch bei den Stars vorbei, wo Steffi euch tolle Ideen vorstellt. Wir freuen uns auf eure Projektfotos und Bewertungen!