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Interview der Woche: Franziska von Von Lange Hand

Von Lange HandUnser heutiger Gast im Nähcafé steht für wunderbare Geschenkideen für Babys und kleine Kinder. Unter dem Label "Von Lange Hand" bringt Franziska ganz besondere Schnitte heraus, die Mütter wie Kinder bezaubern. Heute erzählt sie uns, wie sie auf ihre Ideen kommt, was ihre Kinder von ihren Kreationen halten und warum es für sie wichtig ist, dass E-Book-Anleitungen im Querformat angelegt sind.

Sewunity: Liebe Franziska, herzlich willkommen bei uns im Nähcafé! Schön, dass du zu einem Interview die Zeit gefunden hast. Dein Label „Von Lange Hand“ ist vielen vor allem durch den Schnullerdrachen bekannt – warum denn ausgerechnet ein Schnullerdrache?

Franziska: Weil Drachen tolle Tiere sind. Weil sie beschützen, verteidigen und dabei doch stets ein weiches Herz haben. Weil selbst die furchteinflößendsten Gesellen unter ihnen immer bisschen niedlich aussehen. Und weil jede Familie so einen treuen Begleiter brauchen kann, der aufpasst, dass das oft wichtigste Utensil, Babys Schnuller, nicht verlorengeht …

Eine Frage musstest du wahrscheinlich schon oft beantworten: Wie bist du auf den Namen für dein Label gekommen? Steckt da eine Geschichte dahinter?

Am Frühstückstisch ist der Name meines Labels entstanden. Wirklich! Damals, im Leben vor den Kindern, gab es eine feine, regelmäßige Frühstücksrunde mit Freunden. Wir feierten einen Geburtstag. Weil der Geburtstagsfreund selbst schon alles hatte, nähte ich seinem kleinen Sohn ein Hündchen – schließlich sind fröhliche Kinder doch das beste Geschenk. Er war begeistert und meinte, das wäre ein typisches Stück von mir. Und während ein Wort das nächste ergab, entstand die Wortspielerei genäht von Lange Hand – ähm ja, Lange ist eigentlich mein Nachname. Und der gute Freund von damals steht heute für die Bildsprache meines Labels. In seiner „Zentrale für feine Fotoeinsätze“ entstehen all die ausdrucksstarken Produktbilder, die ich so selbst niemals hinbekommen würde.

Neben dem Schnullerdrachen hast du noch viele andere E-Books und Anleitungen herausgebracht. Aber wie hat das alles denn angefangen? Wie kam es zu deinem ersten eigenen Schnitt?

Franziska I Durch ein Eingeständnis an mich selbst. Ich liebe es, in meiner Nähwerkstatt nach meinen eigenen Schnitten zu produzieren. Eintönigkeit aber liegt mir überhaupt nicht. Zu Beginn von Lange Hand habe ich Schnullerdrachen genäht und verkauft. Die Nachfrage war groß, ich habe vier bis fünf Drachen am Tag genäht – und konnte sie bald nicht mehr sehen. Dazu kam die Erkenntnis, dass ich von fünf genähten Exemplaren am Tag allein nicht leben kann. Die Produktion abgeben, um höhere Stückzahlen zu erreichen, war keine Option für mich. In dieses Dilemma schlich sich immer wieder der alte Traum, irgendwann einmal ein Nähbuch voll mit meinen Ideen zu veröffentlichen. Im Herbst 2013 war ich soweit, es einfach mal zu riskieren, einen Zwischenweg zu gehen und eine Anleitung zu schreiben. Das erste E-Book war das für den Schnullerdrachen, es ging damals im Dezember online. Für mich war es nur ein Test – aber die Resonanz darauf hat mich einfach umgehauen. Dieser Zuspruch hält bis heute an und macht mir Mut, meinen Weg so weiter zu gehen. Endlich kann ich tüfteln, entwerfen, zeichnen, nähen, layouten, schreiben und dabei mein eigener Chef sein, der nicht schmollt, wenn ich Zeit für meine Kinder brauche – von Lange Hand vereint alles, was mich schon immer glücklich gemacht hat. Ich weiß, dass ich das den vielen Näherinnen da draußen zu verdanken habe. DANKE an Euch!

Und wie bist du überhaupt zum Nähen gekommen? Seit wann „hängst du an der Nadel“?

In meiner Familie wird gewerkelt. Das war schon immer so. Die geschickten Hände meiner Oma strickten, häkelten und nähten alles, was selber zu machen ist – noch bevor überhaupt der Gedanke ans Kaufen aufkommen konnte. Was die Nähmaschine hergibt, hat ihr stets meine Mama entlockt. Das betagte Backsteinhäuschen, das meine Eltern gekauft haben, als ich klein war, hat mein Papa mit viel Schweiß und Ideenreichtum in den kleinen Teilzeit-Selbstversorger-Hof verwandelt, auf dem ich aufwachsen durfte. Umgeben von Gegacker, Geschnatter, Gemecker und Gewieher ist das Selbernähen zu einem Teil von mir geworden – ohne dass ich etwas dafür oder dagegen tun konnte. Das ist einfach abgefärbt sozusagen.

Dieses Ich-probiere-das-jetzt-einfach-mal-aus-auch-wenn-ich-nicht-weiß-was-daraus-wird-Gefühl ist es, das mich antreibt, Neues umzusetzen. Und immer ist es mein Ausgleich zum turbulenten Alltag. Es macht mich fröhlich und nicht selten spornt mich der Gedanke an, mich abends an die Nähmaschine setzen zu können, mit Energie durch den Tag zu gehen. Nähen als Belohnung, quasi. Beim Schreiben an meiner Magisterarbeit im Studium hat das geholfen. Und bei übel gelaunten Kindern hilft es auch heute noch.

„Von Lange Hand“ steht in erster Linie für liebevolle Geschenke für neue Erdenbürger – deine Produkte richten sich an Babys beziehungsweise ihre Eltern. War das eine bewusste Entscheidung, oder bist du in diese „Nische“ so reingerutscht?

Es ist ein Mix aus beidem. Klar, meine beiden Kinder zeigen mir auch heute noch immer wieder eine Welt, die ich aus dem Leben vor den Kindern gar nicht kannte. Von daher ganz klar: reingerutscht. Dazu kommt aber mein Stil. Was ich nähe, sieht am Ende irgendwie immer kindlich aus. Es sind einfach die Farben, Formen und Muster, die mich ausmachen. Das steckt so in mir drin.

Franzsika II

Gerade in der Produktion für kleinste Kinder muss man auf viele Sicherheitsaspekte achten. Wie gehst du damit um? Weist du in deinen E-Books explizit auf die gesetzlichen Bestimmungen hin oder gibst Tipps, wie man die Geschenke möglichst sicher machen kann?

Natürlich! Weil es mir ganz wichtig ist, dass die Spielzeuge, die nach meinen Schnitten entstehen, auch wirklich „gute“ Spielzeuge sind. Jedes E-Book enthält ganz klare Hinweise, welche Stoffe möglichst verwendet werden sollen. Sie erklären, was beim Nähen zu beachten ist, damit die Nähte später dem Spielen standhalten. Die Sicherheit ist auch ein Grund, warum die Gesichter meiner Kuschelfreunde immer aufzusticken sind, statt auf Knöpfe oder dergleichen zu setzen. Und nicht zuletzt sind auch meine Schnitte an sich schon so entwickelt, dass sie für Kinderhände passen. All das sind Erfahrungswerte aus den CE-Prüfungen für die von mir produzierten Schnullerdrachen, die ich gerne weitergebe.

Du selbst hast ja auch zwei Kinder. Sind sie die ersten Tester neuer Produktideen? Und hast du vor, dein Sortiment mit ihrem zunehmenden Alter auch auf eine ältere Zielgruppe hin zu verändern?

Die kritischsten Tester habe ich selbst im Haus, aber nicht immer kann ich auf ihre Meinung setzen. Den Schnullerdrachen hat mein Mädchen zum Beispiel nie als Kuscheltier akzeptiert. Dagegen schreiben mir meine Kundinnen immer wieder, dass sie mehrere Drachen nähen müssen, damit sie sie auch mal waschen können, weil die Kinder sie nicht hergeben. Auch das Spielhäuschen zum Zusammenklappen fand bei meinem Mädchen nur mäßigen Anklang. Mein kleiner Junge liebt es dagegen und spielt ausdauernd damit. Viele Spiel- und Kuscheltierideen setze ich dann trotzdem um, auch wenn die beiden nicht sofort darauf anspringen. So wird sich das Sortiment sicher mitwachsen, aber immer auch ein bisschen frühkindlich bleiben.

Unsere Leser interessiert ja immer sehr, wie so ein E-Book entsteht. Wo kommen dir die besten Ideen? Und wie wird aus der Idee für etwas ein Modell zum Anfassen und eine Anleitung zum Nacharbeiten?

Ein Haus entstehtDie Ideen zu meinen Stücken kommen meistens spontan. Ich suche nicht nach ihnen, sie sind einfach da. Und wollen dann auch sofort umgesetzt werden. Deshalb habe ich immer einen großen Vorrat an sämtlichen Materialien da. Ich horte alles, Knöpfe, Garne, Stoffe. Alte Klamotten, ausgediente Taschen. Der Lieblingsmann im Hause von Lange Hand hat es nicht leicht! Zuerst zeichne ich meine Idee. Dann zerlege ich sie in grobe Formen und bastele von Hand ein Schnittmuster dafür. Im nächsten Schritt sitze ich an der Nähmaschine. Beim Nähen merke ich, ob die Proportionen so passen, wie ich mir das vorgestellt habe. Wenn alles passt, digitalisiere ich den Schnitt. Dann wird ein zweites Mal genäht, um zu schauen, ob auch nach dem digitalen Muster noch alles passt. Danach geht es an die Anleitung. Also wird wieder genäht und jeder noch so kleine Schritt fotografiert. Meine E-Books sind ja bekannt für ihren Detailreichtum. Kaum von der Nähmaschine gehüft, dürfen die Prototypen zum Fotografen, während ich mich ans Schreiben der Anleitung mache. Dafür hangele ich mich an den Fotos entlang und nähe quasi im Kopf alles noch einmal nach. Passt dann das Layout und sind die Fotos da, geht alles ins Probenähen und der Schnitt darf erscheinen. Das klingt jetzt so, als wäre es flott gemacht. Bis aus einer Idee ein E-Book wird, gehen aber mehrere Monate ins Land.

Nähst du auch noch „privat“, also für dich und deine Kinder? Welchen Schnitt (mit Ausnahme deiner eigenen) würdest du als Lieblingsschnitt bezeichnen?

Leidenschaftlich gern, aber viel zu wenig und für mich selbst viel zu selten. Aber wenn dann habe ich für die Kinder meistens einen Schnitt von klimperklein unter der Nähmaschine. Vor allem die Checkerhose ist so bequem und dabei cool. Und für mich habe ich die Schnitte von PRACHTKINDER entdeckt. Aktuell bin ich in den Chino-Minirock und das Anni-Kleid verliebt. Die sind so einfach, dabei raffiniert und ausgefallen. Gefällt mir total gut.

E-Books mit Nähanleitungen gibt es ja unglaublich viele. Darunter sind sehr viele gute, aber auch bestimmt einige nicht so gute. Was macht für dich ein gutes E-Book aus? Worauf legst du, gerade auch bei deinen eigenen Anleitungen, besonderen Wert?

Ich möchte jeden Schritt ganz genau erklärt haben und halte nix davon, Dinge als gegeben vorauszusetzen. Ein E-Book ist für mich gelungen, wenn sowohl Anfänger damit zurechtkommen als auch Fortgeschrittene noch Neues entdecken. Außerdem möchte ich, dass auch das E-Book selbst hübsch aussieht, gutes Layout ist mir wichtig. Und ich mag es, wenn das E-Book im Querformat daherkommt, dann passt es optimal auf den Bildschirm. Ich möchte nicht ständig scrollen müssen, wenn der Laptop beim Nachnähen neben der Maschine steht.

Und hast du, neben Familie, Job und Design, eigentlich noch Zeit für andere Hobbys? Die vielleicht gar nichts mit Handarbeiten oder DIY zu tun haben?

Seit meiner Kindheit war mein Pony Genius mein treuester Begleiter. Beinahe meine ganze Freizeit habe ich mit ihm durch die Wälder streifend verbracht. Anfang dieses Jahres wurde er so krank, dass wir ihn erlösen mussten. Das zu begreifen, fällt mir noch immer nicht leicht – und so sehr mir das Reiten gerade fehlt. Es ist einfach nicht dasselbe mit anderen Ponys. Ich hoffe, dass das irgendwann wieder anders wird, und ich nach von meinen Pausen vom Alltag wieder nach Pferd duftend zu Hause ankomme.

Viele Kreative in der Nähszene beschreiten ja derzeit auch Wege neben dem „klassischen“ Entwerfen neuer Schnitte und Anleitungen. Es werden Stoffe designt, Bücher geschrieben, Fernsehsendungen mitgestaltet … Gibt es etwas in dieser Richtung, was dich so richtig reizen würde? Worin würdest du dich gerne einmal ausprobieren?

Ein Stoff, von mir ganz selbst entworfen, ist Traum Nummer eins. Und in Traum Nummer zwei sehe ich ein Buch, voll mit meinen Anleitungen.

Angenommen, eine Freundin möchte mit dem Nähen beginnen. Welche Geheimtipps würdest du ihr mit auf den Weg geben. Und auf welche Hilfsmittelchen beim Nähen möchtest du nicht mehr verzichten müssen?

Einfach loslegen, keine Angst haben und eine Naht nach der anderen nähen. Ach, und das Atmen dabei nicht vergessen. Scherz beiseite, das klingt jetzt einfach, hilft aber. Ich zerlege mir im Kopf gerne große Projekte in einzelne Nähschritte. Dann ist alles schon nur noch halb so schlimm. Und selbst möchte ich nie mehr ohne mein 60-cm-Patchworklineal, ohne Trickmarker und ohne wasserlösliches Vlies nähen. Ich zeichne darauf meine Entwürfe und übertrage so Applikationen auf Stoff. Außerdem nutze ich es gern als Verstärkung unter dünnen Elastikstoffen, die Gefahr laufen, sich beim Nähen zu wellen. Kleidung abzusteppen, zum Beispiel am Saum, wird so viel einfacher.

Bei Sewunity bewerten die User ja Schnittmuster und Anleitungen nach einem Fünf-Sterne-Prinzip. Wir würden den Spieß gerne mal umdrehen – wie viele Sterne würdest du Sewunity geben, und warum?

Fünf Sterne bekämt ihr von mir. Weil ich es mag, einfach nach einem Stichwort suchen zu können und dabei tolle Inspirationen erhalte. Und ich komme bei der Suche direkt zum jeweiligen Schnittmuster, ohne mich erst durch das Internet klicken zu müssen.

Zum Abschluss würden wir gerne unser „Was passt zu dir?“-Spiel auch mit dir spielen. Wir nennen dir immer zwei Begriffe, und du sagst ganz spontan, welcher Begriff besser zu dir passt:

- Rollschneider oder Schere? Beides

- E-Book oder Papierschnitt? E-Book (weil ich den Schnitt SOFORT möchte)

- Webware oder Maschenware? Maschenware, Webware, alte Bettwäsche … alles, was Stoff ist

- Nähkurs oder Autodidakt? Autodidakt

- Overlock umfädeln oder immer mit der gleichen Farbe nähen? Immer mit der gleichen Farbe

- Onlineshopping oder Stoffgeschäft? Online

- Couch oder Laufschuhe? Couch

- Kaffee oder Tee? KAFFEE … Tee, was soll das sein ;-)