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Interview der Woche: Sabine von farbenmix

Es gibt Namen in der Nähszene, die kennt einfach jeder. Einer davon ist farbenmix. Wie aus einem kleinen Shop für Nähzubehör ein berühmtes Label für Schnittmuster und mehr wurde und was der DIY-Trend mit dem menschlichen Bedürfnis nach Individualismus zu tun hat, verrät uns farbenmix-Gründerin Sabine im Sewunity-Interview.

Sewunity: Liebe Sabine, es gibt wohl nur wenige Label, die in der Nähszene so ziemlich jeder kennt - farbenmix ist aber sicher eins davon. Wie fühlt es sich an, ein echter Nähpromi zu sein?

Logo farbenmixSabine: Nun, inzwischen bin ich sicher eher eine „Nähomi“...lach... und das ist eigentlich nichts besonderes im Alltag. Ich habe das Glück gehabt, mein Hobby schon vor gut 30 Jahren zum Beruf machen zu können. Die Hälfte der Zeit habe ich mit Auftragsarbeiten verdient, dann kam farbenmix.

Wie fing denn mit farbenmix seinerzeit alles an, welche Geschichte steckt hinter dem Namen?

Hier in Deutschland und mir persönlich fehlte einfach fröhlich buntes Nähzubehör. So habe ich mich auf die Suche im farbenfröhlicheren Ausland gemacht. Vieles konnte leider nur in größeren Mengen eingekauft werden. So teilte ich mir erst alles mit anderen Nähfreunden, dann entstand farbenmix als winziger Onlineshop.

Hättest du jemals mit so einem riesigen Erfolg gerechnet? Und warum heißt farbenmix eigentlich farbenmix?

Nein, mit dem Erfolg war nicht zu rechnen, denn die meisten eingesessenen örtlichen Nähgeschäfte schlossen gerade zu der Zeit. Es sollte eben wirklich nur der kleine Onlineshop sein. Der Name ergab sich aus „Farbenwunder“, denn unter diesem Label verkaufte ich damals meine Auftragsarbeiten.

Wenn man an farbenmix denkt, dann denkt man vor allem auch an Papierschnitte. Heutzutage werden jedoch viele Schnitte als reine E-Books konzipiert – bzw. auch bei euch digital vertrieben. Was ist bei euch mehr angesagt, der Papierschnitt oder das E-Book – und welche Chancen hat der Papierschnitt in der Zukunft?

Das Thema hat uns auch sehr beschäftigt, so haben wir ein paar Schnittmuster parallel als Papierschnitte und Ebooks herausgegeben. Bei den Onlinekunden sind es interessanterweise fast genau die Hälfte, welche jeweils ein Format bevorzugen. Wir verkaufen aber sehr viel an Stoffläden, bzw. in den gewerblichen Bereich. Dieser führt nur die Papierschnittmuster.

Generell ist es ja so, dass die DIY-Szene aktuell wahnsinnig boomt – Menschen lieben es, wieder Dinge ganz alleine mit ihren Händen zu schaffen. Welche Zukunft gibst du dem Trend – wird diese Phase vergehen oder auf Dauer anhalten?

Sabine von farbenmixJa, je technisierter und uniformierter die Umwelt wird, desto dringender ist das menschliche Bedürfnis zum Individualismus. Wenn ich heute in die Innenstadt gehe, sehe ich dort leider haargenau die gleichen Geschäfte wie in allen anderen Innenstädten, dazu noch mit genau der gleichen Kleidung. Im Kindergarten hängen mindestens 5 gleiche Jacken an der Garderobe. Viele sehen sich und ihre Kinder mit recht als Persönlichkeit und möchten sich nicht diesem Einheitslook unterwerfen. Daher wird es nicht nur die „Selbermacher“ geben, sondern auch die Gruppe derjenigen, die Individuelles kaufen, wird noch wachsen.
Außerdem ist es ein ganz besonderes Erlebnis, selber etwas zu erschaffen. Dieses Gefühl ist durch nichts zu ersetzen. Wer es einmal in einem beliebigen Bereich ausprobiert hat, wird dieses stolze Gefühl immer wieder anstreben. Trotzdem ist der kommerzielle Bereich in den letzten drei Jahren explodiert, er wurde für Finanzgeber sehr interessant. Da ist meiner Meinung nach eine große Blase entstanden und in den nächsten Jahren wird sich die Spreu vom Weizen trennen.

Wie hast du eigentlich selber angefangen, zu nähen – und kannst du dich noch daran erinnern, was dein allererstes Projekt war?

Ich habe die Grundzüge des Nähens wirklich schon als Kind an der Tretnähmaschine meiner Oma gelernt. Erst saß ich dabei sogar auf dem Schoß, da die Füße nicht an das gusseiserne Pedal reichten. Meine Oma hat „Aufgetragenes“ immer wieder neu vernäht. Aus Pullovern vom Opa mit aufgewetzten Ärmeln entstanden so schicke Wollpullis für uns Enkelkinder. Daher waren meine ersten Projekte auch Kissen, Kuscheltiere und Beutel aus Stoffresten zusammengepatcht.

Welchen Tipp würdest du jemanden geben, der das erste Mal an einer Nähmaschine sitzt. Worauf muss er achten, welchen Weg empfiehlst du ihm?

Um die Handhabung einer Nähmaschine kennenzulernen würde ich auf jeden Fall einen Kurs für Anfänger belegen. Dann sind die grundlegenden Techniken bekannt. Mit einfachen Freebooks, Stoffresten, Geduld und durch Versuch und Irrtum lassen sich dann alle möglichen Nähtechniken erlernen. Inzwischen findet frau aber sicher auch leicht eine Freundin, die weiterhilft oder hat sogar das Bedürfnis sich in speziellen Nähkursen weiterzubilden.

Ist dir beim Nähen selbst schon mal so eine richtige Panne passiert – und wenn ja, was war das?

Ständig, das Nähen ist ja schließlich ein Handwerk und Menschen machen Fehler. Aus einigen lernt man für immer, andere wiederholen sich ab und zu mal. Drucker sind bei mir gerne mal verkehrt herum, beim Nähen von asymetrischen Modellen schneide ich öfters mal falsch zu.

Wenn man an farbenmix denkt, denken viele Nähfreunde automatisch auch an die Taschenspieler-CDs. Wie kam euch die Idee, Schnittmuster und Anleitungen für Taschen gesammelt herauszubringen?

Hinter jeder Taschenspieler-CD steht immer die gleiche Idee. Jeder kann mit der einfachsten Tasche der CD beginnen und sich dann Schritt für Schritt bis zu den aufwändigeren Taschen vorarbeiten. Die sehr super ausführlichen Foto- und teilweise sogar Videoanleitungen zeigen und erklären alle Details. Damit persönliche Einzelstücke entstehen, sind zusätzlich unzählige Tipps und Tricks und Anleitungen zum Verzieren enthalten. Dies ist gegenüber einem Ebook ein großer Vorteil, denn man hat alles beisammen. So erspart die CD eine zeitintensive Suche im Netz, wie wird z.B. verziert, wie nähe ich ein Gurtband selber usw. Außerdem ist der Preis für über 11 Taschenschnittmuster in jeder Größe sicher unschlagbar.

Passend zur heutigen Nähkästchen-Ausgabe startet auf Sewunity.de ein kleiner Strandtaschen-Sew-Along. Welchen Tipp gibst du jemanden, der zum ersten Mal eine Tasche näht?

Einfach beginnen und keine Angst vor Taschen haben, das ist wohl das wichtigste. Ein Einkaufsbeutel wird zum schnellen Erfolgserlebnis mit ganz wenig Näherfahrung. Auch eine große Strandtasche braucht keine Verschlüsse. Oftmals liegt gerade der Zauber in einfachen Modellen, welche aber durch Verzierungen, besondere Stoffe, einen hübschen Mix von Materialien ihren ganz besonderen Charme bekommen.

Was macht für dich ein gutes E-Book bzw. eine gute Papieranleitung aus? Wie erkennt der Kunde, dass er Qualität kauft?

Das ist für den Kunden sehr schwer zu beurteilen. Bei farbenmix sind von allen Papierschnittmustern die Fotoanleitungen schon VOR dem Kauf online einsehbar. So weiß man als Kunde schon mal, ob die Nähkenntnisse reichen und jeder Arbeitsschritt nachvollziehbar ist. Bei der Passform von Schnittmustern gibt es große Unterschiede. Wenn Schnittmuster von einer Schnitttechnikerin professionell erstellt sind, weiß man schon mal, dass sie grundsätzlich richtig aufgebaut sind. Trotzdem müssen sie in der Regel auf die eigene Figur angepasst werden. Ich würde mich sehr freuen, wenn VOR dem Zuschneiden gemessen würde. Anleitungen dazu gibt es genug. Ich selber muss z.B. für mich immer die Ärmel und auch die Oberkörperlänge verlängern. Ich vergleiche daher schon beim Abzeichnen des Schnittmusters diese Maße und gleiche entsprechend an.

Nun noch unsere obligatorische Frage in eigener Sache. Auf Sewunity.de bewerten User Schnittmuster mit Sternen. Wir fragen mal andersrum: Wie viele Sterne würdest du Sewunity geben – und warum?

Da es keine vergleichbare Webseite im Netz gibt, ist es schwer, Sterne zu vergeben. Ich denke aber, dass nicht nur Kunden von den Meinungen anderer Kunden profitieren können. Auch die Hersteller selber machen sich ein Bild von der Kundenmeinung und können so das eine oder andere sicher noch optimieren. Die Meinung der Kunden ist uns sehr wichtig, denn letztlich lebt auch farbenmix von deren Zufriedenheit.

Zum Schluss noch das berühmte kleine Spiel, das wir mit all unseren Interviewpartnern spielen. Wir präsentieren dir jeweils zwei Begriffe zur Auswahl – bitte wähle doch jenen Begriff aus, der auf dich am meisten zutrifft:

- Rollschneider oder Schere? Schere

- E-Book oder Papierschnitt? Papierschnitt

- Webware oder Maschenware? Beides

- Nähkurs oder Autodidakt? Gelernt

- Overlock umfädeln oder immer mit der gleichen Farbe nähen? Umfädeln

- Onlineshopping oder Stoffgeschäft? Geschäft

- Couch oder Laufschuhe? Nähmaschine ;-)

- Kaffee oder Tee? Kaffee

Vielen Dank für das Gespräch!