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Ganz schön aufgerüscht - Kräuseln in allen Lebenslagen

Zu vielen Anlässen näht man ja gerne festliche Kleidung. Und dazu zählen nicht nur runde Geburtstage oder Hochzeiten, sondern auch die Einschulung. Gerade bei den Mädchen gibt es da doch eine ganz schöne Spielwiese an schicken Kleidern, auf der man sich austoben kann (Steffi stellt euch heute in den Stars ein paar Beispiele vor). Und was man bei vielen dieser (zumeist aus Webware zu nähenden) Kleidchen tun muss, um einen schönen, verspielten Look zu erhalten, ist: Kräuseln. Ob man ein Rockteil auf die Weite des Oberteils einhält, um einen schönen schwingenden Rock zu erhalten, ob man Puffärmel einkräuselt, Volants an einen Stufenrock setzt, Rüschen aufnäht oder ein Kleid-Oberteil smokt - es gibt viele Wege, die schönen, regelmäßigen Fältchen zu erhalten. Wir stellen euch heute die gängigsten Methoden vor.

Der Gummizug

Kräuseln mit einem Gummizug

Die einfachste Methode, etwas Weites auf eine geringere Weite zu bringen, ist ein Gummizug. Klassischerweise wird dazu ein Tunnel am Saum genäht (z.B. am Halsausschnitt, an der Ärmelöffnung oder auch am Rockbund) und ein Gummiband eingezogen, das kürzer ist als das Nähstück. Die Mehrweite wird gleichmäßig verteilt, sodass ein regelmäßiger Kräusellook entsteht.

Eine Variante hierzu ist der Gummizug in einem extra aufgesetzten Tunnelstreifen. Dadurch ist die Kräuselung nicht auf den Rand des Kleidungsstücks beschränkt, sondern kann überall an der gewünschten Stelle angebracht werden. Hierzu wird einfach ein Stoffstreifen in der benötigten Breite auf die linke Seite des Nähstücks aufgesteppt, sodass ein Tunnel entsteht. Auch hier wird ein Gummiband eingezogen und die gewünschte Länge so "eingestellt".

Einhaltefäden

Einhaltefäden

Eine ganz klassische Methode, um Webware einzukräuseln, sind Einhaltefäden. Hier wird an der Stelle, die eingekräuselt werden soll, mit den Nähmaschine eine Naht im Bereich der Nahtzugabe gesetzt. Die Stichlänge sollte so lang wie möglich sein, die Oberfadenspannung wird stark reduziert, und man näht mit einem Geradeausstich an der Kante entlang. Nun sichert man das eine Ende der Naht und zieht auf der anderen Seite vorsichtig am Unterfaden. Nun kann man den Stoff sozusagen "auf dem Unterfaden" zusammenschieben, bis die gewünschte Weite erreicht ist. Wenn man nun die Nähstücke zusammensetzt, verschwindet der Kräuselfaden in der Nahtzugabe.

Eine deutlich stabilere und gleichmäßigere Verteilung der Kräuselfalten gelingt, wenn man nicht nur einen, sondern zwei oder noch mehr Einhaltefäden parallel zueinander setzt. Allerdings muss man dann entweder mit farblich gut passendem Garn nähen oder aber die noch sichtbaren Einhaltefäden nach dem Fertigstellen des Kleidungsstücks wieder entfernen. Bei Dirndlschürzen z.B. werden die Einhaltefäden gerne auch dazu genutzt, die Kräuselfalten in regelrechten Mustern anzuordnen. In diesem Fall bleiben die Einhaltefäden natürlich drin!

Kräuseln mit der Overlock

Overlock

Eine sehr komfortable Methode zum Einkräuseln ist es, die Overlockmaschine zu Hilfe zu nehmen. Hierbei muss man ein bisschen an der Maschine spielen: Die Fadenspannung der beiden Nadelfäden muss stark differieren - also beim einen Faden erhöhen, beim anderen reduzieren. Die Stichlänge sollte auch hier hochgesetzt werden, genau wie das Differential. Wenn man nun losnäht, dann wird der Stoff schon beim Vernähen gekräuselt - je größer die Differenz der Fadenspannungen ist, desto stärker wird gekräuselt. Wichtig hier ist, dass man sowohl am Anfang als auch am Ende eine wirklich LANGE Fadenraupe stehen lässt, da die eingekräuselte Stelle meistens nicht exakt die benötigte Länge hat. So kann man auf den Raupen noch ein bisschen hin- und herschieben, bis das Eingekräuselte genau an seinen Bestimmungsort passt.

Weder Einhaltefäden noch das Kräuseln mit der Overlock eignet sich besonders gut für elastische Stoffe, da die eingekräuselten Stellen nicht mehr oder nicht mehr gut dehnbar sind. Darum wird für Stellen, die noch elastisch sein sollen, sich aber nicht für einen Gummizug eignen, eine andere Methode empfohlen:

Kräuseln mit Framilon

Gummiband annähen

Framilon ist eigentich ein Markenname, aber mittlerweile versteht man darunter alle Arten des durchsichtigen, feinen Gummibands, das vor allem zum Kräuseln verwendet wird. Es gibt Framilon in verschiedenen Breiten. Zum Kräuseln sollte man welches mit 5 mm Breite verwenden, damit es hinterher möglichst wenig zu sehen ist. Für gewöhnlich wird Framilon nämlich auf die rechte Stoffseite aufgenäht! Dabei geht man wie folgt vor: Die Stelle, an die das gekräuselte Teil angenäht werden soll, wird ausgemessen. Nun schneidet man ein entsprechend langes Stück vom Framilon ab und näht es gleichmäßig gedehnt auf den zu kräuselnden Bereich auf. Das kann man mit einem Geradausstich machen, besser geeignet ist aber ein Zickzackstich. Dieser ist zum einen selbst auch dehnbar, zum anderen wird das Framilon gleichmäßiger fixiert. Auch der Bogenstich (also der genähte Zickzackstich, bei dem jede Zacke aus mehreren Stichen besteht) eignet sich gut. Außerdem gibt es noch einen kleinen Trick, der das Aufnähen von Gummiband, das sich ja nur schlecht feststecken lässt, erleichtert: Man benutzt die Aussparung des Nähfüßchens als Führungshilfe! Dazu fädelt man das Framilon von oben in das Füßchen ein, positioniert den Stoff korrekt unter der Nadel und versenkt die Nadel in Gummiband und Stoff. Nun näht man 2-3 Stiche, ohne das Gummiband zu dehnen, lässt die Nadel wieder unten und spannt nun das Gummiband so an, dass die Länge und Dehnung passt. Jetzt langsam weiternähen - und das Gummiband ist immer direkt unter der Nadel.

Puffärmel

Auf diese Weise kann man auch mit normalem Gummiband kräuseln. Doch sollte man hierbei bedenken, dass die Stelle durch das Gummiband deutlich dicker wird, was unter Umständen beim Zusammennähen mehrere Teile (etwa, wenn man einen eingekräuselten Puffärmel in die Armkugel einsetzt) problematisch werden kann. Darum ist für diese Methode Framilon immer vorzuziehen. Gummiband kommt dagegen bei einer anderen Art der Verzierung zum Einsatz, nämlich beim Smoken - aber dazu später mehr.

Gummigarnkräuselung

Eine ebenfalls elegante Lösung zum Kräuseln ist, wenn man Gummigarn verwendet. Dieses wird dabei auf die Unterfadenspule gewickelt - und zwar wirklich gewickelt, hier kann man nicht maschinell spulen. Man wickelt dabei den Gummifaden leicht gedehnt von Hand auf die Spule des Unterfadens. Nun näht man (mit normalem Nähgarn als Oberfaden) mit einem Geradstich innerhalb der Nahtzugabe. Hier muss man ein bisschen experimentieren, sowohl mit der Unterfaden"spannung" als auch mit der Stichlänge. Ein schönes Ergebnis erziehlt man hierbei meistens erst, wenn man mehr als eine Kräuselnaht setzt. Darum wird diese Methode auch vor allem beim

Smoken

eingesetzt.

SmoknähteMit Smoken bezeichnet man die Methode, einen breiteren Bereich gleichmäßig einzukräuseln. Das wird gerne bei Sommertops oder Kleidern gemacht, um sie im Rücken oder über das gesamte Oberteil sehr figurnah, aber trotzdem elastisch gestalten zu können.

Hierzu werden mehrere Reihen von Smoknähten im Abstand von 1-2 cm parallel zueinander gesetzt. Es gibt, wie gesagt, mehrere Methoden: Entweder näht man jeweils ein Stück Gummiband oder Framilon auf - hier ist es sehr sehr wichtig, alle Reihen gleichmäßig zu dehnen! Oder man setzt eine Smoknaht mit der Nähmaschine, wie es bei der Gummigarnkräuselung beschrieben ist. Wenn man sich nicht an das Aufwickeln des Gummigarns traut, aber auch kein steifes Gummiband aufnähen möchte, kann man sich mit folgendem Trick behelfen: Man näht einfach Zickzacknähte mit nicht zu großer Stichlänge und -breite. Und dann fädelt man mithilfe einer Stopfnadel einen Gummifaden auf der linken Seite durch die Zickzacknaht. Hier wie auch bei der Gummigarnkräuselung per Nähmaschine ist es wichtig, dass man an jedem Ende der Smoknaht einen ausreichend langen Gummifaden stehen lässt, damit diese am Ende miteinander verknotet und die Smoknaht so gesichert werden kann.

Rüschen

Alle diese Methoden eignen sich übrigens auch hervorragend, um Rüschen herzustellen, die dann entweder am Saum oder auch einfach so als Zierelement aufgenäht werden können. Dazu benötigt man einen passenden Stoffstreifen, der etwa 3-mal so lang ist wie die Rüsche sein soll und an beiden Seiten gesäumt ist (ein Rollsaum eignet sich besonders gut). Nun setzt man in der Mitte des Streifens eine oder mehrere Kräuselnäht - je nachdem, wie man es gerne hätte. Lediglich die Methode mit der Overlock kann hier nicht eingesetzt werden - oder eben nur bei Rüschen, die am Saum angesetzt werden. Denn hier kann man die Kräuselung ja nur an einer Seite einsetzen.

Ist hier nicht für jeden Geschmack etwas dabei? So steht einem schönen "aufgerüschten" Fest nichts mehr im Weg! Habt ihr noch einen Kräusel-Geheimtipp für die anderen Sewunity-User? Wir freuen uns auf eure Kommentare!