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Interview der Woche: Ilona von Meine Herzenswelt

Mit einer Mütze fing seinerzeit alles an: Ilona vom Label "Meine Herzenswelt" setzt vor allem auf sehr wandelbare, detailreiche Schnitte, die trotzdem auch von Nähanfängern bewältigt werden können. Im Interview mit Sewunity verrät sie unter, warum ihre E-Books alle nordische Namen tragen - und welches tragische Schicksal ein von ihr für ihren Mann selbstgenähter Herrenhoodie hat.

Liebe Ilona, wir heißen dich im Sewunity-Nähcafé herzlich willkommen. Dein Label "Meine Herzenswelt" klingt nach Liebe – und vor allem nach Herzblut. Wie ist denn der Name entstanden?

Meine HerzensweltWie alle anderen auch habe ich mir natürlich auch einige Gedanken gemacht, was den Namen meines Labels anging. Er sollte relativ einfach sein und man sollte ihn nicht immer buchstabieren müssen. Als es um die Namensfindung ging, habe ich - wie so viele andere auch - noch genähte Sachen verkauft, um die E-Books ging es da noch gar nicht, die kamen erst später dazu. Und da ich natürlich auch bei den genähten Sachen immer schon mein ganzes Herzblut darein gelegt habe und auch diese Sachen meine persönliche Herzensangelegenheit und Herzenswelt waren, kam es dann dazu. Und eine nicht so ganz kleine Rolle dabei spielte auch, dass die Domain noch frei war.

Du bist wie so viele durch die Geburt deiner Kinder in die allumfassende Nähleidenschaft gerutscht. An der Maschine hast du selbst aber schon deutlich früher gesessen. Wie bist du denn selbst zum Nähen gekommen? Erzähl doch mal …

Zum Nähen hat mich definitiv meine Mutter gebracht. Sie hat selbst auch schon immer genäht und auch für mich und meinen Bruder ein paar Anziehsachen genäht, meistens aber eher Deko und praktische Dinge. Ich habe ihr als Kind schon oft zugeguckt und war fasziniert von diesem Hobby und sie hat mich dann auch relativ früh an ihre Nähmaschine gelassen und mir was gezeigt und mich ausprobieren lassen. Meine ersten Nähwerke waren diese gruseligen Samthaarbänder aus den 80ern oder frühen 90ern. Da habe ich unzählige von genäht. Meine erste eigene Nähmaschine hatte ich dann tatsächlich erst, als ich ausgezogen bin, da ich vorher immer auf der meiner Mutter nähen konnte.

Was war der Auslöser dafür, dass du beschlossen hast, nicht mehr nur einfach zu nähen, sondern auch Schnittmuster zu entwickeln? Wann wurde also aus deinem Hobby ein Beruf?

Ilona - Meine HerzensweltWie gesagt: Zunächst hatte ich Sachen für den Verkauf genäht. Dabei war unter anderem eine Mütze, die ich damals für meinen Sohn genäht habe - die heutige Bjerre. Diese Mütze war damals auch mit mein Bestseller. Über Dawanda und Facebook kamen dann immer mehr Anfragen rein, ob ich dafür nicht mal einen Schnitt oder E-Book erstellen wolle. Irgendwann habe ich mich dann breitschlagen lassen und den Schritt gewagt. Und da das E-Book gut ankam, hatte ich Blut geleckt und habe bis heute nicht damit aufgehört. Ich bin sehr dankbar, dass sich aus einer Leidenschaft ein Beruf entwickelt hat und dass ich diesen jetzt so ausüben kann.

In unserer heutigen Nähkästchen-Ausgabe dreht sich alles rund um das Thema Kinderhosen. Andere E-Book-Ersteller bringen E-Books für Pumphosen auf den Markt – deine Hosenschnitte wie zum Beispiel die Ballonhose Svenna sind detailverliebte Kunstwerke, bei denen jedes kleine Teil liebevoll zusammengefügt ist. Wie lange dauert die Entwicklung von solchen facettenreichen Schnitten?

Die Zeit, die ich von der Idee bis zur Veröffentlichung benötige, ist von E-Book zu E-Book unterschiedlich. Svenna war noch eines meiner ersten E-Books, wo ich gar nicht mehr genau sagen kann, wie lange es damals gedauert hat. Sicherlich länger als heute, da ich damals noch nicht die Erfahrung hatte und noch selbst gradiert habe. Manche Ideen reifen schon seit über einem Jahr und werden zum Teil auch wieder verworfen. Aber von der ersten Zeichnung über Schnittentwicklung, Testphase, Probenähen bis zum Verkauf dauert es in der Regel schon so drei bis vier Monate.

Was ist dir bei der Entwicklung von E-Books noch ganz besonders wichtig, worauf legst du großen Wert?

Wichtig ist mir bei E-Books so einiges. Ich lege großen Wert auf eine gute Passform des Schnittes. Ich arbeite nun schon seit knapp zwei Jahren mit einer Directrice zusammen, die die Schnitte für mich professionell erstellt und gradiert. Sie ist mir auch eine große Hilfe, wenn es beim Probenähen mal nicht so passt, und hat ein Auge dafür, wo noch was geändert werden muss. Ich arbeite auch mit verhältnismäßig sehr vielen Probenäherinnen zusammen, was immer einiges an Organisationstalent erfordert. Mir ist es aber auch wichtig, dass die letzten Änderungen am Schnitt noch getestet werden und wir eine möglichst große Bandbreite von verschiedenen Größen und Körpern haben. Obwohl man auch nicht immer garantieren kann, dass jeder Schnitt an jedem Körper gut sitzt, gerade im Damenbereich sind die Proportionen dann doch sehr unterschiedlich. Ansonsten finde ich es auch wichtig, dass auch vermeintlich Anfänger oder nicht so erfahrene Näherinnen eine Chance haben, den Schnitt zu nähen. Ich versuche immer eine möglichst ausführliche und gut bebilderte Nähanleitung zu erstellen. Auch die Optik und eine Struktur bzw. ein roter Faden ist mir in der Anleitung wichtig. Manchmal ist die Sache mit dem roten Faden nicht ganz so einfach, weil meine Schnitte ja meistens doch recht variantenreich sind und man schauen muss, dass man alles erklärt. Und zu guter Letzt finde ich auch wichtig, dass eine Anleitung in Sachen Grammatik und Rechtschreibung nicht negativ auffällt.

Zu deinem Angebot gehören nicht nur E-Books für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Welche Art von Schnitten macht dir mehr Spaß – und welche sind schwieriger in der Umsetzung?

Welche Schnitte mir in der Entwicklung mehr Spaß machen, ist schwer zu sagen. Kinderschnitte sind meistens etwas einfacher, da die Körper noch nicht so unterschiedlich sind und man nicht noch Brustabnäher oder ähnliches einbauen muss. Auf der anderen Seite macht es dann Spaß zu sehen, wenn bei Erwachsenen-Schnitten im Probenähen auf einmal Frauen dabei sind, die sonst eigentlich gar nicht für sich nähen und dann nicht mehr aufhören können, einen Schnitt zu nähen. Das war zum Beispiel bei "Meine Helvi" der Fall. Oder aber auch wenn die Männer, die sonst ja oft skeptisch gegenüber selbstgenähten Klamotten sind, sich tierisch über den selbstgenähten Pulli - in diesem Fall "Sein Vanco" - ihrer Frau freuen und den dann gar nicht mehr ausziehen wollen. Die Frage kann ich nicht so ganz beantworten. Spaß macht alles.

Was an deinen E-Books immer auffällt: Sie sind ausgesprochen wandelbar. Nehmen wir zum Beispiel einen deiner gerade erwähnten neuesten Schnitte, das Kleid "Helvi", das es sowohl für Kinder als auch für Damen gibt: Es stehen sehr viele Varianten zur Verfügung. Wie wichtig ist es dir, Schnitte mit Vielseitigkeit anzubieten?

Ilona - Meine HerzensweltIch finde es schon wichtig, zu zeigen, was man aus einem Schnitt mit kleinen Änderungen alles rausholen kann. Geübte Näherinnen können das selbst mit Schnitten, aber es gibt auch viele, die brauchen halt den Anstoß dazu oder die Anregung. Manche trauen sich das vielleicht auch alleine nicht. Ich möchte damit eigentlich auch anregen, etwas mutiger zu sein und selbst mal etwas auszutesten. Ich verstehe es aber auch als Service gegenüber meinen Kunden und möchte meine Schnitte damit von anderen abheben. Ich weiß aber auch, dass ich da bei weitem nicht die Einzige bin. Viele Kolleginnen bieten variantenreiche Schnitte an.

Deine E-Books haben allesamt nordische Namen. Warum eigentlich – und wer denkt sich die Namen aus?

Wir wohnen hier ja nur 50 Kilometer von der dänischen Grenze weg. Ich mache seit meiner frühen Kindheit Urlaub in Dänemark und ich denke, somit erklärt sich die Liebe zu Skandinavien und auch den skandinavischen Namen von alleine. Auch bei den Namen wollte ich einen roten Faden haben, deswegen die skandinavischen Namen. Auf der Top-Ten-Liste der Namen für unsere Kinder standen auch fast nur skandinavische Namen und den einen oder anderen findet man jetzt in den E-Books wieder.

Mal angenommen, Zeit und Geld spielen keine Rolle. Hast du irgendein Näh-Traumprojekt, was du gerne mal realisieren möchtest?

Ich habe jetzt eigentlich zwei Jahre davon geträumt, ein Spielhaus für meine Tochter zu nähen. So langsam lege ich das Projekt jetzt aber tatsächlich zur Seite, da die Zeit einfach gefehlt hat und mittlerweile hätte das Haus in ihrem Zimmer auch gar kein Platz mehr - dort steht jetzt ein Hochbett. Ich bin ja der "Ganz-oder-gar-nicht-Typ", also wenn ich das Projekt gestartet hätte, dann so richtig, mit Blumenkästen, vielen verschiedenen Stoffen, Fensterläden, Briefkasten, Dachziegel und und und. Ich hatte schon viele Ideen im Kopf und auch Stoffe und Equipment hier liegen. Aber hier wird es wohl leider in gar nicht enden.

Und ganz konkret in die Zukunft geschaut … woran arbeitest du aktuell, was wird es als nächstes von dir geben? Möchtest du schon etwas verraten?

Den aktuellen Schnitt könnt ihr schon auf meiner Seite sehen, er ist gerade frisch erschienen: "Deine Yelva", ein 3-in-1-Kleid für Mädchen. Ja und dann laufen im Hintergrund schon die Vorbereitungen für die nächsten Schnitte. Wenn alles so läuft, wie ich es mir vorstelle, wird es noch einen Hoodie für Herren und Kinder geben, und dann arbeite ich noch an einem etwas anderen Jogger. Dazu will ich aber noch nicht zu viel verraten, weil ich noch nicht weiß, ob alles klappt.

Du bist nicht nur erfolgreiche Schnitt- und E-Book-Entwicklerin, sondern auch Mutter von zwei Kindern. Wie schaffst du es, deinen Beruf und die Familie unter einen Hut zu bringen?

Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen ist manchmal nicht so ganz einfach, vor allem, wenn man so viele Pläne und Ideen hat und auch gerne seinen Papierkram erledigt hat. Aber die Familie geht ganz klar vor. Ich arbeite in der Zeit, wenn die Kids im Kindergarten und in der Schule sind und wenn sich so noch mal ein Zeitfenster ergibt, da bin ich ja zum Glück flexibel. Und wenn die Kinder abends im Bett sind, kommt dann meistens auch noch mal eine Facebook-Runde, um Sachen in den Probenähgruppen zu klären, Fragen zu beantworten und so weiter. Klar gibt es auch mal Ausnahmen, aber wenn die Kinder zu Hause sind, gehen die Kinder vor. Schwer ist es immer, wenn dann ein oder gar beide Kinder krank sind, aber das kennen wohl alle berufstätigen Mütter. Das war zu den beiden letzten E-Book-Veröffentlichungen tatsächlich der Fall, aber irgendwie haben wir dann auch das gewuppt.

Kommen wir aber nun nochmal auf das Thema unserer aktuellen Ausgabe zurück – die Kinderhosen. Mal ganz allgemein gefragt: Was macht für dich eine perfekte Kinderhose aus? Wie muss sie sein, was muss sie alles haben?

Aus Kindersicht muss eine perfekte Kinderhose vor allem gut sitzen, bequem sein und Taschen dürfen natürlich nicht fehlen. Und für die Mamas darf sie dann auch noch das eine oder andere kleine Feature haben, um sich beim Nähen austoben zu können.

Woher kommt deiner Meinung nach eigentlich der Trend, dass aktuell immer mehr Menschen ihre Liebe zur Handarbeit wiederentdecken und selbst nähen, stricken, häkeln oder was auch immer? Glaubst du, dies wird auch auf Dauer Bestand haben?

In der derzeitigen Welt muss alles immer höher, schneller, weiter sein. In dieser digitalen Welt wird vieles von Maschinen übernommen und da ist es für viele wahrscheinlich ein toller Ausgleich, mal etwas mit seinen Händen zu machen. Also wortwörtlich Handarbeit - back to the roots - sozusagen. Und das Nähen ist auch eine Zeit, in der man mal abschalten kann. Es ist ja schon ein tolles Erlebnis, wenn man ein fertiges Kleidungsstück in den Händen hält, worauf man wirklich stolz sein kann. Und wenn man dann noch etwas Anerkennung von den Kindern, vom Partner bekommt oder auch von fremden Leuten, die einen darauf ansprechen, ist das natürlich tolles Gefühl. Ob das auf Dauer Bestand hat, weiß ich nicht. Aber es hält ja nun schon eine ganze Weile an.

Was war dein ganz persönliches allerschönstes Näherlebnis? Gibt es eventuell ein Projekt, das du vollendet hast und von dem du sagst: "Wow, das war jetzt wirklich rundum perfekt"?

Mein schönstes Näherlebnis? Da muss ich schon etwas überlegen. Ich nähe ja nicht so oft etwas für meinen Mann. Er trägt am liebsten auch nur Markenklamotten, mit Aufdrucken, und da habe ich mich wirklich schwer getan, etwas für ihn zu nähen. Weil der Anspruch gefühlt ewig hoch war. Mit der Stoffwahl für seinen Vanco (Hoodie) habe ich dann ewig verbracht, um dann doch wieder auf einen dunkelblauen Sweat zurückzugreifen. Diesen allerdings mit einigen maritimen Aufnähern und sonstigen Details gepimpt. Das WAR dann tatsächlich sein Lieblingspullover. Da war ich dann doch etwas perplex, aber auch sehr stolz, weil ich da nicht mit gerechnet hatte. Ich dachte, wenn er ihn ab und zu trägt, wäre das schon ein Erfolg. Ihr fragt euch jetzt vielleicht, warum "war"?! Der Hoodie musste zum Männerwochenende mit und wurde dort dann in einer Bar liegen gelassen. Es hat etwas gedauert, bis er mir das gebeichtet hat, und wünscht sich jetzt genau den gleichen noch mal. Was natürlich nicht so einfach ist - und etwas zappeln lassen muss ich ihn auch noch.
Es gibt eigentlich kein Projekt, mit dem ich zu 100 Prozent zufrieden bin, weil ich in solchen Sachen Perfektionistin bin und dann auch jede schiefe Naht sehe. Also wirklich perfekt würde ich nichts von mir bezeichnen, manchmal bin ich dazu auch zu ungeduldig.

Unsere obligatorische Frage in eigener Sache … Auf Sewunity.de bewerten die User Schnitte mit Sternen, fünf Sterne sind die Höchstwertung. Wie viele Sterne würdest du Sewunity geben – und warum?

Von mir gibt´s natürlich fünf Sterne. Ich finde die Idee, die hinter Sewunity steckt, einfach gut. So können sich Nähbegeisterte einen Überblick und auch eine Meinung über Schnittmuster und E-Books einholen. Denn man sieht ja vorher nie so richtig, was dahinter steckt, vor allem wenn man bei einem Designer kauft, wo man vorher noch nichts gekauft hat. Da finde ich Kritik, ob positiv oder negativ, über Passform und die Anleitung selbst schon angebracht.

Zum Schluss noch ein kleines Spiel, zu dem wir all unsere Interviewpartner einladen. Wir geben dir jeweils zwei Begriffe zur Auswahl – bitte such dir den aus, der am besten zu dir passt:

Rollschneider oder Schere? Schere - ganz old school

E-Book oder Papierschnitt? E-Book - aber mit A0-Plot. Kleben gehört nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen

Webware oder Maschenware? ganz knapp Maschenware

Nähkurs oder Autodidakt? Autodidakt

Overlock umfädeln oder immer mit der gleichen Farbe nähen? Definitiv umfädeln! Ich bin Farbfetischist

Onlineshopping oder Stoffgeschäft? Onlineshopping

Couch oder Laufschuhe? Erst die Laufschuhe, dann die Couch

Kaffee oder Tee? Tee

Vielen lieben Dank für das Interview!