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Interview der Woche: Daniela von Schnittgeflüster

Ihre Schnitte sind schlicht und minimalistisch, in ihren E-Books setzt sie auf Zeichnungen statt auf Fotos und in der Nähszene ist sie eine feste Größe: Daniela vom Label Schnittgeflüster. Im Interview mit Sewunity berichtet sie, wie sie zu ihrem Stil gefunden hat und warum man als Schnittmuster-Entwicklerin eine Menge Biss und Ausdauer braucht.

Sewunity: Liebe Daniela, herzlich willkommen im Sewunity-Nähcafé! In der Nähszene kennt dich jeder nur unter dem Namen Schnittgeflüster. Fangen wir mit einer ganz klassischen Frage an: Wie ist denn dein Name entstanden? Du bist ja nicht immer als "Schnittgeflüster" in der Nähszene aufgetreten …

Logo SchnittgeflüsterDaniela: Hallöchen ihr Lieben. Ja früher hieß ich Fussellinchen. Leider gab es den Namen so ähnlich damals schon und ich wurde abgemahnt, worüber ich im Nachgang sehr froh bin, denn so konnte Schnittgeflüster, eine reifere und moderne Version meines Unternehmens, entstehen. Der Name entstand beim morgentlichen Kaffee auf meiner Terasse.

Unter den Schnittentwicklerinnen gehörst du ja zu den Damen vom Fach: Du hast Bekleidungstechnik studiert. Vermutlich nähst du also schon sehr, sehr lange. Wann hast du das erste Mal an einer Nähmaschine gesessen – und wann wurde das Nähen zu deinem Beruf?

Das erste Mal saß ich mit 15 an der Nähmaschine. Zum Beruf wurde es dann mit 22. Ich habe in einer Agentur neben Makeup-Artist auch als Kostümdesignerin für Shows und Fernsehen gearbeitet. Das Studium war leider sehr trocken und die Schnittkonstruktion damals für mich völlig langweilig. Aber das hat sich ja Gott sei Dank geändert.

Deine Schnitte sind sehr schlicht gehalten und deswegen durch die Reihe für Anfänger geeignet. Wie bist du zu deinem Stil gekommen?

Für meine Tochter habe ich natürlich viel Farbenmix genäht, aber ich bin ein furchtbar ungeduldiger Mensch und zu viele Schnitteile und Schritte lassen mich schnell das Interesse an einem Nähprojekt verlieren. Außerdem wollte ich schnelle und modische Alltagskleidung für mich nähen und als ich mit dem Ebooking anfing, gab es leider keine schönen und vor allem schnell umzusetzende Ebooks, mit denen sich Frau modisch kleiden kann. Das wollte ich ändern.

Daniela von SchnittgeflüsterGerade, wenn ein Schnitt für Anfänger geeignet sein soll, ist eine gute Anleitung ganz besonders wichtig. Was macht für dich in dieser Hinsicht ein gutes E-Book aus, wie erkennt der Käufer, dass er Qualität gekauft hat?

Wichtig ist eine gute Gliederung. Ungünstig empfinde ich eine Reizüberflutung. Meine Anleitungen sind sehr schlicht und kurz gehalten, um beim Wesentlichen bleiben zu können. Verständliche Bilder sollten dabei sein. Ich habe mich mit meiner Designerin auf Zeichnungen geeinigt, da sie zeitlos sind und die einzelnen Schritte so verständlicher dargestellt werden können.

Genau mit diesen Zeichnungen unterscheiden sich deine Anleitungen optisch deutlich von vielen E-Books, die sonst im Markt erhältlich sind. Wie kommt dieser Stil bei deinen Kunden an?

Mir war ein modernes und zeitloses Design wichtig. Dafür gab es dann Unterstützung von der Designerin. Tatsächlich gab es Anpassungsprobleme bei den Kunden, denn so war das bis zu diesem Zeitpunkt nicht gängig, ein Ebook zu gestalten. Mittlerweile gibt es jedoch enormen Zuspruch.

Hast du selber auch Lieblingsschnitte – außer deinen eigenen? Wenn ja, welche?

Nein, ich habe überhaupt keinen Lieblingsschnitt, nicht mal von meinen eigenen. Ich bin so schnelllebig in meiner Mode und Garderobe, dass ich ständig neue Sachen probiere und viele Schnitte verändere.

Das Thema unserer aktuellen Nähkästchen-Ausgabe lautet "Nähen im Boho-Style". Auch bei dir finden sich Schnitte, die perfekt zum aktuellen Trend passen, zum Beispiel Valessia oder Little Ebby. Gibt es deiner Meinung nach Gründe, warum dieser Stil aktuell so angesagt ist – und hast du Stoffempfehlungen?

Der Boho-Style ist schon seit zwei Jahren in der Instagram-Blogger-Szene angesagt. Erst dieses Jahr ist er in unseren Nähmikrokosmos eingeflossen. Letztes Jahr habe ich sehr viel in dem Stil genäht. Dieses Jahr wird es eigentlich minimalistischer und klarer vom Stil, wobei es noch nicht ganz angekommen ist bei uns Deutschen. Jedoch verstecken sich auch bei mir noch ein – zwei dieser Klamöttchen. Der Stil ist halt sehr verspielt, romantisch und weiblich. Wer sich in dieser Richtung was nähen möchte, der greift zu Viskosestoffen, die sind schön leicht und fließend.

Gehen wir nochmal genauer auf deine E-Books ein. Welche Zeit vergeht bei dir von der ersten Idee bis zum ersten E-Book? Wie lange dauert so ein Entwicklungsprozess?

Mittlerweile kann es schon mal drei Monate dauern, bis es zur Veröffentlichung kommt. Das liegt daran, dass ich einen ganzheitlichen Look kreieren möchte. In der Herbstkollektion kommen Hose, Blazer und zwei Oberteile von Schnittgeflüster. Ich möchte die Probenäher nicht stressen und gebe da gut und gerne zwei Monate zum Nähen Zeit. Auch bin ich auf den Rhythmus meiner Designerin und Directrice angewiesen.

Generell vergeht ja im Moment gefühlt kein Tag, in dem nicht irgendwo eine neue Näh-Anleitung erscheint. Nähen ist so angesagt wie nie, Selbermachen total im Trend. Was ist deine Prognose – ein kurzzeitiges Phänomen, oder wird das jetzt auf Dauer so bleiben?

Ich bin ganz ehrlich und sage „ein kurzzeitiges Phänomen“. Meine Prognose lautet noch zwei bis vier Jahre, dann ist der Boom endgültig vorbei und nur ein paar wenige werden sich durch konstante Leistung und Zuverlässigkeit noch tragen können. Du brauchst Biss und Ausdauer in diesem Buisness. Ich sag zu meinem Mann immer: „Das hier ist nur was für echte Kerle wie uns Frauen".

Unter deinen E-Books findet sich auch etwas, was es aktuell noch eher in geringerer Anzahl gibt – einen Schnitt für Männer. Die meisten Schnitte, die neu erscheinen, sind für Frauen oder Kinder, Männer führen noch eher ein Schattendasein. Kannst du dir vorstellen, in Zukunft weitere Männerschnitte rauszubringen – oder hast du sogar schon etwas in Planung?

Ja natürlich kann ich mir das vorstellen. In der Herbstkollektion wird es sogar schon wieder was für Männer geben.

Wie oft hast du noch Zeit, einfach aus Spaß etwas für dich selber zu nähen? Was war dein letztes Projekt?

Ich nähe ständig für mich. Jedesmal wenn ein neuer Schnitt kommt. Da ich nur Modetrends aufgreife, wird mein Kleiderschrank ständig mit aktueller Fashion gefüllt. Jedoch alles nur beruflich. Privat gibt die Zeit nicht mehr her.

Neben den Anleitungen hast du ja seit einiger Zeit auch noch ein zweites Steckenpferd: Unter dem Label Stoffiness verkaufst du selbst designte Stoffe. Wie ist die Resonanz darauf?

Also die Resonanz fand ich sehr gut und wollte eigentlich sogar schon einen neuen Stoff designen, aber irgendwie arbeitet die Zeit immer gegen mich.

Was sind deine Pläne für die Zukunft – an was arbeitest du aktuell? Neue E-Books? Neue Stoffe?

Natürlich wird schon an den nächsten Schnitten gearbeitet. Ich hoffe, ab August auch wieder ein neues Stoffdesign machen zu können.

Dürfen wir dir noch eine Frage in eigener Sache stellen? Auf Sewunity bewerten User Schnittmuster mit Sternen, fünf Sterne sind die besten Bewertung. Wie viele Sterne würdest du Sewunity geben – und warum?

Kinnas, ich gestehe zu meiner Schande, ich bekomme um mich herum nichts mit und bin daher , was euch angeht, noch nicht richtig im Bilde . ;)

Zum Abschluss dann aber noch unser kleines Spiel – wir freuen uns, wenn du mitmachst. Wir stellen dir jeweils zwei Begriffe zur Auswahl – bitte wähl doch den Begriff aus, der auf dich am meisten zutrifft:

- Rollschneider oder Schere? Schere

- E-Book oder Papierschnitt? E-Book

- Webware oder Maschenware? Maschenware

- Nähkurs oder Autodidakt? Autodidakt

- Overlock umfädeln oder immer mit der gleichen Farbe nähen? Ich habe zwei – ich fädel nicht um ;)

- Onlineshopping oder Stoffgeschäft? Onlineshopping, da ich kaum zum Einkaufen komme

- Couch oder Laufschuhe? Laufschuhe

- Kaffee oder Tee? Kaffee-Kaffee-Kaffee-Kaffeeeeeeeeeeeeeeeee !!!

Vielen Dank fürs Interview!