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Interview der Woche: Carmen von Nähcram

Zum Nähen kam sie eigentlich, weil sie ihrem neugeborenen Neffen keine Kleidung von der Stange schenken wollte. Heute erstellt Carmen vom Label Nähcram eigenen Schnitte für Groß und Klein und hofft, sich mit ihren Ideen immer wieder neu abzuheben. Im Interview mit Sewunity erzählt sie uns, wie wichtig ein gutes Probenähteam ist und wie sie die Entscheidung trifft, welcher Schnitt ein verkauftes E-Book oder ein Freebook sein darf.

Sewunity: Liebe Carmen, schön, dass du uns im Sewunity-Nähcafé besuchst! Reden wir doch gleich mal zu Anfang über Nähkram … nein, Nähcram. Woher kommt denn der Name Nähcram? Erzähl doch mal.

Carmen von NähCramCarmen: Als ich mit dem Nähen angefangen habe, wollte ich meine genähten Werke auch auf meiner Seite zeigen. Da musste natürlich ein Name her. Mir war es wichtig, dass es nicht nur irgendein Name ist, sondern, dass er auch etwas mit mir und meinem Hobby zu tun hat. Ich wollte nicht einfach einen x-beliebigen Namen oder einen, der quasi an jeder Ecke zu finden ist. Also etwas, was zu meinem Hobby passt ...was war recht schnell klar und logisch, Nähen. Also sollte in meinem Namen Nähen vorkommen. Und dann kam mir recht schnell die Idee, dass ich mich NähCram nennen werde. Cram kommt daher, dass mein Spitzname Craminski ist. Mir hat die Kombination aus beidem ganz gut gefallen und so entstand mein Name.

Du nähst erst seit einigen Jahren. Wie ist es denn dazu gekommen, dass du dieses wunderschöne Hobby für dich entdeckt hast?

Logo - NähcramIch hatte mit Nähen noch nie etwas am Hut. In der Realschule haben wir zwar mal genäht, aber ein Fan war ich nicht davon. Im Juli 2015 war meine Schwester zu Besuch und sie erzählte mir, dass wir in Zukunft auf ihr Auto verzichten müssen, da ich Patentante werde. Ich habe mich wahnsinnig gefreut, da es das erste Kind in der Familie ist. Da ich dem kleinen Leon nicht einfach etwas von der Stange schenken wollte, nicht etwas, was jeder hat, habe ich mir eine gebrauchte Nähmaschine besorgt, war das erste mal auf dem Stoffmarkt und habe dann im September 2015 das erste Mal genäht. Und ich bin dem Nähen restlos verfallen.

Nähen tun ja mittlerweile sehr, sehr viele – du hast aber irgendwann auch damit begonnen, eigene Schnittmuster zu erstellen. Wie ging das, hast du einfach mal rumprobiert und geschaut, was rauskommt – oder ganz anders?

Carmen - NähcramIch hatte für Leon einen Overall gesucht, aber so ganz das richtige war einfach nicht dabei. Ich war mit den Schnittmustern, die es gab, nicht ganz zufrieden. Also habe ich mich hingesetzt und anhand von einem Shirt und einer Pumphose einen Overall erstellt. Ich habe lange hin und her probiert, viele Probeteile genäht, oft aufgetrennt und neu gezeichnet, irgendwann war er dann genau nach meinem Geschmack. Mir hat das ganze so viel Spaß gemacht, dass ich den Overall dann auf verschiedene Größen gradiert habe, was mir am Anfang wirklich sehr sehr viele Schwierigkeiten bereitet hat, und zum ersten Mal zum Probenähen aufgerufen habe. Mein Stammteam besteht aus sehr vielen tollen Mädels, die mit mir den Overall LEON getestet haben. Sie sind mir eine riesige Unterstützung!

Wie kam es denn dann zur der Entscheidung, ins Business einzusteigen und deine Schnitte auch zu verkaufen?

Nach meinem ersten Schnitt, dem Overall sleepy LEON (Indoorvariante) und Overall active LEON (Outdoorvariante), habe ich noch ein paar Freebooks erstellt, mit meinem Stammteam getestet, umgebastelt, wieder getestet bis alles so war, wie wir es wollten. Der Spaß am Schnittmuster erstellen wurde immer mehr und ich habe viele positive Rückmeldungen erhalten. Mein Stammteam hat mir den Rücken gestärkt, natürlich bis heute. Und so kamen zu meinen Freebooks auch E-Books hinzu. Ich habe mich zuvor schlau gemacht, habe mich durch verschiedene Foren gelesen, habe mich mit einer Dame vom Finanzamt getroffen, die mir viele Fragen beantworten konnte und ging dann ins Rathaus, um mein Gewerbe anzumelden.

Viele Quereinsteiger setzen ja in der Nähszene vor allem auf Kinderschitte. Du hast auch Erwachsenenschnitte im Angebot, die ja in punkto Passform meistens deutlich komplexer sind. Was macht dir mehr Spaß: Die Schnitte für Kinder oder für Erwachsene?

Carmen - NähcramDas ist schwer zu sagen. Kinderschnitte können genauso komplex sein. Mir macht beides sehr viel Spaß. Kinderschnitte machen mir Spaß, da ich damit meinen Neffen benähen kann. Er freut sich jedes mal, wenn er etwas Neues von mir bekommt. Meine Schwester sagt immer wieder, dass Leon vor seinem Schrank steht und sich meistens die Sachen aussucht, die ich genäht habe. Es ist toll, meine Schnitte an ihm zu sehen. Schnitte für Erwachsene machen mir Spaß, da ich dort an mir selbst ausprobieren kann. Ich kann die Passform direkt an meinem eigenen Körper testen, ich kann schauen wie es fällt und ich fühle mich darin super wohl. Es ist toll, wenn man von anderen hört, dass die eigenen Schnitte gefallen. Kinderschnitte gibt es einfach wie Sand am Meer, Schnitte für Erwachsene gibt es zwar auch sehr viele, jedoch ist da der Markt noch nicht ganz so überfüllt. Schlussendlich macht mir beides sehr viel Spaß und ich habe auch noch einiges hier liegen, was 2018 dann kommen wird. Man muss sich mit seinen Schnitten einfach ein bisschen von anderen abheben.

Wie viel Zeit vergeht denn von der ersten Idee bis zum fertigen Schnitt?

Die Ideen kommen oft von meinen Freundinnen aus meinem Stammteam. Wir albern immer mal wieder rum und dann kommt schon mal die ein oder andere Idee zustande, die ich dann auch gerne umsetze. Wie viel Zeit von der ersten Idee bis zum fertigen Schnitt vergeht, ist schwierig zu beantworten. Es kommt immer drauf an, was es ist. Kinderschnitte sind in der Regel schneller fertig und können verkauft werden. Hier würde ich sagen vier bis fünf Wochen. Schnitte für Erwachsene brauchen ein wenig länger. Hier würde ich sagen, fünf bis sechs Wochen. Je nachdem wie viel ich noch an meinen Grundschnitten ändern muss, wie lange die Probenähzeit geht und zu welcher Zeit das ganze stattfindet.

Neben deinen Kauf-E-Books gibt es von dir ja eben auch eine größere Anzahl an Freebies. Wie fällst du die Entscheidung, welche Schnitte du verkaufst und welche du kostenlos anbietest?

Schnitte die komplexer sind, für die ich mehr Zeit brauche und die es nicht an jeder Ecke zum kostenlosen Download gibt, biete ich als Kauf-E-Books an. Pumphosen gibt es beispielsweise wie Sand am Meer. Hier würde es wahrscheinlich nicht viel Sinn machen, diese als Kauf-E-Book anzubieten.

Du hast gerade gesagt, dass man sich mit seinen Schnitten von anderen abheben muss. Mal ganz allgemein gefragt: Was macht für dich persönlich ein gutes E-Book aus – und wie hebst du deine E-Books also ganz konkret von der Masse ab?

Carmen - NähcramEin gutes E-Book ist für mich eine gute ausführliche Anleitung mit aussagekräftigen Bildern. Das Deckblatt sollte nicht zu überfüllt sein, eine Inhaltsangabe finde ich sehr wichtig. Außerdem finde ich die Angaben zum Stoffverbrauch und eine Maßtabelle sehr sinnvoll. Nur so kann man die Größe, die man selbst braucht, richtig herausfinden und somit ein Teil nähen, was einem danach auch passt. Ich denke, dass alle in der Nähwelt wissen, dass eine Größe 38 nicht immer eine Größe 38 ist, da jeder Ersteller mit anderen Tabellen arbeitet. Außerdem finde ich es sehr wichtig, dass es für den Kunden einfach ist, die verschiedenen Blätter des Schnittmusters zu kleben. Eine klare Linie und Zeichen, damit man weiß, welche beiden Blätter aneinander geklebt werden müssen, sind sehr wertvoll. Wie ich meine E-Books von der Masse abhebe? Ich denke, das macht nicht das E-Book sondern hauptsächlich der Schnitt. Ich habe für mich eine Linie gefunden, die mir sehr gut gefällt und die ich auch immer wieder durchsetze. Nicht bei jedem Schnitt, aber bei vielen.

Wie ist es eigentlich, wenn du E-Books entwickelst oder einfach nur für dich selbst nähst. Ist dir dabei schon mal eine richtig große Panne passiert – und wenn ja, was war das?

Carmen - NähcramMir passieren ständig Pannen beim Nähen. Ich bin ein Meister im Umgang mit dem Nahttrenner. Vor kurzem habe ich ein Shirt für mich genäht, Ärmel angenäht, Seitennähte geschlossen. Danach wollte ich das Bündchen am Hals anbringen und mir ist aufgefallen, dass ich einen Ärmel in das Halsloch genäht habe und nicht in das Armloch. Ich habe es beim Zunähen einer Wendeöffnung von Hand auch schon geschafft, meinen Finger einzunähen. Immer wieder etwas Neues.

Was würdest du eigentlich generell empfehlen – ist es ok, sich das Nähen selbst beizubringen oder ist ein Nähkurs ein absolutes Muss?

Das ist wohl von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Einige lernen sehr gut allein oder mit Hilfe von diversen Videos. Anderen liegt dies jedoch gar nicht und sie lernen lieber in einem Kurs. Ich würde sagen, dass es da keine generelle Empfehlung gibt. Ich persönlich habe nie einen Kurs besucht. Ich habe mir alles selbst über das Internet und durch Learning by Doing angeeignet. Ein Nähkurs wäre für mich wohl eher nichts gewesen.

Hast du eigentlich Lieblingsschnitte – von deinen eigenen mal ganz abgesehen?

Ja, ich habe einen absoluten Lieblingsschnitt. Die Rocking Roses von Adejocas (Anm. d. Red: Das Schnittmuster ist derzeit nur auf Anfrage bei der Erstellerin erhältlich). Ein megatolles Shirt, das zu jeder Jahreszeit genäht werden kann. Ich habe vor kurzem gezählt und ich habe tatsächlich schon 26 Rocking Roses im Schrank. Man kann das Shirt mit verschiednen Ärmellängen nähen, als Top, aus Jersey, aus Sweat, all Longshirt, mit eckigem tiefen Ausschnitt oder mit rundem hohen Ausschnitt.

Mal angenommen, Zeit und Geld spielen keine Rolle …. gibt es ein kreatives Projekt, das du gerne mal umsetzen würdest? Muss nicht nur auf die Nähmaschine bezogen sein …

Hm, so spontan fällt mir da gar nichts ein ...

Der Nähboom hält ja jetzt schon einige Jahre an. Wie schätzt du die aktuelle Lage ein – wird das auch 2018 so bleiben oder kommt irgendwann der große Einbruch?

Ich denke, dass der große Einbruch irgendwann kommen wird. Jedoch glaube ich nicht, dass dies schon 2018 sein wird. Der Nähboom hat ja erst richtig angefangen. Ich denke, dass das ganze noch eine Weile anhalten wird. Was ich natürlich auch hoffe.

Was war dein schönstes Näherlebnis im vergangenen Jahr – und auf was können wir uns als nächstes von dir freuen?

Ein direktes Näherlebnis ist es nicht. Jedoch habe ich aus meinem Stammteam schon ein paar Mädels persönlich und im richtigen Leben kennen lernen dürfen. Das hat mir sehr viel bedeutet. Außerdem bin ich wahnsinnig froh, dass ich so ein tolles und wunderbares Stammteam haben darf. Sie stärken mir den Rücken, bauen mich auf, unterstützen mich. Nicht nur, wenn es ums Nähen geht. Nein, sie sind auch für mich da, wenn ich sie mal brauche. Im neuen Jahr dürft ihr euch natürlich wieder auf neue Schnitte von mir freuen. Die Kinderunterwäsche gibt es ja bereits, die Männer und Frauen sollen jedoch nicht leer ausgehen. Mehr möchte ich aber noch nicht verraten.

Unsere obligatorische Frage in eigener Sache: Auf Sewunity bewerten unsere User Schnitte mit Sternen, fünf Sterne sind die Höchstwertung. Wie viele Sterne würdest du Sewunity geben und warum?

Ich habe mich noch nicht komplett umgesehen, aber ich finde es super, dass man Schnitte genau suchen kann. Ich finde es toll, dass man seine Suchkriterien eingrenzen kann. Damit ist das ganze etwas einfacher. Außerdem gefallen mir das Nähkästchen und das Forum sehr gut. 4 von 5 Sternen.

Und zum Schluss wie immer noch unser kleines Entscheidungsspiel – auch für dich. Wir geben dir jeweils zwei Begriffe zur Auswahl. Du wählst bitte den aus, der am besten zu dir passt. Los geht's!

E-Book oder Papierschnitt? E-Book

Rollschneider oder Schere? Schere

Webware oder Maschenware? Maschenware

Nähkurs oder Autodidakt? Autodidakt

Overlock umfädeln oder immer mit der gleichen Farbe nähen? Nur die linke Kone umfädelnd, außer, wenn die Farben sehr abweichen (hell/dunkel), dann fädel ich komplett neu um.

Onlineshopping oder Stoffgeschäft? Stoffgeschäft

Couch oder Laufschuhe? Laufschuhe

Kaffee oder Tee? Tee

Vielen lieben Dank für das Interview!