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Interview der Woche: Lisse von shesmile

Der Name ihres Labels zaubert einem immer ein Lächeln ins Gesicht: Lisse alias Elisabeth, besser bekannt als shesmile. Im Interview mit Sewuity verrät sie, warum Jersey und sie keine Freunde sind und wie sie auf die Idee gekommen ist, sogar eine Küchenmaschine zum Nähobjekt zu machen.

Sewunity: Liebe Lisse, wir freuen uns sehr, dich im Sewunity-Nähcafé begrüßen zu dürfen. Heute dreht sich bei uns alles rund um das Thema "Nähen für die Kinderküche". Du gehörst zu den Designern, die ihren Schwerpunkt weniger auf Kleidung als vor allem auf nette Accessoires und Spielzeuge gesetzt haben. Doch bevor wir darauf näher eingehen, erzähl uns doch erst einmal, wie du überhaupt zum Nähen gekommen bist.

Lisse: Ich war schon immer kreativ. Hab viel gemalt und gebastelt als Kind ... Genäht habe ich im Handarbeitsunterricht in der Schule zum ersten Mal. Meine Oma hat mir damals meine erste Nähmaschine geschenkt.

Wann hast du für dich die Entscheidung getroffen, dass du nicht nur selber nähen, sondern auch Anleitungen erstellen möchtest? Wie viel Zeit verging von der ersten Idee bis zur ersten fertigen Anleitung?

shesmileWährend der Schwangerschaft, aber vor allem dann nach der Geburt meiner großen Tochter Lilli hab ich die Nähmaschine wieder ausgekramt und alles Mögliche genäht, was man eben so gebraucht hat. Halstücher, kleine Täschchen und eben auch eine Kochschürze für Lilli zum Plätzchenbacken. Bei DaWanda habe ich damals die Kategorie „Anleitungen“ entdeckt und aus der Kochschürze meine erstes E-Book erstellt. Als gelernte Mediengestalterin ist mir das nicht schwergefallen. Den Schnitt zu digitalisieren und die Fotos in eine Schritt-für-Schritt-Anleitung umzuwandeln war an einem Abend fertig. Die Anleitung kam so gut an, dass ich seitdem kaum ein Nähprojekt gefertigt habe, OHNE dabei mitzufotografieren, um eine Anleitung daraus zu machen. Und nun sind es schon über 100 Produkte in meinem Shop.

Dein Name shesmile klingt sehr schön und zaubert einem gleich ein Lächeln ins Gesicht. Wie bist du darauf gekommen, dein Label so zu nennen?

shesmile - LogoDas ist ja lustig, wenn du das so empfindest. Denn genau das wollte ich mit dem Namen erreichen. Ich wollte einen eigenständigen Begriff, den es so noch nicht gibt. Der sich vom Thema her auch nicht auf eine bestimmte Sache beschränkt und fröhlich klingt. Entstanden ist der Name bereits im Mai 2007, als ich mein Grafikgewerbe angemeldet habe. Erst seit 2013 ist dann der DIY-Bereich dazu gekommen. Grammatikalisch ist es natürlich Unsinn. Aber das macht nichts, finde ich.

Im Gegensatz zu vielen anderen Designern gibt es unter deinen E-Books kaum Bekleidungs-Anleitungen, sondern viele schöne Kleinigkeiten. Wie kam es dazu, dass du gerade in diesem Bereich deinen Schwerpunkt setzt?

Der Jersey und ich, wir sind einfach keine Freunde. Im Schulunterricht damals hatten wir einen Wickelrock genäht, den ich nie getragen habe. Für meine Tochter Lilli hatte ich einmal eine Mütze genäht, die ständig ins Gesicht gerutscht ist, und die erste selbst genähte Leggins für Lilli ist nach dem ersten Krabbeln an der Naht gerissen. Ich hab das Thema irgendwann einfach aufgegeben. Es ist doch immer sehr viel Arbeit, Zeit und Geld. Vor allem, wenn man bedenkt, wie lange Kinder die Kleidung dann letztendlich tragen, bevor sie zu klein wird. Da sind mir Kuscheltiere und Taschen oder einfach nützliche Dinge wie Kultur-Taschen für den Urlaub viel lieber.

Passend zu unserem Themenspecial "Nähen für die Kinderküche" findet sich bei deinen E-Books tatsächlich eine Anleitung für eine Spielküchen-Küchenmaschine mit dem Namen "Eins Zwei Brei", die ein bisschen an eine Premium-Küchenmaschine erinnert, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Wie bist du bitte auf diese abgefahrene Idee gekommen, eine Anleitung für eine Spielzeugküchenmaschine zu schreiben?

Mein Bruder und meine Schwägerin haben mich auf die Idee gebracht. Ich war sofort total begeistert davon und habe mit der Küchenmaschine meine Schwägerin und unserem Standmixer Skizzen, Schnittmuster und Umsetzungsmöglichkeiten erstellt. Es gab so viel Genähtes für Kinderküchen, aber eben noch keine Küchenmaschine. Mit dem "Eins Zwei Brei" können die Kleinen „wie die Mama“ kochen. Aus Stoff fand ich es besonders praktisch, weil nichts kaputtgehen kann und die Mamas nach Belieben Bedienfelder und Farbkombinationen kreieren können.

Welche Anleitungen sind denn allgemein bei dir mehr gefragt? Täschchen? Kuscheltiere? Kissen?

shesmile - SchnittmusterKlar, Taschen gehen immer. Mein Geldbeutel „Frauenkram“ und die Wickel-Kulturtasche „Hanging3“, aber auch meine große Handtasche mit vielen Fächern „Big Elli“ oder das Tampon- und Slipeinlagen-Täschchen „Rosi“ sind DER Renner in meinem Shop. Besonders beliebt sind auch die Advents-Schnitte wie „Prinzessin Emilia“, der „Adventsballon“ oder der Adventskranz mit Klettkerzen „Klett mal Vier“. Bei den Kuscheltieren stehen das Schafkissen „Sepp & Sibylla“ oder der „Fußballstar“ ganz oben auf der Liste.

Wie viel Zeit vergeht bei dir von der ersten Idee bis zum fertigen E-Book? Und was macht für dich ein gutes E-Book aus?

Hätte ich einen normalen Acht-Stunden-Bürotag, wäre in zwei bis drei Tagen ein E-Book fertig und bereit fürs Probenähen. Weil ich aber zwei kleine Töchter habe und selbstständig von zu Hause arbeite, kann sich die Fertigstellung schon mal etwas ziehen.

Viele E-Book-Ersteller müssen leider heutzutage die Erfahrung machen, dass geistiges Eigentum im Netz nicht besonders geschätzt wird und Schnitte eiskalt geklaut und abgekupfert werden. Musstest auch du schon diese Erfahrung machen – und wie gehst du mit solchen Erlebnissen um?

Oh ja, leider. Der Klett-Adventskranz wurde 1:1 nachgezeichnet und mit den Worten „Ja, ich weiß, dass es das bei shesmile gibt, aber ich hab mir gedacht, das muss man doch auch so zusammenbasteln können“ als Freebook veröffentlicht. Die Dame hat das dann zum Glück schnell wieder aus dem Netz genommen, als ich ihr den Screenshot ihrer Aussage geschickt hatte. Ich selbst hätte es gar nicht bemerkt, aber eine befreundete Näherin hat mich darauf aufmerksam gemacht. Da bin ich sehr dankbar gewesen. Ich finde, sowas geht nicht. Ich mache das ja nicht zum Spaß oder als Hobby. Sondern ich muss damit meinen Lebensunterhalt bestreiten. Und genau so geht es auch vielen andern Designern. In meinem Shop gibt es sicher auch E-Books, die es schon zig-fach gibt. Einen Turnbeutel oder einen U-Heft-Umschlag zum Beispiel. Aber das sehe ich eben auch als Ergänzung des Sortiments. Und manche Kunden kaufen vielleicht auch bei mir, weil sie mit der Art, wie ich etwas beschreibe, gut zurechtkommen, und nicht, weil es einzigartig ist. Meinen Umsatz mache ich aber vor allem mit meinen ganz eigenen, besonderen Schnitten und Ideen.
Mein Freebook für das Karotten-Säckchen wurde ebenfalls nachgemacht und mit einem anderen Verschluss wieder veröffentlicht. Sogar als kostenpflichtiges E-Book. Da hab ich jetzt nichts gesagt, weil es eh ein Freebook ist. Aber man ärgert sich natürlich schon und fragt sich, ob die Mädels keine eigenen Ideen haben. Die Dame hätte sich ruhig melden können und fragen, ob das o.k. ist oder wir ein Kombi-E-Book draus machen wollen. So hab ich das zum Beispiel mit meinem Eulen-Schnitt gemacht. Khanysha von ministöffchen hat ebenfalls ein Eulenschnittmuster erstellt und nun gibt es beide im Doppelpack plus Nähanleitung von ihr in unser beider Shops. Solche Kooperationsmöglichkeiten finde ich gerade schön und sie beleben doch das Geschäft.
Eine Lenkertasche hatte ich auch schon längst auf dem Plan. Dann habe ich den Probenähaufruf von HimbeerBlau für das Lenkertäschchen „TäschchenRot“ gesehen und war sofort hin und weg. Da brauchte ich nicht auch noch einen Schnitt erstellen. Denn ihrer ist einfach perfekt. Und nun gibt es das Freebook von HimbeerBlau eben in meinem Shop und ich hab sehr gerne für sie Werbung gemacht.

Du erstellst nicht nur E-Books mit Nähanleitungen, du bist auch als Bloggerin sehr aktiv. In den Zeiten von Facebook etc. hat man heutzutage immer wieder das Gefühl, dass klassische Kreativ-Blogs langsam aussterben. Wie sind deine Erfahrungen – und wie kann man sich als Bloggerin trotzdem behaupten?

Ja stimmt, schwierige Frage. Grundsätzlich finde ich es wichtig, authentisch zu bleiben. Ich schreibe darüber was ich gut finde und was ich mit gutem Gewissen weiterempfehlen kann. Ich versuche, meine Beiträge abwechslungsreich zu halten und meine Follower mit einzubeziehen. Ob beim Probenähen oder durch Mitmach-Aktionen. Denn was wäre ich ohne meine Leser(innen)? Da bin ich sehr dankbar und versuche, viel zurück zu geben.

Von Beruf bist du gelernte Mediengestalterin. Wie hilft dir dieser Hintergrund, im weiten, großen DIY-Markt Fuß zu fassen?

Meine Ausbildung als Mediengestalterin hilft mir in vielen Dingen sehr. Ich kann alle anfallenden Aufgaben selbst erledigen. Ob das Programmieren der Website, das Erstellen der E-Books und Schnittmuster oder die Fotografie und Bildretusche meiner Titelbilder und Marketing-Aktionen. Das spart natürlich Geld. Aber zeitlich ist es manchmal ein Problem, weil das Kreativsein und „einfach mal nur Nähen“ auf der Strecke bleibt. Allein aus diesem Grund hab ich daher manche Aufgaben extern vergeben.

Bleiben wir doch noch mal bei diese Thema. Heutzutage hat man das Gefühl, jeder näht, jeder strickt, jeder häkelt …. Selbermachen ist unglaublich angesagt. Handelt es sich dabei wirklich um einen kurzzeitigen Boom – oder wird dieser Trend Bestand haben?

Elisabeth - shesmileDiese Frage stelle ich mir alle paar Monate. Aber ich bin mir sicher, dass es noch länger andauern und auch nie wirklich abreißen wird. Nach Anleitungen zu basteln und zu nähen gab es ja auch schon in meiner Kindheit und sicherlich auch schon vorher. In der heutigen Zeit ist leider alles schneller und stressiger geworden. Da ist es einfach eine wunderschöne Sache, wenn man sich in der bisschen freien Zeit hinsetzen kann, um kreativ zu sein - einfach mal abschalten und sich danach über das Endergebnis freuen. Das Erfolgserlebnis macht uns glücklich und zufrieden.

Wie oft kommst du eigentlich noch dazu, dich für dich selber an die Nähmaschine zu setzen? Hast du Lieblingsschnitte – und wenn ja, welche?

Die Zeit ist durch die Geburt meiner zweiten Tochter im März natürlich erstmal weniger geworden. Vor allem wenn man, wie oben schon gesagt, auch noch den Bürokram erledigen muss. Aber mit ein paar Mädels treff ich mich regelmäßig zum Nähtreff und dann wird genäht und getratscht und die Zeit genossen. Einen Lieblingsschnitt habe ich nicht. Ich hab einfach zu viel neue Ideen und bin eigentlich immer an einem neuen Projekt dran.

Möchtest du uns verraten, woran du aktuell arbeitest – bzw. was allgemein deine Pläne für die nächsten Monate sind? Auf was von shesmile können wir uns in Zukunft freuen?

Für dieses Jahr hab ich noch ein paar neue E-Books auf dem Plan, aber auch ein großes Set aus meinen bestehenden E-Books, welche ich gerade im einheitlichen Design neu nähe. Mal sehen, was die Zeit noch so hergibt. Langweilig wird’s auf jeden Fall nicht. Ich hab mir aber auch schon fest vorgenommen, das erste Weihnachtsfest zu viert richtig zu genießen und ein bisschen kürzer zu treten - zumindest um die Weihnachtstage herum.

Noch eine Frage in eigener Sache: Bei Sewunity bewerten die User Schnitte mit Sternen, fünf Sterne stellt die Höchstbewertung dar. Wenn wir den Spieß mal umdrehen: Wie viele Sterne würdest du Sewunity geben – und warum?

Ich geb euch 5 von 5 Sternen. Denn ich liebe eure Seite. Ich nutze sie vielleicht nicht im vollen Umfang, wie ich es am liebsten machen würde, aber ihr seid einfach die perfekte Brücke zwischen der Näherin, der E-Book-Masse die es bereits gibt, und dem Designer. Vielen Dank! Ihr macht großartige Arbeit. Weiter so!

Vielen, vielen Dank dafür! Am Ende nun noch unser beliebtes kleines Spiel für unsere Interviewpartner. Wir präsentieren dir jeweils zwei Begriffe zur Auswahl – wähle bitte den Begriff aus, der für dich persönlich passender ist:

E-Book oder Papierschnitt? E-Book natürlich!

Rollenschneider oder Schere? Ich hab beides zu Hause, verwende aber fast nur die Schere.

Webware oder Maschenware? Webware!

Nähkurs oder Autodidakt? Dann eher Autodidakt ...

Overlock umfädeln oder immer mit der gleichen Farbe nähen? Ach, wenn ich doch eine Overlock hätte ...

Onlineshopping oder Stoffgeschäft? Am liebsten Stoffgeschäft, nur leider ist das nicht immer umsetzbar. Also auch viel Onlineshopping

Couch oder Laufschuhe? Couch! Mit zwei Kleinkindern und der Selbstständigkeit stauben die Laufschuhe schon langsam ein ;-)

Kaffee oder Tee? Tee! Kamille! Mit einem Löffel Honig

Vielen Dank für das Gespräch!