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Schlingen und Schlaufen - Frottee vernähen leicht gemacht

Auch wenn der April macht, was er will - der Sommer kommt und ist nicht aufzuhalten! Schon in den Pfingstferien steht bei vielen Familien Urlaub im Süden an. Und das ideale Material für Strandkleidung und vieles mehr ist: Frottee! Was das ist, worin seine besonderen Eigenschaften liegen und was es beim Verarbeiten zu beachten gibt, verraten wir euch heute.

Wirkfrottee

Erst einmal zum Material: Frottee erkennt man ja schon auf den ersten Blick. Die charakteristischen Schlaufen sind nicht zu verkennen und für die besonderen Materialeigenschaften verantwortlich.

Das Wort Frottee kommt vom französischen frotter, was so viel wie abreiben bedeutet. Damit ist auch schon klar, dass das Material von Anfang an dafür gedacht war, etwas trockenzureiben.

Frottee wird aus speziellen Garnen hergestellt. Diese Garne werden bereits beim Spinnen mit eingearbeiteten Schlaufen versehen. Dadurch haben die Stoffe ein hohes Volumen, einen angenehmen "Grip" und sie können sehr viel Wasser aufnehmen.

Als Meterware sind vor allem zwei Qualitäten erhältlich: Walkfrottee und Wirkfrottee.

Walkfrottee ist Webware, das heißt, die speziellen Fäden werden ganz klassisch miteinander verwoben. Allerdings werden hier auch noch zusätzlich Schlingen eingearbeitet, um das Volumen noch weiter zu erhöhen. Walkfrottee ist ziemlich fest und nicht elastisch. Es wird vor allem für Handtücher, Bademäntel, Lätzchen und andere Dinge, die sich nicht dehnen müssen, verwendet.

Wirkfrottee dagegen ist Maschenware. Hier werden die Frotteefäden also verstrickt, und die stärkere Schlingenbildung ist nur auf der rechten Seite zu sehen. Das Material ist weicher als Walkfrottee und durch die Herstellung auch dehnbar. Diese Art von Frottee kann man gut für Shorts, Shirts oder Badekleider verwenden. Auch kuschlige Schlafanzüge sind immer aus Wirkfrottee. Besonders hier ist die glatte linke Seite des Stoffes sinnvoll, da sie für ein angenehmes Tragegefühl sorgt.

Bevor man Frottee vernäht, muss man also erst mal drauf achten, WAS man nähen will, bevor man einkauft, damit man auch die richtige Art von Frottee mit nach Hause nimmt!

Walkfrottee

Beim Zuschnitt ist mit Fusseln zu rechnen - man schneidet ja automatisch die Schlaufen und Schlingen auf, da bleibt was übrig. Vor allem bei Wirkfrottee muss man darauf achten, dass sich die Schnittteile beim Zuschneiden nicht verziehen.

Walkfrottee kann im Gegensatz zum gewirkten Material auch ausfransen. Beim Versäubern ist aufgrund der Schlingen ein breiter Zickzackstich sinnvoll. Außerdem ist es gut, wenn man eine eher große Nahtzugabe wählt, damit das Material nicht einreißt. Durch das Effektgarn ist die Webstruktur oft eher locker.

Grundsätzlich ist Frottee nicht schwierig zu verarbeiten. Universalnadeln sind gut geeignet, und Wirkfrottee lässt sich auch sehr gut mit der Overlock vernähen.

Frotteepants

Allerdings muss man bei dem Material immer daran denken, dass es einfach voluminöser ist als herkömmlicher Jersey oder glatte Webstoffe. Wenn man z.B. ein Babyhandtuch näht und dieses klassisch mit Schrägband einfassen möchte, dann ist man gut beraten, breiteres Schrägband zu kaufen oder herzustellen. Die herkömmlichen 18 mm sind da doch schnell sehr schmal. Auch wenn man (wie zum Beispiel bei den schicken Shorts von Hamburger Liebe) an einem Kleidungsstück etwas einfassen möchte, muss man dies beachten.

Nun sollte doch einem sommerlichen Frottee-Nähvergnügen nichts mehr im Wege stehen, oder? Ach, ihr braucht noch Ideen? Na, dann schaut schnell bei den Stars in der heutigen Ausgabe des Nähkästchens vorbei! Tatjana hat euch die schönsten Schnittmuster, die für Frottee konzipiert oder geeignet sind, zusammengestellt. Have a sewtastic day!