Sewunity - Deine Suchmaschine für Schnittmuster

Interview der Woche: Anja von schnittreif

Fritzi & SchnittreifEines der wohl bekanntesten Labels der Nähszene ist ohne Frage schnittreif. Eine Designerin der "ersten Stunde", war Anja, der kreative Kopf hinter dem Label, von Anfang an bei Farbenmix mit Papierschnittmustern vertreten, und auch ihre E-Books sind allseits beliebt. Heute besucht sie uns im Nähcafé und erzählt, wie sie angefangen hat zu nähen, was ihr beim Erstellen eines E-Books wichtig ist und was ihre Eltern zu ihrer Berufswahl gesagt haben.

Anja

Sewunity: Liebe Anja, herzlich Willkommen im Sewunity-Nähcafé! Schön, dass du Zeit für uns gefunden hast – Zeit ist schließlich kostbar, wenn man so aktiv ist wie du. Woran arbeitest du gerade?

Anja: Wir arbeiten gerade an zwei neuen Modellen, die noch vor Weihnachten online gehen sollen und einer kleinen Überraschung, die wir in den nächsten Tagen für alle unsere Kunden anbieten möchten. Es ist sehr spannend, wenn man in der Endphase eines neuen Produktes steckt und es dauert dann doch immer eine ganze Weile, bis endlich alles wirklich fertig für die Veröffentlichung ist.

Bist du jemand, der sich mit Tee und Plätzchen in seine Arbeitshöhle zurückzieht, um kreativ zu werden, oder brauchst du einen coolen Arbeitsplatz mit Business-Flair, um für dein Label zu arbeiten?

Ich brauche Ruhe, um kreativ zu sein, aber ein Höhlenmensch bin ich deshalb nicht. Ich teile mir mit Brid von fritzi (darum auch fritzi-schnittreif) das Büro. Wir entwickeln unsere Modelle gemeinsam und teilen uns die Arbeit. So kann jeder das machen, was ihm liegt, was er gut kann. Eine schöne Umgebung ist uns wichtig, in der wir uns wohl fühlen können, Tee und Plätzchen dürfen gerne dabei sein.

Schnittreif ist ja ein wirklich etabliertes Label – bereits seit 2005 kann man unter diesem Namen Schnittmuster kaufen. Das heißt, du hast damit angefangen, bevor das Nähen „in“ war. Wie kam es bei dir zur Leidenschaft Nähen?

Meine Großmutter hat wunderschöne Handarbeiten gefertigt und meine Mutter hat schon meine Kinderkleidung selber genäht, so bin ich mit dem Kreativsein aufgewachsen. Weil ich in den Geschäften oft nichts gefunden habe, was mir gefiel, habe ich bereits als Jugendliche damit begonnen, meine Kleidung selber zu nähen.

Erinnerst du dich noch an dein „erstes Mal“ an der Nähmaschine? Was hast du damals genäht?

Ich glaube, es war ein Rock, ich musste ziemlich tüfteln, bis ich den ersten Reißverschluss drin hattesmiley

Design

Du bist ja auch wirklich vom Fach – du hast ein Diplom in Bekleidungstechnik und Schnittgestaltung. War es von Anfang an dein Ziel, mit einem eigenen Label E-Books zum Selbermachen herauszugeben, oder mit welchen Ambitionen bist du ins Studium gegangen?

Ich hatte nicht wirklich einen festen Plan, als ich mit dem Studium begann. Wichtig war mir nur, in einem Bereich zu arbeiten, der mir wirklich Spaß macht. Ich dachte, ich gehe den „normalen“ Weg und arbeite als Ingenieur für ein bekanntes Modelabel, was ich ein paar Jahre auch gemacht habe. Die DIY-Szene war damals lange nicht so groß wie heute. Ich hätte mir anfangs nicht vorstellen können, mich selbständig zu machen und davon leben zu können, umso mehr freue ich mich jetzt darüber. Als es mich dann nach Bremen verschlagen hat, hat sich das „Selbständig machen“ dann fast von alleine ergeben und ich bin sehr froh darüber. Es ist ein großes Glück, einen Beruf zu haben, der einem solche Freude bereitet.

Was haben denn deine Eltern damals zu deinem Berufswunsch gesagt? Wurde dir die Leidenschaft für Mode schon in die Wiege gelegt, oder musstest du Überzeugungsarbeit leisten?

Meine Eltern waren sehr überrascht, dass ich mich generell für ein Studium entschieden habe, aber Überzeugungsarbeit musste ich keine leisten.

Dass deine Schnitte rundum professionell sind, steht außer Frage. Aber erzähl doch mal ein bisschen – wie läuft das so ab, wenn eine Idee „schnittreif“ wird? Und worauf legst du bei der Ausarbeitung der E-Books besonderen Wert?

Am Anfang steht eine Idee, Skizzen werden gezeichnet, ein Erstschnittwird erstellt, er wird zur Probe genäht, geändert, angepasst, weiterentwickelt... so lange, bis wir zufrieden sind.
Dann gradieren wir den Erstschnitt in die Größen, die wir fürs Probenähen brauchen, und lassen das Modell von einem Team aus Probenäherinnen testen, um ihn noch zu optimieren. Wenn wir denken, alles ist ok, wird der komplette Größensatz erstellt und der eigentliche Schnittmusterbogen gezeichnet.
Der nächste Schritt ist das Entwickeln der Nähanleitung, die alle notwendigen Infos wie Maßtabellen, Warenverbräuche sowie die einzelnen Nähschritte mit Fotos dokumentiert und zusätzlich noch viele nützliche Tipps enthält.
Wichtig ist uns zum Einen, dass der Kunde möglichst jeden einzelnen Nähschritt anhand der Fotos nachvollziehen kann, darum steckt Brid (sie macht die komplette Nähanleitung) viel Arbeit und Zeit ins Layout. Zum Anderen ist es uns wichtig, dass die Modelle von der Passform her so ausfallen, dass möglichst viele Kunden damit glücklich werden können, darum arbeiten wir so lange an den Schnitten, bis wir zufrieden sind.
Wir möchten moderne Schnitte anbieten, die unaufgeregt sind, aber doch das gewisse Etwas haben.

Wie kommst du auf immer neue Ideen für Schnitte, die dem aktuellen Geschmack entsprechen?

Ideen kommen manchmal von ganz alleine und manchmal auch, wenn wir uns gezielt hinsetzen, um zu überlegen, was in unserem Sortiment noch fehlt, wie wir unsere Angebot noch spannender gestalten könnten. Am Ende ist ein neues Modell immer eine Kombi aus vielen Details, Momentaufnahmen, Bildern und manchmal auch Kundenwünschen, die wir zu etwas Neuem kombinieren.

Ein besonderes Angebot deines Labels ist es ja, im Auftrag Schnitte zu entwickeln. Also ein Schnittmuster, das ganz genau den Vorstellungen des Kunden entspricht. Waren da auch schon ganz ungewöhnliche Dinge dabei? Was war das aufwändigste Schnittmuster, das du je gemacht hast?

Mittlerweile nehmen die eigenen Modelle so viel Zeit in Anspruch, dass ich gar keine Zeit mehr für Aufträge habe und auch keine mehr annehmen kann.

Frau Fannie

Ich weiß ja, man hat keine Lieblingskinder – aber hast du ein Lieblings-Projekt? Welcher Schnittreif-Schnitt liegt dir besonders am Herzen, und warum?

Das stimmt, man hat eigentlich keine Lieblingskinder. Aber ich mag generell gerne Kleider und besonders FrauFannie, FrauVilma und FrauSofie haben es mir angetan.

Nähst du eigentlich auch noch zu deinem Privatvergnügen? Zeit ist ja Mangelware ... Hast du denn (abgesehen von deinen eigenen) auch ein Lieblingsschnittmuster?

Ich nähe nur noch sehr selten für mich privat. Wer sein Hobby zum Beruf macht ... Zum Glück landen viele Probemodelle und Designbeispiele, die wir für die Deckblätter nähen, in unseren Schränken.

Und wenn du mal frei hast – wenn es das überhaupt gibt smiley –, was machst du dann? Hast du Hobbys, die nichts mit dem Nähen zu tun haben?

Wenn ich frei habe und nicht am Schreibtisch sitze, bin ich bei meiner Familie oder draußen beim Pferd und lasse mir den Wind um die Nase wehen. Ich brauche die Bewegung als Ausgleich für die vielen Stunden am Schreibtisch und kann dann für eine Weile alles hinter mir lassen, den Kopf frei bekommen. Das ist für mich wichtig, um weiterhin kreativ sein zu können.

Als „alter Hase“ im Schnittmuster-Business hast du ja schon viel gesehen. Wie stehst du zu dem aktuellen Boom der Branche? Hast du das kommen sehen? Und was denkst du, wie lange hält das an?

Ich hätte das nie gedacht und umso mehr freue ich mich darüber!

Und welchen ultimativen Tipp hast du für alle, die gerne mit dem Nähen anfangen wollen, sich aber noch nicht richtig getraut haben? Auf welches Helferlein würdest du auf keinen Fall mehr verzichten wollen?

Für Nähanfänger finde ich wichtig, als erstes Projekt einen Schnitt mit einer guten Fotonähanleitung zu wählen. Man sollte mit einem wirklich leichten Schnitt anfangen, um möglichst schnell ein Erfolgserlebnis zu haben. Viel Spaß macht es auch, mit einer Freundin gemeinsam zu nähen oder einen der tollen Wochenend-Nähtreffs zu besuchen, die gerade überall angeboten werden.

Deine Schnittmuster erhalten bei Sewunity viele sehr gute Bewertungen. Drehen wir den Spieß doch mal um: Wenn du Sewunity bewerten dürftest – wie viele Sterne würdest du uns geben, und warum?

Das Schöne an Sewunity ist für uns als Schnittmusteranbieter die direkte Rückmeldung des Kunden, das ist wirklich sehr hilfreich. Als Kunde finde ich den wirklich riesigen Pool an Schnittmustern, die ihr gelistet habt, toll. So kann ich mich vor einem Kauf informieren, wie zufrieden andere mit dem Produkt sind. Volle Punktzahl.

Auch mit dir wollen wir natürlich am Schluss unser kleines Entscheidungsspiel spielen. Wir nennen dir zwei Begriffe und du sagst, welcher besser zu dir passt!

Rollschneider oder Schere?- Schere

E-Book oder Papierschnitt? - Papierschnitt

Webware oder Maschenware? - Webware

Nähkurs oder Autodidakt? - Beides: Nähkurs, weil Nähen in Gesellschaft Spaß macht und Autodidakt, weil man manchmal in Ruhe tüfteln muss

Overlock umfädeln oder immer mit derselben Farbe nähen?- umfädeln

Onlineshopping oder Stoffgeschäft?- Stoffgeschäft, ich muss die Stoffe in den Händen halten

Couch oder Laufschuhe? - Beides hat seinen Reiz

Kaffee oder Tee? - Tee

Liebe Anja, vielen Dank, dass du unsere Fragen beantwortet hast!