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Interview der Woche: Stefanie von SO! Pattern

Schon während ihrer Schulzeit entdeckte sie das Selbernähen für sich, heute entwickelt sie als ausgebildete Directrice nicht nur eigene Schnitte, sondern greift auch anderen Designern unter die Arme: Stefanie vom Label SO! Pattern. Im Sewunity-Nähcafé plaudert sie nicht nur über die Entwicklung ihres Labels und ihre Strategie bei der Erstellung von Schnitten und Anleitungen, sondern auch darüber, warum sich die DIY-Szene derzeit ihrer Meinung nach in verschiedene Lager spaltet.

Liebe Stefanie, wir begrüßen dich herzlich im Sewunity-Nähcafé. Schön, dass du Zeit gefunden hast. Zu allererst mal die Standardfrage: Warum heißt dein Label SO! Pattern? Wie ist der Name entstanden?

So! PatternGanz überraschend bekam ich die Gelegenheit, meine ersten Schnittmuster auf einer englischsprachigen Plattform anzubieten. Aus dem bisherigen Namen „Schnittmusterei“ musste etwas weniger sperriges werden, damit es international auch funktioniert, „SO“ ist lautmalerisch „sew“ - und weil 2 Buchstaben zu kurz sind für alles mögliche, kam Pattern noch dazu.

Du bist – im Gegensatz zu vielen anderen, die Schnittmuster entwerfen – so richtig vom Fach als gelernte Entwurfs- und Schnittdirectrice. Wie kam es seinerzeit dazu, dass du dich für diesen Beruf entschieden hast?

Nach der Schule wollte ich etwas Praktisches machen, Kunst erschien mir zu abgefahren, Design etwas bodenständiger. Da ich damals schon lange einen Großteil meiner Kleidung selbst machte, lag Mode sehr nahe.

Nähen konntest du dann schon vermutlich sehr früh, oder? Wann hast du das erste Mal an der Nähmaschine gesessen – und kannst du dich noch an dein erstes Projekt erinnern?

Ich hatte das Glück, dass wir als letzter Jahrgang in der Schule noch einen Wahlkurs „Handarbeiten“ angeboten bekamen. Dort häkelten wir eine Stola und nähten eine langweilige Bluse. Allerdings machte das alles dort sehr wenig Spaß. Da mir „Kaufmode“, zumindest in meinem Budget, noch nie so gut gefallen hat, war das selber nähen oder ändern eine praktische Notwendigkeit. Zu Hause hatten wir eine Nähmaschine stehen und meine Mutter griff mir unter die Arme, wenn’s allzu schlimm aussah. Ich hab mich gleich in größere Projekte gestürzt: einen Oversize-Mantel, einen Blazer … zwischendurch mal einen Stufenrock.

Das war ja dann gleich sehr ambitioniert. Bleiben wir doch noch ein bisschen bei deinem Werdegang. Wie kam es dazu, dass du irgendwann gesagt hast: Jetzt möchte ich Schnittmuster entwerfen und verkaufen?

Stefanie von So! PatternIch hatte nach der Directricenausbildung später noch ein „Medien- und Kommunikation“-Studium drangehängt und viel in der Grafik gearbeitet. Also viel am Computer sitzen. Zum Ausgleich gab ich Nähkurse und hab immer wieder dort „schnell“ ein Schnittmuster gemacht. Das nahm etwas überhand, so entschloss ich mich, eine professionelle Gradiersoftware zu kaufen – einen Plotter hatten wir schon in unserem Gemeinschaftsbüro – und loszulegen.

Und das hast du dann auch. Dein Angebot an Schnittmustern ist auf jeden Fall ganz schön riesig. Ob Hosen, Jacken, Mäntel, Röcke, Kleider … bei dir findet an ja nahezu alles. Kannst du auswendig sagen, wie viele Schnitte du entwickelt hast?

Oh je, das sind ganz viele … für SO! habe ich über 60 Schnitte gemacht, aber ich entwickle Schnitte ja auch für andere Labels, also E-Book-Ersteller genauso wie Modelabels, die produzieren lassen. Da kommt schon einiges zusammen …

Viele Käufer deiner E-Books haben sich das Nähen selbst beigebracht oder stehen noch ganz am Anfang. Wie stellst du sicher, dass auch Anfänger mit deinen Anleitungen klarkommen, was macht deine Schnitte aus?

Zu meinen Schnitten gibt es illustrierte Anleitungen und ganz oft Foto-Tutorials. Vorher definiere ich, ob es für Anfänger mit Vorkenntnissen geeignet ist und was bzw. welche Technik jemand schon beherrschen sollte - z.B. Anreihen oder Reißverschluss einnähen. Bisher war das Feedback sehr gut: Meine Anleitungen sind knapp, es steht nur drin, was tatsächlich gemacht werden muss ohne sonstigen Chi-Chi. Bei meinen Schnitten ist noch der Stoffbedarf in den verschiedenen Größen und in verschiedenen Stoffbreiten angegeben, inklusive Zuschnittpläne. So kann man auch 110 cm-Stoffe planvoll einkaufen. Und bei den meisten Schnitten von mir liegen die Größen in verschiedenen Ebenen, so dass man zum Drucken nur die relevante Größe sichtbar haben kann.

In der Nähszene gibt es ja sehr viele Quereinsteiger – zum Beispiel Mütter, die mit der Geburt ihrer Kinder das Nähen entdeckt haben und dann in den Schnittmusterverkauf eingestiegen sind. Für dich als gelernten Profi: Kann das funktionieren? Bzw. wie siehst du das?

Ich finde es gut! Klar, werden manche Nähvorgänge – aus Schneidersicht – nicht immer „richtig“ erklärt. Manchmal ist es aber ein anderer erfrischender Zugang, etwas zu verarbeiten. Für Schnitt und Gradierung sollten sie sich aber einen Profi zu holen. Arge fachliche Irrläufer werden spätestens bei der Zusammenarbeit mit einer Directrice aufgedeckt. Ansonsten haben „Mamis“ ganz klar den Vorteil, näher an der Zielgruppe zu sein. Und ein sehr großer Teil der Arbeit ist eh der Vertrieb, dazu braucht man kein Schnittprofi zu sein.

Hast du eigentlich außer deinen eigenen Schnitten irgendwelche Lieblingsschnitte? Wenn ja, welche sind das?

Ich probiere wahnsinnig gerne Schnitte von innovativen japanischen Designern aus, wie Tomoko Nagamichi oder Hisako Sato. Sie arbeiten zwar auch mit Grundschnitten, lösen diese aber dermaßen kreativ auf … eine tolle Inspirationsquelle! Oder ich tüftele etwas in Subtraction-Cutting nach Julian Roberts aus.

Welche Art von Schnitten entwickelst du am liebsten? Eher für Damen, eher für Kinder, völlig egal?

Ich entwickle gerne einfach raffinierte Schnitte. Das heißt: Es können einfach wirkende Teile sein, mit einem gewissen Twist, der den Fall schöner macht, die Verarbeitung einfacher, die Benutzung praktischer oder das Innenleben interessanter.

Hast du eigentlich noch Zeit, für dich selbst zu nähen? Und wenn ja, was nähst du gerne für dich?

Leider viel viel viel zu wenig!

In unserer heutigen Nähkästchen-Ausgabe dreht sich alles ums Thema Sommerkleider. Auch zu deinem eigenen Angebot gehören jede Menge Sommerkleider-Schnitte. Mal angenommen, eine Nähanfängerin kommt und möchte ihr erstes eigenes Kleid nähen – worauf sollte sie bei der Auswahl von Stoff und Schnitt deiner Meinung nach achten?

Einen unkomplizierten Schnitt mit wenig Teilen und lieber schön fallende Webware statt Jersey verwenden. Ein gutes Einsteigermodell ist mein Kleid Niagara, es lebt im Vorderteil zum Zuschnitt im schrägen Fadenlauf: dadurch fällt es schön fließend und umschmeichelt die Figur. Keine glitschigen Stoffe am Anfang verwenden, da verliert man oft die Lust am Nähen.

Wie viele selbstgenähte Sommerkleider hast du selbst im Schrank?

Bis auf drei gekaufte Kleider - mein Hochzeitskleid und zwei Designermodelle - habe ich nur selbstgenähte Kleider im Schrank. Schneller näh ich ein Kleid, als dass ich mich durch die Läden kämpfe und nach etwas suche. Wenn ich etwas kaufe, fällt es mir bei meinen Reisen zu oder ich lasse es für mich anfertigen.

Wie schätzt du eigentlich die aktuelle Lage in punkto Nähen und Selbermachen ein. Ist Nähen immer noch so angesagt, wie das vor ein, zwei, drei Jahren der Fall war – oder flacht der Boom langsam ab?

Beim Nähen gibt – sich wie bei allen „Trendhobbys“– eine Entwicklungskurve. Sehr deutlich finde ich den Entwicklung in verschiedene Lager: die einen, die schnell ein unkompliziertes Teilchen nähen wollen, ohne technisch viel einsetzen oder können zu müssen. Und die Cracks, die sich mittlerweile ohne mit der Wimper zu zucken auch an z.B. einen Blazer mit Revers- und Futterverarbeitung herantrauen. Bei dieser Gruppe stehen mittlerweile das Design und wirklich Individuelle Modelle und Schnittanpassungen mehr im Vordergrund, sie interessiert sich auch sehr fürs Schnitte machen und abwandeln.

Wir hätten da noch eine Frage in eigener Sache … bei Sewunity bewerten ja bekanntermaßen unsere User Schnitte mit Sternen, fünf Sterne sind die Höchstwertung. Wie viele Sterne würdest du Sewunity geben und warum?

Fünf natürlich! Ihr seid sehr nah am Nutzer dran und kümmert euch. Weiter so!

Wow, vielen Dank! Wir freuen uns, dass du uns im Nähcafé besucht hast und sagen Danke für das tolle Gespräch!