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Schrägband - wann, wieso und wie benutzt man das eigentlich?

Bei dem Wort "Schrägband" runzeln viele NäherInnen die Stirn. Das ist doch diese steife, ziemlich kratzige Band aus dem Kurzwarenladen, das meistens nur in Omafarben vorrätig ist, das man nur für schrecklich aufwändige Webwareprojekte braucht und das so furchtbar akkurat verarbeitet werden muss, damit es überhaupt nach was aussieht! Oder?
Wir zeigen euch heute im Nähkästchen, dass Schrägband kein lästiges, sondern vielmehr ein sehr hilfreiches Band ist, was man alles damit machen kann, wie es am besten verarbeitet wird und wie ihr euch ganz einfach perfekt zu eurem Projekt passendes Schrägband selber machen könnt.

Lätzchen mit SchrägbandeinfassungWas ist Schrägband?

Schrägband ist ein mehr oder weniger schmales Band aus Webware, das schräg zum Fadenlauf (das bedeutet, im 45-Grad-Winkel zur Webkante) zugeschnitten wurde. Es dient (in erster Linie) zum Einfassen von Kanten und hat die Eigenschaft, leicht dehnbar zu sein. Das resultiert aus dem schrägen Fadenlauf, Webware ist nämlich in dieser Richtung immer leicht dehnbar. Es wird immer in vierfacher Lage verarbeitet - das bedeutet, die offenen Kanten liegen immer an der einzufassenden Kante, von außen ist nichts offenes zu sehen. Darum wird Schrägband immer viermal so breit zugeschnitten wie gebraucht und ein- oder zweifach vorgefalzt verkauft. Beim Kauf gilt es zu beachten, dass das Schrägband am Ende halb so breit ist wie einfach vorgefalzt (wie es zumeist verkauft wird). Wenn ihr also eine Einfassung von 1 cm Breite wünscht, dann solltet ihr 2 cm breites Schrägband kaufen.

SchrägbandDas "Standard"-Schrägband, das man eigentlich in jedem Laden für Nähbedarf bekommt, ist normalerweise 20 mm breit und wird auf kleine Pappkärtchen aufgewickelt verkauft. Es ist unifarbig in vielen verschiedenen Farben erhältlich (wobei sich vor allem die kleineren Läden sicher an ihrer Hauptkundschaft orientieren und die Farben vorrätig haben, die am meisten nachgefragt werden) und vom Material her eher steif und robust. Dennoch ist es dünn genug, dass man damit hervorragend Kanten einfassen kann.

Es gibt aber auch anderes Schrägband zu kaufen, gepunktet, gestreift, kariert, in verschiedensten Breiten. Manche Stoffhersteller bieten auch passende Schrägbänder zu Stoffkollektionen an. Und es gibt auch Schrägbänder, die bereits mit kleinen Häkelborten versehen sind, um eine besonders hübsche "Mausezähnchen"-Einfassung herstellen zu können. Diese sind dann bereits auf die Endbreite umgefalzt, sodass die Häkelborte auch freiliegt - bei einer einfachen Falzung wäre sie nämlich auf der Mitte des Streifens angebracht.

Wie wird Schrägband angenäht?

Bei Schrägband ist eine saubere Verarbeitung sehr wichtig, ansonsten erhält man nämlich KEINE saubere oder stabile Kante. Man geht für gewöhnlich wie folgt vor:

Das Schrägband wird auf einer Seite aufgefaltet. Nun wird diese offene Kante so an die einzufassende Kante gesteckt, dass die rechte Seite des Schrägbands auf der linken Seite des Nähstücks liegt. Wichtig ist, dass das Schrägband bei Innenrundungen leicht gedehnt, bei Außenrundungen leicht eingehalten wird. Nun kann man das Schrägband festnähen - idealerweise ein klein bisschen neben dem gebügelten Falz. Als nächstes faltet man dann das Schrägband um die Kante; die Mitte des Schrägband liegt auf der Kante des Nähstücks, die beiden Falzkanten des Schrägbands möglichst genau aufeinander. Und nun wird das Schrägband von der rechten Seite her vollends festgenäht. Ein Schmalkantfuß oder auch der Reißverschlussfuß leisten hier unter Umständen gute Dienste, damit die Naht möglichst nah an der Kante des Schrägbands und schön parallel zu eben dieser verläuft.

Geübte Näherinnen können unter Umständen das Schrägband auch mit einer Naht annähen. Dazu ist aber wirklich ein sehr sorgfältiges und exaktes Arbeiten notwendig, und es empfiehlt sich, die Mittellinie des Schrägbands vorab zu bügeln. Sonst passiert es schnell, dass man das Schrägband auf der Rückseite nicht mitfasst, und schon ist alle Sauberkeit dahin.

Wo wird Schrägband verwendet?

Schrägband am KleidsaumDer klassische Einsatzzweck für Schrägband ist das Einfassen von Kanten an Kleidung. Einen schönen Fifties-Look erhält man etwa dadurch, dass man einen Tellerrock nicht säumt, sondern ringsum mit Schrägband einfasst. Ein toller Nebeneffekt hierbei ist, dass das Schrägband den Saum versteift, der Rock dadurch (noch) schöner fällt und der Saum sich in weitere Falten legt. Der Rock erhält durch das Schrägband zusätzlichen Stand und Volumen. Ganz besonders auffällig ist dieser Effekt, wenn man z.B. bei einem Petticoat den Saum mit Schrägband einfasst. Hier braucht man richtig viel Material, und der Tüllrock erhält nicht nur einen hübscheren Abschluss, sondern deutlich mehr Volumen.

Bei der Krempe eines Sonnenhuts erhält man einen ähnlichen Effekt, wenn man ihn mit Schrägband einfasst. Zum einen kann man auch hier Akzente setzen, zum anderen bekommt der Krempenrand zusätzliche Stabilität.

Schrägband am HalsausschnittDoch auch Hals- und Ärmelausschnitte können bei Kleidung aus Webware mit Schrägband eingefasst werden. Hier wird das Schrägband sozusagen wie eine Streifenversäuberung bei Maschenware-Schnitten eingesetzt. Es hat auch einen ähnlichen Effekt, eben durch die leichte Dehnbarkeit des Materials. Wichtig ist, dass das Schrägband beim Annähen an Innenrundungen (wie beim Halsausschnitt) leicht gedehnt wird, dadurch legt sich der Halsausschnitt später schöner an und es sieht sauberer aus.

Schrägband wird auch gerne verwendet, um bei voluminöseren Stoffen wie Molton oder Frottee die Kanten einzufassen. Dadurch spart man sich einen Saum, der zusätzlich auftragen würde. Klassische Anwendungsbeispiele hierfür sind Baby-Badetücher oder Lätzchen aus Frottee. Hierbei kommt eine weitere Eigenschaft des Schrägbands einer sauberen Optik zugute: Sowohl runde als auch rechtwinklige Ecken lassen sich mit Schrägband sehr akkurat einfassen. Bei runden Ecken, die ja eine Außenrundung haben, ist es wichtig, dass man das Schrägband beim Annähen leicht einhält, das heißt, in winzig kleine Falten legt. Rechtwinklige Ecken näht man am besten als Briefecken - dafür findet ihr zahlreiche bebilderte Anleitungen im Netz!

Hose mit SchrägbandeffektenDoch auch bei leichten Stoffen kann Schrägband eine schöne Alternative zum Saum oder Beleg sein. Man kann mit dem schmalen Band auch wunderbare Effekte erzielen, Akzente setzen oder Details betonen. Tascheneingriffe, Säume oder Schlitze können damit eingefasst werden, Gürtelschlaufen oder Bindebänder erstellt werden.

BindebandUnd damit wären wir schon dabei, dass man Schrägband natürlich nicht NUR zum Einfassen verwenden kann. Schmale Bänder, wie Spaghettiträger oder auch Bindebänder an Babymützen lassen sich ganz vorzüglich aus Schrägband herstellen. Dazu faltet man das Schrägband einfach der Länge nach, sodass es seine endgültige Breite hat, bügelt das entstandene schmale Band und näht die offenen Kanten (die ja nicht wirklich offen sind, sondern bereits gefalzt) mit einem einfachen Geradstich zusammen. Diese Bänder kann man wie gesagt auch gut als Gürtelschlaufen einsetzen, man kann sie als Zierband über der Hutkrempe anbringen, und, und, und ...

TaschenklappeUnd wenn ihr jetzt denkt, nur bei Kleidung kann man Schrägband verwenden, dann weit gefehlt. Alle Arten von Kanten und Rändern lassen sich mit Schrägband einfassen. Taschenklappen zum Beispiel erhalten einen sauberen Abschluss, einen schön betonten Rand und zusätzliche Stabilität, wenn sie ringsum mit Schrägband eingefasst werden. Innennähte bei nicht gefütterten Taschen können mit Schrägband so versteckt werden, dass man etwa die Nahtzugaben mit Schrägband einfasst oder einfach gefalztes Schrägband von innen über die Nahtzugaben steppt. Auch diese Anwendung von Schrägband sorgt für eine saubere Optik, vermeidet, dass der Stoff ausfranst und gibt zusätzliche Stabilität.

Na, Lust auf Schrägband bekommen? Wollt ihr perfekt passendes Schrägband haben? Dann gibt es jetzt ein paar Tipps und Tricks für euch.

Wie kann ich Schrägband selber machen?

Schrägband selber machen 1Wie schon gesagt, besteht Schrägband aus einem Band, das im schrägen Fadenlauf zugeschnitten wird. Ihr müsst also aus dem Stoff, den ihr gerne als Schrägband hättet, einen Streifen zuschneiden, der vier mal so breit ist, wie eure Einfassung nachher sein soll, und der im 45-Grad-Winkel aus dem Stoff geschnitten wird. Um nicht zu viel Verschnitt herzustellen, empfiehlt es sich, mehrere nicht ganz so lange Streifen zu schneiden und diese dann im Anschluss zusammenzunähen.

Nun geht es ans Formen. Schrägband ist ja immer so gefalzt, dass die beiden Außenkanten zur Mitte hin gebügelt sind. Man hat also zwei umgebügelte Kanten, in der Mitte liegen die Schnittkanten aneinander. Es gibt jetzt verschiedene Möglichkeiten, das Band in diese Form zu bringen. Zum einen kann man Schrägbandformer kaufen, das sind Vorrichtungen in verschiedenen Breiten, durch die das vorbereitete Band gefädelt wird und die durch ihre besondere Form dafür sorgen, dass die Außenkanten des Bands mittig nach innen geklappt werden. Man zieht das Band durch den Former und bügelt das, was herauskommt, sofort fest.

Nadeltrick 1Ohne Schrägbandformer muss man eigentlich erst das Band einmal mittig falten, bügeln, dann wieder aufklappen und die Außenkanten zur gebügelten Falz hin einschlagen. Und dann eben diese beiden Außenkanten festbügeln. Alternativ kann man sich auch mit diesem kleinen Trick behelfen: Man steckt eine lange Stecknadel so durch das Material des Bügelbrettbezugs, dass die Stecknadel zwei Mal durch den Stoff geht. Dabei sollte zwischen den beiden Stellen ein Zwischenraum sein, der so halb so breit ist wie euer vorbereitetes Band.

Nadeltrick 2Jetzt wird's etwas fummlig: Faltet oder schneidet das Band vorne zu einer Spitze und fädelt diese unter der Nadel durch. Wenn man jetzt vorsichtig an der Spitze zieht, rutscht das Band unter der Nadel durch, und die Außenkanten werden - wie beim Schrägbandformer - automatisch zur Mitte hin umgeklappt.

Nadeltrick 3Ganz ohne Bügeln geht es natürlich auch hier nicht - jetzt das Band hinter der Nadel bügeln, sodass die Kanten fixiert bleiben. Wenn das Band weit genug hindurchgezogen ist (und das gesamte Schrägband nicht ZU lang werden soll), kann man auch einfach das Bügeleisen direkt hinter der Nadel stehen lassen und das Band drunter durchziehen - nicht zu schnell, damit die Kanten schon fixiert werden, aber natürlich auch nicht zu langsam. Hier bitte aufpassen, dass das Bügeleisen nicht zu lange steht, sonst ist hinterher euer Bügelbrettbezug um einen Fleck reicher ...

Und schon ist euer selbst gemachtes Schrägband fertig! Genauso breit und in genau dem Design, wie ihr es für euer Projekt benötigt!