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Stoffe für Draußen

Genähte Outdoor-DekoIm Freien herrschen für gewöhnlich andere Bedingungen als im Haus. Darum müssen die Sachen, die wir für den Garten, den Balkon oder die Terrasse nähen, auch andere Belastungen aushalten, weswegen sie zumeist aus anderen, speziellen Materialien genäht werden. Passend zu unserem Thema der Woche "Nähen für den Garten" wollen wir euch darum heute die wichtigsten Materialien, die man für Outdoor-Deko und -Spielsachen verwenden kann, kurz vorstellen, ihre Eigenschaften erläutern und natürlich auch ein paar Worte dazu verlieren, wie sie verarbeitet werden.

Polsterstoff

Unter Polster- oder Möbelstoffen versteht man alle Arten von Webware, die in erster Linie zum Beziehen von Polstermöbeln gedacht sind. Sie zeichnen sich durch eine hohe Abriebfestigkeit und Belastbarkeit aus. Sie können sowohl aus verschiedenen Naturmaterialien als auch aus Kunstfaser hergestellt werden. Für gewöhnlich sind Polsterstoffe eher dick und steif, da sie sehr dicht aus dicken Faden gewebt werden. Sie eignen sich gut für Sitzkissen oder die Oberseite von Picknickdecken - wasserdicht sind sie nicht. Es empfiehlt sich, aus Polsterstoffen genähte Gartendeko abends oder bei Regen ins Haus zu holen oder sonst wetterfest zu verstauen.

Canvas

Canvas ist ein sehr fest gewebter Baumwollstoff. Eigentlich bedeutet das englische Wort "canvas" Leinen oder Leintuch. Das deutet darauf hin, dass Canvas immer in Leinwandbindung gewebt wird - soll heißen, dass Kette und Schuss aus dem gleichen Material sind und gleich verteilt werden. Canvas ist sehr dicht und stabil und kann gut für Sonnensegel oder andere großflächige Bespannungen genutzt werden. Durch die dichte Webart ist Canvas bis zu einem gewissen Grad wasserabweisend und auch winddicht. Es stellt allerdings gewisse Herausforderungen an die Nähmaschine smiley

Segeltuch/Zeltstoff

Unter den Begriffen Segeltuch und/oder Zeltstoff kann man speziell ausgerüstete Canvasstoffe kaufen. Diese Stoffe sind häufig zumindest zum Teil aus Kunstfasern und mit einer Appretur versehen, die den Stoff wasserfest machen. Doch Vorsicht: Wenn der Wasserdruck zu hoch wird, lassen auch diese Materialien die Nässe durch.

Markisenstoff

Polsterstoff

Auch Markisenstoff ist im Prinzip ein Canvas, der in vielen verschiedenen Farben und auch klassisch gestreift erhältlich ist. Wie Segeltuch auch ist Markisenstoff mit einer besonderen Ausrüstung versehen. Zum Nässeschutz kommt hier noch eine hohe UV-Stabilität und Lichtechtheit hinzu. Durch die Behandlung sind aber sowohl Markisenstoff als auch Segeltuch noch steifer als unbehandelter Canvas und entsprechend schwergängig, was die Verarbeitung angeht. Beide Materialien sind aber auch sehr belastbar und eignen sich zum Beispiel für die Herstellung von Schaukeltüchern oder ähnlichem

Wachstuch

Wann immer etwas wasserdicht und abwischbar sein sollte, ist Wachstuch eine gute Wahl. Wir haben euch bereits hier viele Tipps zur Verarbeitung dieses Materials zusammengestellt, doch auch im Außenbereich kann man Wachstuch vielfältig einsetzen. Als Tischdecke, Unterseite einer Decke oder eines Sitzkissens für den Rasen, in Form einer Schürze oder auch als Übertopf-Utensilo - mit Wachstuch ist man draußen immer gut ausgerüstet.

Beschichtete Baumwolle

Auch beschichtete Baumwolle ist für draußen gut geeignet, da sie wasserabweisend ist. Im Gegensatz zu Wachstuch ist sie weniger strapazierfähig, dafür anschmiegsamer und leichter zu verarbeiten. Gerade bei Kinderschürzen oder für Kissen ist beschichtete Baumwolle hervorragend geeignet. Außerdem ist sie im Gegensatz zu herkömmlichem Wachstuch auch waschbar!

LKW-Plane

Für die äußerst robuste Plane gilt im Prinzip dasselbe wie für Wachstuch. Mit LKW-Plane kann man auch gut Abdeckungen für Dinge nähen, die besser nicht nass werden sollten. Sie ist allerdings wirklich sehr schwer und stellt, gerade wenn größere Stücke verarbeitet werden, hohe Ansprüche an Nähmaschine und Näher. Allein. dass man das schwere Zeug unter die Nähmaschine wuchtet, ist eine Herausforderung! Auch beanspruchte Spielsachen wie Schaukelriemen oder ähnliches können aus LKW-Plane hergestellt werden, da die Plane sehr reißfest ist.

Cordura

Cordura ist ein festes Gewebe aus Polyamidfasern. Es ist stark abriebfest und robust, doch trotzdem anschmiegsam. Darum eignet es sich auch gut für Outdoorkleidung, vor allem Hosenknie können hervorragend mit Cordura verstärkt werden. Bis zu einem gewissen Grad ist es auch wetterfest, doch auf die Dauer sollte man z.B. Kissen aus Cordura lieber nicht draußen liegen lassen.

Nylon/Dralon

Es gibt natürlich auch leichte, dünne Stoffe, die sich gut für die Verwendung im Freien eignen. Das sind dann leichte Kunstfasern, die trotz der geringen Dicke reißfest und robust sind, eine hohe Lichtbeständigkeit aufweisen und nicht kaputtgehen, wenn sie mal nass sind oder dem Wind ausgesetzt werden. Dralon ist dabei eigentlich ein Markenname für eine Acrylfaser, Nylon besteht aus Polyamid. Es gibt auch mit einer besonderen Ausrüstung versehene besonders reißfeste Nylonstoffe, die dann als Spinnaker oder Drachenstoff verkauft werden. Sie eignen sich hervorragend für Drachen, Windspiele oder ähnliche Deko, die leicht fliegen soll, aber trotzdem nicht unter dem Wetter leidet.

Thinsulate/Thermolam

Bei manchen Projekten bietet es sich an, die Stoffe mit einer zusätzlichen Isolierschicht zu versehen. Dafür gibt es spezielle Einlagen, die aufgebügelt oder eingenäht werden können. Thinsulate ist vor allem für Kleidung gedacht, es isoliert gegen Kälte und Wind. Thermolam kann man auch gut für dünne Sitzkissen hernehmen, da es gut gegen Kälte von unten her schützt.

Die Verarbeitung von Outdoorstoffen

Da nahezu alle Outdoorstoffe aus eher dicken Fäden bestehen, neigen sie zum Ausfransen. Hier hilft natürlich vor allem Versäubern, entweder mit einem Zickzackstich oder der Overlock. Materialien, die aus reinen Kunstfasern bestehen, kann man auch mit einem Feuerzeug versäubern - einfach mit der Flamme am Rand entlangfahren. Dabei schmilzt die Kunstfaser und versiegelt die Schnittkante. Doch Vorsicht, wenn man zu viel abflämmt, ist der Stoff auch schnell ruiniert!

Bei allem, was beschichtet ist, wie Wachstuch, beschichteter Baumwolle oder Plane, gilt: je weniger Stiche, desto besser. Eine eng gesetzte Naht stellt eine Perforation dar und damit eine Sollbruchstelle des Materials. Hier hilft es, die Stichlänge zu erhöhen.

Wenn man Nylon oder Cordura verarbeitet, hilft eine Microtex-Nadel, da sie die feinen Kunstfaser-Fäden nicht so leicht verletzt wie eine Universalnadel.

Canvas, Segeltuch und Konsorten mögen es, wenn sie mit Jeansnadeln vernäht werden, da diese dem dichten Gewebe angepasst sind und nicht so leicht abbrechen. Auch hilft hier ein Obertransportfuß oder die Erhöhung des Füßchendrucks, dem schweren Material Herr zu werden.

Kappnähte

Eine besondere Naht kann dabei helfen, wenn man mehrere Bahnen Stoff zum Beispiel für ein Sonnensegel, ein Spielzelt oder einen Windschutz zusammennähen möchte, ohne dass die Wind- und Wasserdichtigkeit durch die Naht beeinträchtigt wird: die Kappnaht. Sie sieht gut aus, ist stabil und hat außerdem noch den Vorteil, dass man keine offenen Nahtzugaben hat. Sie schützt also auch vor dem Ausfransen.

Eine Kappnaht wird wie folgt genäht: Beim Zuschneiden sollte man die Nahtzugabe möglichst doppelt so groß wie sonst wählen. Dann legt man die beiden Teile links auf links aufeinander und näht entlang der Nahtlinie. Nun wird bei einer der beiden Seiten die Nahtzugabe auf die Hälfte zurückgeschnitten. Man kann natürlich auch von vornherein nur bei einem der beiden Teile die Nahtzugabe vergrößern, aber dann heißt es beim Zusammennähen aufgepasst, dass auch wirklich die eine Seite deutlich über die andere übersteht.

Jetzt wird die längere Nahtzugabe über die kürzere geklappt und gebügelt. Die Kante der umgebügelten Nahtzugabe endet dabei auf oder kurz vor der Naht.

Kappnaht

Nun wird das Nahtstück auseinander geklappt und die komplette, umgebügelte Nahtzugabe zur Seite gelegt und erneut abgesteppt. Das ist schwierig zu erklären und noch schwieriger zu fotografieren, darum heute mit höchst professioneller Zeichnung smiley

Diese Kappnähte kennt man z.B. auch von Jeanshosen, aber gerade beim Nähen von Zeltplanen ist diese Art zu nähen sehr hilfreich.

Wimpelkette im Garten

Übrigens: Man kann natürlich alle Arten von Stoffen für das Nähen für den Garten usw. einsetzen. Allerdings muss man sich dabei im Klaren sein, dass das Wetter, besonders die Sonne, dem Stoff zusetzt. Und auch die Belastbarkeit, z.B. bei Picknickdecken und Sitzkissen, ist bei normaler Popeline natürlich nicht so hoch wie bei den hier vorgestellten Stoffen.

Jetzt fehlt für unseren wunderbar dekorierten Garten oder Balkon eigentlich nur noch der Sommer! Wir sind gespannt auf eure Draußen-Projekte!