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Interview der Woche: Carolin alias Fadenkäfer

Ihre Schnitte sind vielseitig und decken bei den Größen den Bereich bis 58 ab: Carolin vom Label "Fadenkäfer". Welche Herausforderungen bei der Entwicklung von Schnitten zu meistern sind und ob sie neben dem Nähen überhaupt noch Zeit für andere Hobbys hat, verrät sie im Interview mit Sewunity.

FadenkäferSewunity: Liebe Carolin, herzlich willkommen im Sewunity-Nähcafe – schön, dass du dir die Zeit für uns genommen hast. Du erstellst E-Books mit Nähanleitungen für Kinder und Erwachsene und hilfst damit manchem Nähanfänger dabei, erste Kleidungsstücke zu nähen. Wie hat denn deine eigene Nähkarriere angefangen?

Carolin: Das Nähen habe ich wie viele andere mit der Geburt meines Kindes angefangen. Nach und nach entwickelte sich immer mehr daraus.

Wie bist du auf den Namen Fadenkäfer gekommen – wie ist das Label entstanden?

Das war gar nicht so einfach, da es vieles schon gab. Es sollte etwas mit dem Nähen zu tun haben und mit einem kleinen Käfer - Symbol für mein Kind - in Verbindung stehen. Also habe ich verschiedene Kombinationen versucht. Rausgekommen ist der Fadenkäfer.

Das Thema unserer aktuellen Ausgabe lautet "Nähen für große Größen". Deine Damenschnitte gehören zu der doch immer noch recht überschaubaren Anzahl an Schnittmustern, die wirklich auch den oberen Größenbereich bis 58 abdecken. Worin liegen die besonderen Herausforderungen, Schnitte im höheren Größenbereich zu entwickeln?

Jeder Schnitt stellt uns vor eine neue Herausforderung, da die Schnittkonstruktion immer wieder neu ist. Gerade im Bereich „Große Größen“ müssen viele Faktoren mit berücksichtigt werden. Jede Frau hat ihre Kurven woanders. Wichtig ist uns, dass der Schnitt figurschmeichelnd ist und die Frauen sich darin wohl fühlen.

Wie ist die Resonanz darauf, dass du auch Schnitte in großen Größen anbietest? Wird das als nettes Zusatzangebot empfunden – oder hast du Kundinnen, die gerade deshalb vor allem gerne deine Schnitte kaufen?

Die Resonanz ist sehr gut. Auch kurvige Frauen wollen sich etwas Passendes nähen. Da Fadenkäfer eine große Bandbreite an Schnittmustern hat, denke ich nicht dass der Kunde es nur deshalb kauft. Ich sehe es nicht als Zusatzangebot.

Gehen wir doch nochmal genauer auf den Prozess ein, wenn ein neues E-Book entsteht. Du arbeitest bei der Entwicklung mit einer Schnittdirektrice zusammen, die die Schnitte gemeinsam mit dir auf Papier bringt. Andere E-Book-Ersteller zeichnen ihre Schnitte von Hand. Warum ist für dich die Zusammenarbeit mit einer Direktrice so wichtig?

Caro von FadenkäferMir sind professionell erstellte Schnitte wichtig, dort gehe ich mit einem guten Gefühl raus. Ich vertraue meiner Direktrice zu 100 Prozent und weiß, dass sie meine Entwürfe so umsetzt, wie ich es gern habe. Im Probenähen steht die Direktrice an meiner Seite und kann wertvolle Tipps zur Schnittanpassung geben.

Bleiben wir beim Thema E-Books. Der Markt an Angeboten von Schnitten und E-Books wird immer größer und facettenreicher. Die Qualitätsunterschiede sind jedoch enorm. Wann ist für dich ein Näh-E-Book ein wirklich gutes Näh-E-Book?

Ein gutes Ebook hat einen “roten Faden“ den ich auch als Anfänger folgen kann. Ich mag es wenn es reichlich bebildert ist und bis ins kleinste Datei erklärt, was zu tun ist. Zum Schnitt kann man ja immer erst was sagen, wenn man es genäht hat.

Hast du denn Lieblingsschnitte – abgesehen von deinen eigenen? Und welcher ist von deinen eigenen Schnitten dein besonderer Liebling?

Ich komme derzeit nicht zum Nähen anderer Schnitte. Die besonderen Lieblinge unter meinen Schnitten sind derzeit Milly und Pamina. Sie sind super schnell genäht, alltagstauglich und total bequem.

Aktuell ist eine große Trendwende zu erkennen – immer mehr E-Book-Ersteller besinnen sich auf die Wurzeln des Handwerks und bringen Schnitte zusätzlich zur digitalen Version auch auf Papier heraus. Wie stehst du zum Thema Papierschnitte?

Ich biete meine Schnitte zusätzlich kostenlos als Großdruckdatei (A0) an. Die Kunden haben somit eine tolle Anleitung und können sich zum Beispiel über Schnittherzchen den Schnitt plotten lassen. Preislich sind sie dann mit Papierschnittmustern aus dem Handel meistens gleich. Die Resonanz der Kunden auf diesen Service ist toll.

Bleibt dir im Zuge der Entwicklung von Schnitten eigentlich überhaupt noch Zeit, selber zu nähen? Beziehungsweise hast du noch andere Hobbys?

Ich nähe jeden Tag. Ein Tag ohne nähen ist wie ein Tag ohne Sonne. Trist. ;-) Für andere Hobbys bleibt gerade keine Zeit.

In deinem Kopf schlummern doch sicherlich bereits wieder zahlreiche Ideen für neue Projekte. Darfst du uns schon verraten, woran du aktuell arbeitest – und was für ein E-Book als nächstes von dir erscheinen wird?

Ich bin gedanklich schon im nächsten Jahr. Aktuell arbeite ich an einem Blazer für den Herbst. Neben dem Blazer, wird es noch viele andere tolle Schnitte geben. Mehr verrate ich jetzt aber nicht.

Aktuell ist Nähen so angesagt wie nie – das Hobby findet immer mehr Zulauf. Warum glaubst du, ist das so? Warum entdecken immer mehr Menschen ihre Freunde am Selbermachen?

Schon vor fünf Jahren dachte ich, Nähen ist so angesagt wie nie. Es kommen immer wieder neue Menschen dazu, die einfach Lust und Freude haben sich ihre eigenen Unikate zu nähen. Das Schöne am Nähen ist doch, dass ich das Kleidungsstück passgenau auf mich schneidern kann und ich meiner Kreativität freien Lauf lassen kann.

Zum Schluss noch unser beliebtes kleines Spiel, zu dem wir all unsere Interviewpartner einladen. Wir stellen dir jeweils zwei Begriffe zur Auswahl – und du suchst den Begriff aus, der für dich persönlich am meisten zutrifft:

- Rollschneider oder Schere? Schere

- E-Book oder Papierschnitt? E-Book

- Webware oder Maschenware? Beides ;-)

- Nähkurs oder Autodidakt? Autodidakt

- Overlock umfädeln oder immer mit der gleichen Farbe nähen? Immer mit der gleichen Farbe nähen

- Onlineshopping oder Stoffgeschäft? Onlineshopping

- Couch oder Laufschuhe? Couch

- Kaffee oder Tee? Kaffee

Vielen lieben Dank für deine Antworten!