Logo small magazine

Der Plotter - das geheimnisvolle Wesen

Nähmaschine und Overlock waren gestern – in immer mehr Nähzimmer zieht nach und nach auch noch ein weiteres Gerät ein: der Plotter. Doch was ist ein Plotter eigentlich, wie benutzt man ihn und was macht ihn so besonders? Wir stellen euch das Gerät mit seinen Möglichkeiten einmal genauer vor.

PlotterEr sieht ein bisschen aus wie ein Drucker, ist aber keiner: Der Plotter. Wikipedia definiert ihn technisch trocken als "Ausgabegerät, das Funktionsgraphen, technische Zeichnungen und andere Vektorgrafiken auf verschiedenen Materialien darstellt". Während Plotter bei Werbegestaltern und generell im gewerblichen Bereich riesige Geräte sind, mit denen man unter anderem auch technische Zeichnungen erstellen kann, ist mit Plotter im DIY-Bereich in der Regel der so genannte Schneideplotter gemeint. Die Geräte verfügen über ein kleines Messer, das aus Folien oder Papier Formen, Motive und Schriftzüge ausschneidet. Das Einsatzspektrum ist auch im privaten Umfeld groß: Man kann sich mit einem Plotter Bügelbilder erstellen, um Textilien aufzuhübschen, man kann Bilderrahmen, Vasen, Tassen und mehr mit Aufklebern verschönern oder sich seine eigenen Etiketten oder Wandtattoos gestalten. In der Bastelszene werden Plotter häufig zum Scrapbooking oder zum Erstellen von originellen Karten oder Schachteln aus Papier und Pappe verwendet. Der Plotter schneidet nach Vorgabe einer Datei Konturen aus, setzt Falzlinien und tut dies mit einer filigranen Genauigkeit, die mit den Fingern alleine oft kaum erreicht werden kann. Wer mag, kann statt des Messers auch einen Stiftehalter verwenden. Damit wird der Plotter zum Beispiel bei der Gestaltung von Einladungskarten zum Schreibgerät.

Die Wahl des passenden Gerätes

PlotterWer sich für sein Hobby einen Plotter anschaffen möchte, hat mittlerweile eine gute Auswahl. Die Nachfrage wächst stetig und neue Geräte erobern den Markt. Am meisten verbreitet sind zwei Modelle der Firma Silhouette. Dabei handelt es sich um den etwas kleineren Plotter "Silhouette Portrait" und den etwas größeren "Silhouette Cameo". Vom Funktionsumfang sind beide Geräte in etwa gleich. Der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Modellen besteht in der Mattengröße. Während der Portrait nur auf eine Mattengröße von in etwa DIN A4 ausgelegt ist, beträgt die Fläche beim Cameo knapp 31x31 Zentimeter und größer. Entsprechend lassen sich mit dem Cameo deutlich großflächigere Folien und Papiere schneiden. Wer lediglich Bügelbilder zur textilen Gestaltung erstellen möchte, ist mit dem Portrait alles in allem sehr gut beraten. Auch bei kleineren Bastelarbeiten schlägt er sich gut, selbst größere Wandtattoos sind je nach Gestaltung möglich, wenn man zum Beispiel Schriftzüge in mehrere Einzeldateien aufteilt. Wer viel mit Papier basteln möchte und eher großflächige Projekte im Sinn hat, sollte sich lieber gleich für den Cameo entscheiden. Dieser unterliegt bei seiner Arbeitsfläche weniger Beschränkungen.

Eine interessante Alternative für Hobbyanwender sind auch die Geräte der Firma Brother aus der Reihe ScanNCut. Ihr Vorteil besteht darin, dass sie sich auch ohne PC nutzen lassen.

Das Zubehör

Plotter-ZubehörZu jedem Plotter gehört eine selbstklebende Schneidematte. Es gibt zwar auch Folien, die ohne Matte geschnitten werden können, allerdings ist ein präziseres Arbeiten auf jeden Fall mit Matte möglich. Arbeitet der Plotter, zieht das Gerät die Schneidematte ein, fährt sie hin und her und sorgt damit dafür, dass das Messer die entsprechenden Linien und Rundungen einer Datei ausschneiden kann. Es empfiehlt sich, gleich zu Anfang zwei Matten anzuschaffen und für verschiedene Materialien (eine für Textilfolien, eine für Papier) zu nutzen. Es gibt auch Matten mit reduzierter Klebekraft. Dies ist für Papierbastelarbeiten auf jeden Fall von Vorteil.

Eine ähnlich sinnvolle Anschaffung wie eine zweite Matte ist ein Ersatzmesser. Gerade am Anfang macht man vielleicht doch einmal den einen oder anderen Fehler – und das Messer verweigert seinen Dienst. Genau, wie man jedoch mit einer Stoffschere kein Papier schneiden sollte, sollte man auch mit einem Messer, das Textilfolien bearbeitet, kein Bastelpapier schneiden. Auch dafür ist ein zweites Messer eine ausgesprochen gute Investition.

Für den Start fehlt dann lediglich noch ein Werkzeug für das so genannte Entgittern. Beim Entgittern wird die geschnittene Fläche mit einem spitzen Gegenstand freigelegt (später dazu noch mehr). In der Regel bewährt sich ein so genannter Entgitterhaken, der gut in der Hand liegt. Viele Nutzer eines Plotters verzichten jedoch darauf und entgittern lieber mit einer Stecknadel.

Kleine Folienkunde

Für die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten eines Plotters gibt es unterschiedliche Folien, die man mit dem Plotter bearbeiten kann. Für Bügelbilder verwendet man wahlweise Flexfolie oder Flockfolie. Für Dekorationen ist Vinylfolie die erste Wahl. Wer Vinylfolie auf einem Gegenstand, zum Beispiel einem Bilderrahmen, anbringen möchte benötigt zusätzlich noch eine Übertragungsfolie, mit der das Motiv auf den gewünschten Untergrund transportiert wird Darüber hinaus gibt es zahlreiche Sonderfolien, zum Beispiel nachtleuchtende Folien, Plusterfolien, Hologrammfolien und mehr. Die beste Bezugsquelle ist dafür das Internet, doch auch ausgewählte örtliche Bastelgeschäfte führen mittlerweile oft ein Basisangebot an Plotterfolien.

FlexfolieFlexfolie erkennt man an ihrer leicht glänzenden Oberfläche. Es gibt sie in matt oder richtig glänzend, in gedeckten Tönen oder Neonfarben, mit Glitzer oder ohne. Man kann sie in DIN-A4-Größe oder darüber hinaus sowie in größeren Mengen auf der Rolle kaufen. Flexfolie ist die am meisten verbreitete Textilfolie und je nach Ausführung recht preisgünstig.

FlockfolieFlockfolie hat eine samtige Oberfläche und ist etwas teurer. Je nach Motiv lassen sich mit ihr besonders schöne Effekte erzielen, und in der Regel hält sie – sofern man die Motive nur von Hand aufbügelt und nicht mit einer Transferpresse arbeitet – auf Textilien etwas besser als Flexfolie. Ihr Nachteil besteht darin, dass sie gerne auch einmal Fusseln anzieht – und dass man durch ihre Dicke mit Flockfolie nur schwer mehrschichtig in mehreren Farben plotten kann. Wer ein solches Motiv umsetzen möchte, sollte sich besser für Flexfolie entscheiden.

Wichtig ist, dass Flex- und Flockfolie immer im Plotter von ihrer Rückseite bearbeitet werden. Dazu ist es wichtig, das entsprechende Motiv in der Plottersoftware vorher zu spiegeln. Sowohl Flex- als auch Flockfolie sind von Haus aus oben mit einer durchsichtigen Plastikschicht abgedeckt. Mit ihrer Hilfe wird das Motiv zum Beispiel auf ein T-Shirt übertragen und nach dem Bügeln oder Pressen abgezogen.

VinylfolieVinylfolie ist selbstklebend und verfügt über keine zusätzliche Trägerschicht. Deswegen bearbeitet man sie von der Vorderseite, bringt anschließend eine durchsichtige so genannte Übertragungsfolie auf und löst damit das Motiv vom Untergrund. Anschließend hält man eine Art Aufkleber in den Händen, der auf den gewünschten Gegenstand angebracht werden kann.



Von der Idee zum fertigen Motiv

Um ein Kleidungsstück zu beplotten, gibt es mehrere Wege, die am Ende zum Ziel führen. Doch für welchen Ansatz man sich auch entscheidet: Alle führen – zumindest bei den weit verbreiteten Silhouette-Geräten – über eine Plottersoftware am PC. Über sie wird der Plotter gesteuert und bekommt den Auftrag, das entsprechende Motiv auszuschneiden.

Die einfachste Möglichkeit, ein bügelfertiges Motiv zu erzeugen, ist der Kauf einer fertigen Plotterdatei. Eine gute Auswahl gibt es nicht nur bei dawanda und makerist, sondern für Silhouette-Plotterbesitzer auch im eigenen, in die Software integrierten Shop, den so genannten Sil-Store. Die preisliche Bandbreite für eine fertige Datei ist je nach Motiv groß. Die günstigsten Dateien kosten im Store wenige Cent, andere mehrere Euro. Viele Motive sind einfarbig. Mehrfarbiges Plotten ist auch kein Problem, erfordert allerdings mehr Arbeitsaufwand und ist deutlich komplexer. Dazu wird das Motiv in mehrere Farbschichten zerlegt, entsprechend zugeschnitten und beim Aufbügeln wieder schichtweise zusammengesetzt. Das braucht durchaus einiges an Zeit, dafür kann sich das Ergebnis meist sehen lassen.

PlottersoftwareDie Alternative besteht darin, selbst ein Motiv zu gestalten. Geht es nur um Schriftzüge, ist das normalerweise relativ einfach und gut zu bewältigen, da sich die Plottersoftware weitestgehend selbst erklärt. So lassen sich am PC Wörter und Sätze erstellen und schließlich am Plotter schneiden. Komplexer wird es, wenn man ein Bild oder eine grafische Vorlage in eine Plotterdatei umgewandelt werden soll. Dazu hält das Programm eine Funktion namens "Nachzeichnen" bereit. Mit ihr kann beispielsweise eine Onlinegrafik plottbar gemacht werden. Damit dies am Ende wirklich gelingt, ist etwas Fingerspitzengefühl und Übung erforderlich. Eine gute Hilfe dabei sind verschiedene einschlägige Facebook-Gruppen, in denen sich Plotterfreunde zusammengeschlossen haben und die gerne Fragen beantworten, wenn man Hilfe benötigt.

Ist die Datei fertiggestellt, muss das Motiv dann, wenn es auf Flex- oder Flockfolie geplottet werden soll, noch in der Software gespiegelt werden. Dieser Schritt wird gerade von Anfängern gerne vergessen, ist aber entscheidend. Wichtig ist das Spiegeln vor allem, da Texttilfolien von der Rückseite im Gerät beschnitten werden, man das Motiv aber von vorne sehen möchte. Somit erfolgt der Vorgang des Plottens seitenverkehrt.

Plotter schneidetWichtig ist es auch, vor dem Start des Schneidens in der Software noch die Materialdicke und die Geschwindigkeit auszuwählen, mit der der Plotter arbeiten soll. Wer unsicher ist, führt vorher einen Testschnitt durch. Welche Einstellungskombination aus Materialdicke und Schnittgeschwindigkeit ideal ist, erfahrt ihr bei eurem Folienhändler. Die Software hält aber auch bereits einige Voreinstellungen für bestimmte Materialien bereit. Nun ist es geschafft: Der Plotter kann loslegen und schneiden, was das Zeug hält. Ihr könnt ihm dabei zuschauen – und seinem unverwechselbarem Sound lauschen, der die älteren Leser möglicherweise noch an den früheren Klang von alten Nadeldruckern erinnert.



Entgittern und pressen

Motiv entgitternWer denkt, mit der Arbeit des Plotters wäre die Haupttätigkeit beim Erstellen eines Bügelbildes abgeschlossen, irrt allerdings. Denn nun beginnt die zum Teil kleinteilige Handarbeit mit dem harmlosen Namen "Entgittern". Mit Hilfe eines spitzen Werkzeuges geht es dabei darum, das Motiv von allen Materialbestandteilen zu befreien, die nicht zum Motiv gehören, also sämtlichen Füllräumen, die zwischen den einzelnen Umrandungen liegen.

Motiv entgittertJe nach Datei kann dies sehr schnell gehen oder auch ausgesprochen aufwendig sein und durchaus auch mal eine halbe Stunde dauern. Viele Plotter-Liebhaber empfinden aber gerade diese Tätigkeit als ausgesprochen meditativ.

Am Ende gilt es dann lediglich noch, das fertige Motiv aufzubügeln – zum Beispiel auf ein Shirt. Besonders komfortabel geht dies mit einer so genannten Transferpresse, die die geplotteten Bilder besonders gut und haltbar befestigt. Transferpressen haben allerdings zwei entscheidende Nachteile: Sie nehmen nicht nur zusätzlich Platz weg - sie sind auch sehr teuer. Oft liegen ihre Preise zwischen 150 bis 250 Euro und liegen damit je nach Modell über den Anschaffungskosten für einen Plotter.

Günstiger geht es mit einem normalen Haushaltsbügeleisen. Wichtig ist, dass auf einem festen Untergrund (z.B. dem Küchenfußboden) gebügelt wird, die Dampfunktion ausgeschaltet ist, das Motiv mit Backpapier abgedeckt und schrittweise mit viel Kraft gepresst wird. Auch dies nimmt einiges an Zeit in Anspruch. Textilien mit geplotteten Motiven sollten je nach Folie von links gewaschen werden und dem Trockner keinen Besuch abstatten. Lösen sich nach dem Waschen dennoch Teile des Motivs, kann der Pressvorgang mit dem Bügelvorgang nach dem Waschen problemlos wiederholt werden und die Folie sitzt wieder fest.

Vorbereitet zum Pressen

Wer das Pressen mit dem Bügeleisen nicht mag, jedoch auch keine Transferpresse kaufen möchte, kann als Alternative über die Anschaffung einer so genannten Bügelpresse nachdenken. Solche Modelle gibt es oft für kleines Geld gebraucht in den einschlägigen Online-Flohmärkten und Bügelpressen haben den großen Vorteil, dass sich Motive schneller und mit weniger Kraftaufwand aufbringen lassen. Die Haltbarkeit ist mit einer richtigen Transferpresse aber immer höher.

Und was kostet der Spaß?

Tasche fertigWir müssen es leider ganz klar sagen: Ähnlich wie Nähen ist auch Plotten kein billiges Hobby. Die günstigsten Plotter gibt es ab ca. 170 Euro, für das Zubehör wird man gut und gerne noch einmal 30 Euro und mehr los. Textilfolien gibt es in der Größe DIN A4 ab ca. einen Euro, dazu kommen noch die Kosten für mögliche Kaufdateien. Einfache Transferpressen beginnen bei 150 Euro, die Grenzen nach oben sind offen. Dennoch ist der Plotter eine tolle Ergänzung zur Nähmaschine für alle, die ungern sticken oder applizieren, selbstgenähte Kleidungsstücke dennoch gerne noch mit Motiven individuell aufwerten möchten.



Trulla plottenBesitzt ihr bereits einen Plotter? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Wir freuen uns über eure Beiträge – nutzt die Kommentarfunktion am Ende dieser Seite! Und kennt ihr eigentlich schon unseren exklusiven Sewunity-Plot, mit dem ihr zum Beispiel eure Nähmaschinenabdeckung zu einem echten Unikat machen könnt? Hier könnt ihr euch die Datei kostenlos herunterladen.
Bitte beachtet, dass das Copyright für die Datei bei Sewunity liegt und sie ausschließlich für den privaten Gebrauch verwendet, nicht weitergegeben und nicht verfielfältigt werden darf.


Fotos: Judith Laux und Stefanie Nonnenmann