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Interview der Woche: Sandra von Lila-Lotta

Lila-LottaWer auf der Suche nach besonderen Stoffdesigns, ausgefallenen Motiven und schönen Webbändern ist, kommt an einem Namen nicht vorbei: Lila-Lotta. Ob knuffige Superhelden, zauberhafte Insekten, süße Zwerge oder coole Retro-Designs: Hier lacht das Stoffjunkie-Herz! Und auch mit Stick- und Plotterdateien, auf Papeterie und als Handyhüllen kann man sich und seine Umgebung mit diesen wunderbaren Designs schmücken. Und Schnittmuster von Lila-Lotta gibt es natürlich auch. Aber hättet ihr gewusst, dass Sandra (die Frau, die hinter Lila-Lotta steht) mal mit dem Designen von Schultüten angefangen hat? Heute, zu unserem Einschulungs-Special, hat sie uns im Nähcafé besucht, um uns zu erzählen, wie alles angefangen hat, warum Heißkleber Segen und Fluch zugleich ist und was sie zum aktuellen Boom der Kreativszene sagt.

Sewunity: Liebe Sandra, willkommen in unserem Nähcafé! Du entwirfst Stoffdesigns, gestaltest Webbänder und ganz neu auch Handyhüllen, es gibt Stick- und Plotterdateien nach deinen Designs, Lila-Lotta-Papeterie, E-Books ... Du bist ein echtes Allround-Talent und ein Star in der Bloggerszene. Tausende Kreative lesen deinen Blog, deine Facebookseite hat über 30.000 Follower, und deine Fotos begeistern eine große Instagram-Fangemeinde. Hättest du das gedacht, als du mit dem Bloggen angefangen hast?

Lila-LottaSandra: Na ja, als „Star“ in der Bloggerszene würde ich mich nun nicht wirklich bezeichnen. Aber ich freue mich natürlich, dass ich mit meinen Ideen, Designs, Fotos und Geschichten so viele begeistern kann. Damit habe ich beim Start meiner vielfältigen Aktivitäten nicht gerechnet, geschweige, dass es geplant gewesen wäre. Das hat sich einfach so über die Jahre entwickelt. Und das Ergebnis, das gebe ich ja gerne zu, macht mich schon ein wenig stolz. Das ist gleichzeitig Motivation, Antrieb aber auch Verpflichtung für die Zukunft.

Zum Nähen bist du ja, wie so viele, mit der Geburt deiner Kinder gekommen. Aber wann hast du gemerkt, dass das so richtig „dein Ding“ ist? Warum hast du mit dem Bloggen angefangen?

Also ich habe eigentlich schon mein ganzes Leben gern gemalt, gebastelt, mit Farben und Formen experimentiert. Und sowohl bei meiner Mama als auch bei meiner Tante in Spanien konnte ich als Kind beim Nähen immer zuschauen. Das hat mich schon damals fasziniert und wahrscheinlich auch inspiriert. Das „Nähfieber“ ist dann so richtig ausgebrochen, als unsere Tochter Leni geboren und der „Strampler-Phase“ entwachsen war. Da wollte ich nichts von der Stange, sondern ich hatte Spaß daran, für sie zu nähen. Und ich fand und finde es toll, wenn sie mit meinen Kreationen ganz stolz in den Kindergarten ging oder heute in die Schule geht. Aber ich muss rückblickend sagen, der Anfang meiner Näherei war echt schon hart, ich habe mir alles ja so nebenher angeeignet.
Und da kommt auch meine Bloggerei ins Spiel.
Anfangs war es einfach nur ein tolles Medium, meine restliche Familie, die ja im Bergischen Land wohnt, an unserem Familienleben hier in Ostwestfalen mit Bildern und Geschichten teilhaben zu lassen. Aber dann habe ich in Bezug auf meine Näherei auch von vielen lieben Bloggerinnen Tipps und Tricks erhalten, wenn ich beim Nähen mal nicht weiterwusste und fast schon verzweifelte. Zu vielen aus dieser tollen Community habe ich auch heute noch regen Kontakt.

Und wie kam es zu deinem ersten eigenen Musterdesign?

Leni Bird LoveIch weiß es noch wie gestern. Auf einer Hausmesse bei Swafing war ich eigentlich nur auf der Suche nach neuen Stoffen für meine nächsten Nähprojekte. Dort war man durch meinen Blog auf mich aufmerksam geworden. Und so entstand die Frage, ob ich mir nicht vorstellen könnte, mal ein Design für Kinderstoffe zu entwickeln. Wahrscheinlich habe ich erst ziemlich große und mit Fragezeichen versehene Augen gehabt. ICH??? Aber mutig war ich schon immer, also bin ich es mal angegangen, einfach mit ein paar Stiften und viel weißem Papier. Und schnell sprudelten die ersten Ideen. So ist mein erstes Musterdesign entstanden. Und wisst ihr, wie es hieß? Natürlich „MyLeniLove“.

Du hast ja schon immer nicht nur mit Stoff gearbeitet, sondern auch in anderen Materialien gedacht. Ist es ein Unterschied, ob man Stoff für Kleidung oder Muster für kleinere Flächen (wie Handyhüllen oder Geschenkpapier) entwirft?

Das Stoffdesign steht natürlich, wenn man so sagen will, am Anfang der „Nahrungskette“. Aber ich überlege dann schon, ob man die Design-Idee auch anderweitig einsetzen kann. So gibt es zu vielen meiner Designs nicht nur Stoffe, Webbänder und Plotterdateien, sondern auch Handyhüllen, Geschenkpapier, Postkarten und ähnliches mehr. So kommen meine Ideen nicht nur bei denen an, die gern nähen, sondern ich erreiche auch „Nicht-Näher“, die einfach meine Designs mögen. Und die Rückmeldungen, die über den Blog, Facebook oder per Mail kommen, zeigen mir, dass ich damit nicht ganz falsch liege.

Du hast sogar lange Zeit in deinem DaWanda-Shop Schultüten auf Bestellung verkauft. Jetzt beginnt ja wieder die Zeit, wo viele Zuckertüten gebastelt werden. Welchen Tipp hast du für unsere LeserInnen? Gibt es ein Hilfsmittel, auf das man beim Schultüten-Nähen oder -Basteln nicht verzichten sollte?

Schultüte von Lila-LottaErster Tipp: Mit mehreren Rohlingen versorgen, denn die ersten Versuche können schon mal in die Hose gehen, jedenfalls bei mir smiley. Und dann braucht man noch Brandsalbe smiley. Denn es kommt auch eine Heißklebepistole zum Einsatz. Wichtig ist, einen tollen, nicht zu dicken Baumwoll-Stoff zum Bekleben des Rohlings auszuwählen. Dann den Rohling gut mit einem Klebestift einstreichen, dann bekommt man den Stoff auch gut und faltenfrei aufgetragen. Namen aus Holzbuchstaben, Figuren oder sonstige Verzierungen mit der Heißklebepistole fixieren (aua ...). Und ganz wichtig, die Spitze der Schultüte mit einer kleinen Holzkugel oder -perle verstärken, da die Kinder die Tüte oft auf die Spitze stellen.

Und gibt es auch ein Material, das sich deiner Meinung nach überhaupt nicht dafür eignet?

Eigentlich eignet sich fast alles, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Einfach mal ausprobieren, was nicht geht, merkt man schnell selbst.

Du bastelst zwar nicht mehr auf Bestellung, aber deine Kreativität sprudelt ungebrochen. Deine eigenen Stoffdesigns vernähst du natürlich auch, du hast ständig neue Ideen, du fotografierst leidenschaftlich ... Und daneben hast du ja auch noch eine Familie mit Mann, Kindern und Hund. Hast du eigentlich auch noch Zeit für Hobbys, die nichts mit dem Nähen bzw. deinen Designs zu tun haben?

Ein wenig schon. Ich koche gern, gestalte unser Haus oder unseren Garten um und supergerne male ich mit unserer Leni.

Hast du beim Nähen eigentlich einen Lieblingsschnitt? Worauf legst du persönlich Wert, wenn es um Schnittmuster und e-Books geht?

Einen Lieblingsschnitt habe ich nicht. Ich nutze aber gerne Basic-Schnitte, die ich dann noch nach Lust und Laune umgestalte oder ergänze. So wird manchmal auch schnell aus einer Bluse ein Maxikleid! Bei e-Books ist mir wichtig, dass zusätzliche Nähtipps enthalten sind oder Vorschläge für Erweiterungen oder Individualisierungen.

Die Kreativszene erlebt zurzeit einen regelrechten Boom. Du bist sozusagen von Anfang an mit dabei gewesen. Woran, denkst du, liegt es, dass so viele Leute das DIY wieder für sich entdecken?

Lenis EinschulungIch glaube, es wird deutlich mehr Wert auf Individualität gelegt. Und dieser Trend hat die Kreativszene beflügelt und hält ungebrochen an. Und was ist individueller als etwas Selbstgemachtes? Alles sind praktisch Unikate, man will weg von der Uniformität. Und außerdem macht es auch irrsinnig viel Spaß, sich handwerklich zu entwickeln.

Gibt es noch Bereiche in der „Szene“, die dich als Neuland reizen würden? Was würdest du gerne mal ausprobieren?

Mich würde Häkeln und Stricken auch reizen. Es gibt mittlerweile so schöne Wollarten, mit denen man tolle Dinge zaubern kann. Aber dazu fehlen mir wirklich Zeit und Muße. Außerdem würde ich gern meine Leidenschaft für die Fotografie weiterentwickeln und vielleicht mal Projekte starten, die zurück zur analogen Fotografie gehen mit selbst entwickeln und so. Verrückt, oder?

Kein bisschen!
Stell dir einmal vor, eine Freundin möchte mit dem Nähen beginnen. Welche Ratschläge würdest du ihr mit auf den Weg geben? Und was ist für dich persönlich beim Nähen einfach unverzichtbar?

Vorstellen brauch ich mir das gar nicht. Ich habe schon so einige Freundinnen zum Nähen gebracht. Mein Ratschlag ist, langsam und mit kleinen Projekten zu beginnen. Und nicht gleich in eine „High-End“-Nähmaschine investieren, sondern über die zu den Basics passenden Einstiegsmodelle sich alles langsam entwickeln lassen. Und, wenn man Spaß hat, sich die ersten Erfolge einstellen, den nächsten Schritt auch bei den Nähmaschinen macht. Ne gute Gebrauchte tut es auch manchmal für die nächste Stufe.

Bei Sewunity geht es ja viel um Feedback – wie kommen Schnittmuster an, wie werden sie umgesetzt? Die User können Bewertungen abgeben und Sterne verteilen. Dürfen wir dich auch um Feedback bitten? Wie viele Sterne würdest du Sewunity geben – und warum?

SchultüteSterne sind eigentlich nicht so mein Ding, ich finde Herzchen viel besser! Denn ihr betreibt eure Seite mit viel Herzblut, das merkt man und das ist entscheidend. Also ganz viele Herzchen von mir für Sewunity!

Zum Abschluss würden wir gerne noch ein kleines Spiel mit dir spielen. Immer zwei Begriffe stehen zur Auswahl – welcher trifft auf dich zu?

- Rollschneider oder Schere? Rollschere smiley

- E-Book oder Papierschnitt? E-Book

- Webware oder Maschenware? Webware

- Nähkurs oder Autodidakt? Natürlich Audidakt

- Ovi umfädeln oder immer mit der gleichen Farbe nähen? Ovi umfädeln

- Onlineshopping oder Stoffgeschäft? Beides hat Berechtigung

- Couch oder Laufschuhe? Laufschuhe (Lüge!)

- Kaffee oder Tee? Kaffee

Liebe Sandra, wir danken dir herzlich für das Gespräch!