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Interview der Woche: Yvonne von Leni Pepunkt.

Heute besucht uns im Nähcafé eine Frau, die eigentlich gar keine Zeit dafür haben dürfte: Yvonne vom Label Leni Pepunkt. ist nicht nur unglaublich produktiv, was E-Books angeht, sie betreibt auch noch mit der "fadenfabrik" einen richtig echten Laden, in dem man Stoffe, handgenähte Produkte und allerlei Drumherum kaufen kann, und zu guter Letzt hat sie gerade eben ihr bereits drittes Buch mit Nähanleitungen auf den Markt gebracht (wir stellen "Alles Jersey" heute bei den Fundstücken vor). Trotzdem hat sie uns gerne all unsere Fragen beantwortet und verrät euch heute, woher der Name ihres Labels kommt, wie es mit dem Verhältnis von Bloggern und Buchverlagen aussieht und warum es auch mal drei Jahre dauern kann, bis aus einer Idee ein Schnittmuster wird.

leni pepunkt.

Sewunity: Liebe Yvonne, herzlich Willkommen im Sewunity-Nähcafé! Schön, dass du Zeit für uns gefunden hast – Zeit ist schließlich kostbar, wenn man so aktiv ist wie du. Woran arbeitest du gerade?

Yvonne: Derzeit sind einige neue Schnittmuster in der Mache. Ich habe einige Helferlein dazu bekommen, dass wir nun hoffentlich wieder öfter neue Schnittmuster fertig bekommen. Die viiiieeelen Ideen im Kopf müssen ja schließlich abgearbeitet werden!

Dein Label Leni Pepunkt gehört sicherlich zu den bekanntesten und beliebtesten in der Nähszene. Weit über 20.000 Facebook-Fans, zahllose Leser deines Blogs, Bestnoten bei Sewunity – das kann man durchaus als Erfolgsgeschichte bezeichnen. Doch auch du hast ja irgendwann mal „klein“ angefangen. Wie bist du zum Nähen gekommen?

Wie bei so vielen von uns Näh-Suchtis hat es mit den Kids so richtig Fahrt aufgenommen … Genäht habe ich schon seit dem Teenie-Alter. Ich wollte damals schon immer ein bisschen mehr Individualität. Dabei habe ich mich auch von niemandem abbringen lassen. Komischerweise war mir klamottenmäßig damals nix peinlich smiley

Und wann entstand das erste Leni-Pepunkt-Schnittmuster? Wie bist du auf die Idee dazu gekommen?

YvonneDas erste „richtige“ Schnittmuster war die Spielhose „LÄSSIG“ – die hatte ich damals für meinen kleinen Racker ganz dringend benötigt. Da es kein Schnittmuster dazu gab, habe ich mir irgendwas aufgezeichnet, ein wenig daran herumgefeilt und hab ihm zig solcher Hosen genäht. Dann kam die erste Freundin, die auch so eine Hose wollte – und die Freundin von ihr wollte sich auch so eine nähen. Nachdem ich das „Schnittmuster“ dann knapp 10-, 15-mal im Bekanntenkreis weitergegeben hatte, dachte ich „Das wär doch vielleicht was!“ und habe es eingescannt und auf Dawanda angeboten. Damals kamen dort sage und schreibe 4 Seiten, wenn man „Nähanleitung“ oder „E-Book“ eingegeben hat …

Wie bist du auf den Namen deines Labels gekommen? Oder anders gefragt: Wer ist eigentlich Leni Pepunkt?

Ganz einfach: „Leni“ steht für meine Tochter Lena und „Pepunkt“ ist Piet, mein Sohn.smiley

Seit 2012 gibt es mit der „Fadenfabrik“ ja noch ein weiteres Leni-Pepunkt-Standbein. Wie lange hast du davon geträumt, einen ganzen Nähladen zu betreiben, bevor du diesen Schritt gewagt hast?

So richtig geplant war das (wie so oft im Leben) gar nicht … Irgendwann wurde mir die Arbeit zu Hause einfach zu viel. Man sitzt zwischen Hausarbeit, Kindern und dem normalen Wahnsinn, der zu Hause so tobt, und erledigt eher nebenbei seine Arbeit. Man wird nichts und niemanden gerecht. Irgendwann war der Wunsch da, so richtig zur Arbeit zu gehen – weg von zu Hause. Also musste ein Büro oder so her. Zwei Minuten fußläufig von unserem Haus gab es dann einen leerstehenden Laden mit unschlagbar günstigem Mietpreis. Da hab ich es einfach gemacht. Und der Laden kommt in unserem sehr kleinen Städtchen Kaltenkirchen sehr gut an smiley

Und dann sind da noch die Bücher. Dein neuester Streich „Alles Jersey – Wohlfühlkleidung nähen“ ist heute unser Fundstück der Woche, aber du hast ja bereits 2014 und dieses Jahr im Frühling Bücher mit Nähanleitungen herausgebracht. Du bist also echt ein alter Hase, was die Nähbücher angeht! Verrate unseren Lesern doch bitte mal, wie das so abläuft: Ruft da der Verlag an und schlägt eine Zusammenarbeit vor, oder ging die Idee von dir aus?

Bei den ersten beiden Büchern hat tatsächlich der Verlag alles vorgegeben und mich dann gefragt, ob ich mir das vorstellen kann. Beim 3. Buch war jetzt eigentlich ein Baby-Jersey-Buch von denen geplant. Das wollte ich aber nicht. Das bin ich einfach nicht mehr. Ich habe keine Babys mehr und hatte überhaupt keine Lust, mich jetzt an Babystrampler zu machen. Als ich dann meine Vorstellungen kundgetan hatte, hat der Verlag direkt gesagt: „Bingo – so machen wir das, Yvonne!“ Da ist man dann natürlich mit sehr viel mehr Herzblut dabei! Jetzt ist es ein richtiges „leni pepunkt.“ Buch geworden – genau das, was leni pepunkt. ausmacht: bebilderte Schritt-für-Schritt Anleitungen und die Größen bis XXXL!

Zurzeit erscheinen ja viele Bücher, die bekannte Gesichter aus der Nähszene als Autoren haben. Das war 2014, als „Kissenkult“ erschien, noch ein bisschen anders. Hast du das Gefühl, dass sich das Verhältnis von Bloggern und Verlagen in diesen beiden Jahren geändert hat?

Plott-HerzAuf jeden Fall! Die Verlage arbeiten natürlich sehr gerne mit Bloggern zusammen, die einen ansprechenden Blog haben. Wenn die Autoren auch noch tolle Fotos machen, ist das Buch ja schon fast fertig! Und die Werbung in den sozialen Medien tut dann ihr Übriges … Eine win-win-Situation also smiley

Doch zurück zu den E-Books, für die dich alle Sewunity-User kennen und lieben: Wie kommst du auf immer neue Ideen für Schnitte, die dem aktuellen Geschmack entsprechen?

Ich bin ja auch nur ein Mädchen und habe nie die richtigen Klamotten im Schrank … Dann sieht man im Katalog oder auf der Straße, in Schaufenstern – wo auch immer irgendwas und denkt sich: Boah – cool! Aber noch cooler wäre es, wenn die Ärmel enger sind, statt Shirt ein Kleid oder oder oder. Und dann machen wir uns da ran.

Doch mit der Idee allein ist es nicht getan. Wie wird aus einem Bild in deinem Kopf ein echtes Leni-Pepunkt-E-Book?

Ich bespreche das dann mit meiner Schnittdirektrice und meinen Kolleginnen. Meistens bringen sie dann auch noch Ideen mit rein und die Schnittdirektrice macht uns den Erstschnitt. Den nähen wir dann erstmal für mich. Nach dem allerersten Passformcheck und ersten Änderungen wird der Schnitt dann gradiert und wir nähen ihn erstmal nur für uns. Meistens in S, M, L und XXL. Gut, dass ich einige Mädels bei mir im Laden hab – mit ganz unterschiedlichen Konfektionsgrößen smiley Dann erst geht der Schnitt zum Probenähen. Hier kommen dann oftmals noch ganz andere Varianten dazu, die wir vorher als „is‘ nich‘“ oder „muss nich‘“ abgetan haben und wo wir uns dann doch gerne überzeugen lassen, dass es sein muss. So war es zum Beispiel bei der Kapuze am BUTTON.pulli.

Und wie lange dauert dieser Prozess für gewöhnlich?

BOYFRIEND.HoseDas ist ganz unterschiedlich … Wenn es mal „flutscht“, ist ein Schnittmuster nach vier Wochen bereit zum Probenähen. An der BOYFRIEND.hose waren wir drei Jahre dran ... Erstschnitt war total doof, da ist das Ding erstmal für Monate in der Ecke gelandet. Dann wieder rangemacht – Änderungen ohne Ende machen lassen, bis sie irgendwann so war, wie sie heute ist ...
Das Probenähen dauert im Schnitt 3 Wochen. Wenn aber mal der Wurm drin ist, auch länger. Ein Schnitt geht erst online, wenn er fertig ist, nicht weil ich vorab ein Datum bekannt gegeben habe (was ich auch niemals mache … Ich halte mich da immer etwas „bedeckt“ – weil man nie weiß, was kommt).

Worauf legst du bei deinen E-Books besonderen Wert? Was macht für dich ein gutes E-Book aus?

Der Schnitt muss professionell sein! Die Passformmarkierungen müssen zueinander passen und die Erklärung muss ausführlich sein. Nur so bekommen gerade Anfängerinnen Lust zu nähen.

Du bist ja eine sehr produktive Designerin, 94 Anleitungen aus deiner Feder finden sich derzeit in der Sewunity-Datenbank. Dazu kommen noch die Bücher, die Fadenfabrik und nicht zuletzt deine Familie – hast du eigentlich auch noch Zeit, einfach so zu nähen, für dich und deine Kinder? Hast du denn (abgesehen von deinen eigenen) auch ein Lieblingsschnittmuster?

Ehrlich gesagt, komme ich wenig dazu, für mich zu nähen … und andere Schnittmuster äußerst selten, daher kann ich hier keinen „Liebling“ nennen ...

Und wenn du mal frei hast – wenn es das überhaupt gibt smiley –, was machst du dann? Hast du Hobbys, die nichts mit dem Nähen zu tun haben?

Im Herbst/Winter lese ich gerne und viel. Außerdem häkle und stricke ich auch sehr gern. Das kann man so gut „nebenbei“ beim Fernsehen machen. Da beschwert sich dann auch niemand, dass ich „nie da bin“ … Außerdem reisen mein Mann und ich sehr gerne. Auf Reisen tauchen wir dann auch.

Wie stehst du zu dem Wandel, den die DIY-Szene in den letzten Jahren erlebt? Viele Blogger beklagen ja die gefühlt immer oberflächlicher werdende Kommunikation – ein schneller Klick bei Facebook ersetzt den Kommentar und die draus resultierende Korrespondenz. Dazu kommt eine schier überwältigende Menge an neuen Designern und Schnittmustern. Siehst du diese Entwicklung kritisch, oder siehst du es eher so, dass mit der immer weiteren Verbreitung des Hobbys auch die Möglichkeiten wachsen?

TurnbeutelManchmal fühle ich mich auch überfordert von der Masse, die in den social medias auf einen einstürmt. Ich persönlich halte relativ engen Kontakt zu meinen Probenähmädels, schaue, was die in ihren Blogs so treiben und folge einigen anderen Blogs über bloglovin‘
Ich versuche „mein Ding“ zu machen und mich nicht soviel von „links und rechts“ ablenken lassen, denn da bekomme ich regelmäßig einen „overkill“, wenn ich es doch mal tue. Und das gestehe ich auch jedem anderen zu, der sich da draußen tümmelt. Macht euer Ding! Und jedem, der sich da, trotz der Masse (und Konkurrenz da draußen) etwas aufbaut, sei es ein toller Blog, ein Geschäft mit Schnittmustern, Stoffen, Plotterdateien oder was auch immer, hat meinen vollsten Respekt. Denn das ist nicht immer leicht.

Und welchen ultimativen Tipp hast du für alle, die gerne mit dem Nähen anfangen wollen, sich aber noch nicht richtig getraut haben? Auf welches Helferlein würdest du auf keinen Fall mehr verzichten wollen?

Auf ein gutes Schnittmuster – ist doch klar!!

Deine Schnittmuster erhalten bei Sewunity viele sehr gute Bewertungen. Drehen wir den Spieß doch mal um: Wenn du Sewunity bewerten dürftest – wie viele Sterne würdest du uns geben, und warum?

Fünf Sterne. Super ist, dass die Meinungen der Nutzer im Vordergrund stehen. Diese Meinung hat ja viel mehr Wert als meine ... Ich find ja sowieso alle unsere Schnittmuster knorke!!

Auch mit dir wollen wir natürlich am Schluss unser kleines Entscheidungsspiel spielen. Wir nennen dir zwei Begriffe und du sagst, welcher besser zu dir passt!

Rollschneider oder Schere? SCHERE

E-Book oder Papierschnitt? ARGS – PAPIERSCHNITT (ich hab ja einen Großformatdrucker)

Webware oder Maschenware? MASCHENWARE

Nähkurs oder Autodidakt? AUTODIDAKT

Overlock umfädeln oder immer mit derselben Farbe nähen? UMFÄDELN

Onlineshopping oder Stoffgeschäft? STOFFGESCHÄFT

Couch oder Laufschuhe? COUCH

Kaffee oder Tee? SEKT

Liebe Yvonne, vielen Dank, dass du unsere Fragen beantwortet hast!