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Interview der Woche: Kerstin von Keko-Kreativ

Sie entwickelt abwechslungsreiche E-Books für Taschen und achtet darauf, dass ihre Anleitungen möglichst keine Fragen offen lassen: Kerstin alias Keko Kreativ. Im Interview mit Sewunity verrät sie, woher ihr Labelname kommt, warum es besonders Spaß macht, mit anderen zu nähen - und wie sie ein falschrum eingenähter Reißverschluss einmal zur Verzweiflung brachte.

Sewunity. Liebe Kerstin, herzlich willkommen zum Interview im Sewunity-Nähcafé. Du entwickelst Schnittmuster und Anleitung vor allem für Taschen und Accessoires. Erzähl uns doch erst einmal, wie du dazu gekommen bist – zum Nähen und zum Verkauf von E-Books.

Kerstin - Keko KreativKerstin: Hallo und erstmal danke für eure Interviewanfrage – das hat mich sehr gefreut. Genäht habe ich irgendwie schon immer ein bisschen – meine Mutter ist Schneiderin und da war die Nähmaschine einfach ein fester Bestandteil. Meine erste Tasche habe ich vor Jahren auf einem Kreativworkshop genäht und war sofort begeistert. Ich kaufte mir eine neue Nähmaschine und nähte eine Tasche nach der anderen. Da ich selbst unmöglich so viele Taschen brauche, fing ich an, sie zu verkaufen - über lokale Läden und dann über DaWanda. Aufgrund von speziellen Kundenwünschen begann ich irgendwann, die Taschenschnitte abzuwandeln, bis letztlich ganz eigene Schnitte dabei entstanden. Der Schritt zum eigenen E-Book war dann nicht mehr weit.

Wie entstand denn dabei der Name Keko-Kreativ?

Ich war tagelang unschlüssig, wie ich meine Marke bzw. mein Label nennen sollte. Letztlich ist mir eingefallen, dass die Gummibärchenmarke Haribo aus dem Namen „Hans Riegel - Bonn“ zusammengesetzt ist. Das probierte ich mit meinem Namen und meinem Wohnort und dabei ergab sich dann „Kerstin – Kornwestheim“. Leider war Keko für viele Sachen wie Facebook & Co. als Name zu kurz. Deshalb habe ich „Kreativ“ mit angehängt und durchgängig verwendet.

Was ist die Besonderheit an deinen Taschen, die du entwirfst?

Logo - Keko KreativIch versuche meine Schnittmuster sehr flexibel zu gestalten und mehrere Variationsmöglichkeiten einzubauen. Außerdem ist es mir wichtig, dass sie wirklich alltagstauglich sind und einen beziehungsweise ihren Zweck erfüllen. Die Anleitungen sind so detailliert wie möglich, damit jeder Arbeitsschritt auch von einer Nähanfängerin nachvollzogen werden kann.

Hast du Lieblingsschnitte, die du selbst gerne nähst – abgesehen natürlich von deinen eigenen?

Ich nähe wahnsinnig gerne die HipBag von Schnabelina, den Wildspitz-Geldbeutel von Farbenmix und die MiniMini-Börse von MelFei.Diese drei Schnitte sind super durchdacht, es sind absolut praktische Täschchen und prima zu nähen. Ich mag sie alle drei sehr gerne und habe schon einige davon genäht.

Das Thema in unserer aktuellen Nähkästchen-Ausgabe lautet "Nähen für den Garten". Unter deinen E-Books findet sich auch eine Anleitung für eine Gartentasche. Was muss denn beim Nähen von "Outdoor"-Objekten besonders beachtet werden?

Eigentlich muss man da gar nicht viel beachten. Man sollte sich einfach die Frage stellen, aus welchem Stoff der Boden verarbeitet wird, damit dieser auch feuchtes Gras, Sand oder ähnliches wegsteckt. Für meine Gartentasche eignen sich beispielsweise Wachstücher oder beschichtete Baumwolle. Dickere Baumwollstoffe, Jeans oder Canvas funktionieren aber ebenfalls gut. Die Tasche muss dann vielleicht einfach öfter in die Waschmaschine.

Gerade für Anfänger sind gute Nähanleitungen wichtig. Der Markt an E-Books wächst und wächst aber immer mehr. Welche Kriterien sind für dich wichtig, damit ein E-Book ein gutes E-Book ist?

Kerstin - Keko KreativDas E-Book sollte strukturiert aufgebaut sein und möglichst keine Fragen offen lassen. Das beginnt mit der Größe der fertigen Tasche, einer Empfehlung welche Stoffe und Einlagen verwendet werden können und einem übersichtlichen Zuschnittplan. Die Anweisungen sollten kurz und klar formuliert sein – möglichst mit Grafiken oder guten Fotos versehen. Ich persönlich empfinde es auch immer als sehr kundenfreundlich, wenn alle Schnittmusterteile als Vorlage in Originalgröße im E-Book enthalten sind. Viereckige Teile am besten mit Maßangaben versehen, damit jeder selbst entscheiden kann ob er das Schnittteil ausdrucken oder lieber direkt auf dem Stoff vermessen möchte. Eine Nahtzugabe im Schnitt finde ich bei Taschen im Gegensatz zu Klamotten ebenfalls sinnvoll - am besten eingezeichnet, damit ich dies ganz klar erkennen kann.

Bleiben wird doch mal beim allgemeinen DIY-Boom. Nähen ist so angesagt wie nie, Selbermachen sowieso. Woher kommt der aktuelle Trend deiner Meinung nach – und wird er auf Dauer anhalten?

Ich hoffe natürlich sehr, dass der Trend noch lange anhält. In unserem Berufs- und Arbeitsalltag sind wir heutzutage viel mit Verwaltung, Organisation und Computertätigkeiten beschäftigt. Das Selbermachen von Dingen, die man anschließend wirklich in der Hand halten und verwenden kann, macht dagegen ungemein zufrieden und bietet einen Ausgleich. Ich glaube dass das ein großer Punkt ist, warum der Handmade-Markt boomt und viele das Selbermachen in ihrer Freizeit für sich entdecken. Zumal man sich mit selbstgemachten Klamotten oder Accessoires von der Masse absetzt und seine Individualität ausleben kann.

Was war dein persönlich schönstes Näherlebnis? Gibt es Dinge, an die du dich besonders gerne erinnerst?

Es gibt kein einzelnes Näherlebnis, welches ich als persönlichen Favoriten bezeichnen würde. Es gibt viele schöne und manchmal auch frustrierende Nähmomente. Ein kleines Highlight ist es natürlich immer, wenn man gemeinsam arbeitet. Zusammen mit meiner Freundin, Schwester oder manchmal mit meiner Mutter – da wird viel gelacht, diskutiert und ausprobiert und man verbringt zusammen eine schöne Zeit an der Nähmaschine.

Und ist dir beim Nähen auch mal eine richtig gemeine Panne passiert? Wenn ja, verrätst du uns, was es war?

Kerstin - Keko KreativOje – mir sind schon unglaublich viele Pannen passiert. Kleinere Missgeschicke sind die immer wieder gern vergessene Wendeöffnung. Daran habe ich mich schon fast gewöhnt. Die letzte wirklich große Panne war ein Reiseetui mit umlaufendem Reißverschluss. Es war komplett fertig mit abgesteppten Nähten und allem als mir auffiel, dass ich den Reißverschluss falsch herum eingenäht hatte. Nach einem kurzen in die Ecke pfeffern und einem Beruhigungskaffee hat es aber mit dem Auftrennen und nochmal neu nähen geklappt.

Du bist auch als Bloggerin in der Nähszene sehr aktiv. Was rätst du jemanden, der einen eigenen Blog starten möchte – worauf ist deiner Meinung nach unbedingt zu achten?

Ich würde sagen es gibt nur wenig Punkte, die man unbedingt beachten MUSS. Man sollte sich über die rechtliche Seite kurz informieren und entsprechend ein Impressum und dergleichen vorzuweisen haben. Ansonsten einfach loslegen und ausprobieren. Bloggen soll Spaß machen und nach und nach findet man seinen eigenen, persönlichen Stil. Mich persönlich sprechen Blogs an, die klar und strukturiert aufgebaut sind, mit ansprechenden Fotos und einer kurzen Info über die Bloggerin selbst – am besten mit Foto.

Hast du – wieder außer deinem eigenen – Lieblings-Nähblogs? Welche sind das?

Da gibt es jede Menge. Ich folge ganz vielen Blogs über Bloglovin. Es fällt mir ehrlich gesagt schwer, einzelne Blogs herauszupicken. Sie sind alle auf ihre Weise wundervoll. Tolle Inspirationen und eine unglaubliche Vielzahl an Genähtem gibt es beispielsweise bei Maarika von Livii&Livii. Durch die liebe Annika von Näh-Connection schaue ich immer wieder etwas über den Tellerrand der deutschen Nähbloggerszene und über die abwechslungsreichen Ideen von Katja von schoenstebastelzeit freue ich mich immer wieder.Die Liste könnte ich endlos weiterführen. Vielleicht schaut ihr einfach mal in meine Bloglovin Liste rein.

Was sind denn deine persönlichen Pläne für die nächste Zeit – woran arbeitest du gerade?

Ich arbeite an zwei neuen Taschenschnittmustern und parallel bereite gerade eine Blogreihe zum Thema Biostoffe vor.Manchmal würde ich mir wünschen der Tag hätte mehr Stunden, damit ich alle meine Pläne in die Tat umsetzen kann. Wenn es an der Schnittmusterfront bei mir gerade ruhiger zugeht, dann liegt es daran, dass ich fleißig an meinem Blog arbeite oder andersrum.

Am Ende noch eine Frage in eigener Sache. Bei Sewunity bewerten die User Schnittmuster und verteilen dafür Sterne. Wie viele Sterne würdest du Sewunity geben – und warum?

Ich mag die Idee von Sewunity und finde ihr setzt das super um. Von daher würdet ihr ganz klar 5 Sterne von mir bekommen!

Zum Schluss nun noch ein kleines Spiel, dem sich all unsere Interviewpartner stellen dürfen. Wir stellen dir jeweils zwei Begriffe zur Auswahl – such doch bitte den Begriff aus, der auf dich am besten passt:

- Rollschneider oder Schere? Schere

- E-Book oder Papierschnitt? Ebook

- Webware oder Maschenware? Maschenware

- Nähkurs oder Autodidakt? Autodidakt

- Overlock umfädeln oder immer mit der gleichen Farbe nähen? Umfädeln

- Onlineshopping oder Stoffgeschäft? Onlineshopping

- Couch oder Laufschuhe? Laufschuhe

- Kaffee oder Tee? Kaffee

Vielen lieben Dank für deine Antworten!

Danke für das netten Fragen!