Sewunity - Deine Suchmaschine für Schnittmuster

Maß nehmen - aber richtig!

Es gibt einen Schritt, der für perfekt sitzende Kleidung eigentlich unerlässlich ist, den aber trotzdem viele NäherInnen stiefmütterlich behandeln - das Maßnehmen. Dabei ist Nähen ohne Messen fast so, als würde man Schuhe kaufen, ohne sie vorher anzuprobieren.
Wir haben euch hier die wichtigsten Regeln zum richtigen Maßnehmen und zum Umgang mit den Maßen zusammengestellt.

Was braucht man zum Maßnehmen?

Neben einem guten, flexiblen Maßband braucht man vor allem eines: einen Helfer. Manche Maße kann man zwar auch selbst abnehmen, doch bei einigen Maßen ist die korrekte Körperhaltung einfach unerlässlich. Und dazu sollte man nun mal aufrecht stehen ... Also am besten Mann, Kind, Freundin oder Schwiegermutter rekrutieren und messen lassen!

Wie misst man richtig?

Man sollte die Körpermaße am besten immer in gut sitzender, eng anliegender Unterwäsche abnehmen. Bitte nicht in Shapewear messen - es sei denn, ihr tragt ohnehin immer Shapewear unter dem Kleidungsstück, für das ihr die Maße nehmt!

Das Maßband sollte an den zu messenden Stellen eng am Körper anliegen, aber nicht einschneiden. Wichtig ist auch, dass das Maßband wirklich gerade, also parallel zum Boden, angelegt wird. Noch ein Grund, warum man ein Helferlein zum Messen braucht smiley. Oder seht ihr am Po, ob das jetzt parallel verläuft?

Wo wird gemessen?

Maßnehmen

Es hängt ein bisschen vom Schnitt ab, welche Körpermaße ihr genau für eine korrekte Größenermittlung benötigt. Genügt bei einem locker fallenden Shirt in A-Linie manchmal schon nur der Brustumfang, müssen für eine gut sitzende Hose nicht nur Taillen-, Bund- und Hüftweite gemessen, sondern auch Innenbeinlänge und Schrittweite abgenommen werden.

Grundsätzlich sind aber in der Kleidungsschneiderei vor allem der Brustumfang, die Taillen- und die Hüftweite von Bedeutung. An diesen Maßen orientieren sich nahezu alle Oberteil-, Kleid- und Jackenschnittmuster. Dabei ist wichtig, dass die Maße an den richtigen Stellen abgenommen werden: Der Brustumfang wird an der Stelle gemessen, wo eure Brust den größten Umfang hat. Das ist für gewöhnlich auf Höhe der Brustwarzen der Fall. Tragt auf jeden Fall einen BH, wenn ihr dieses Maß nehmt - es sei denn natürlich, ihr tragt sonst auch keinen.

Der Taillenumfang wird an der schmalsten Stelle des Körpers gemessen. Nehmt nicht die Stelle, an der der Hosenbund verläuft, oder die Höhe des Bauchnabels als Taille!

Das Maß des Hüftumfangs schließlich muss wieder an der breitesten Stelle des Gesäßes genommen werden. Wie gesagt ist es hier besonders wichtig, dass das Maßband gerade verläuft. Je nach Gesäßform solltet ihr vielleicht ein bisschen mit der Höhe des Maßbandes experimentieren, da man selbst so schlecht sieht, wo denn nun genau die Wölbung am größten ist ...

Und wie wird aus dem Maß die Größe?

Bei so gut wie allen Schnitten für Damen-Oberbekleidung ist eine Maßtabelle enthalten. Anhand dieser könnt ihr nun mit euren gemessenen Werten die Größe ermitteln, die ihr für euch nähen solltet, doch VORSICHT: Viele Designer arbeiten mit Fertigmaßen. Das heißt, sie listen nicht die Körpermaße auf, sondern geben an, welchen Umfang das fertig genähte Kleidungsstück an der jeweiligen Stelle hat! Dieses Maß können sie nämlich ganz exakt angeben, wohingegen man bei Körpermaßtabellen immer mit Messbereichen arbeiten muss. Schließlich sind wir ja alles Menschen und nicht genormt.

Wenn also euer gewählter Schnitt über eine Fertigmaßtabelle verfügt, müsst ihr euch überlegen, wie sich der Schnitt später zum Körper verhalten soll. Ein figurbetontes Shirt aus Maschenware etwa sollte ja knackig sitzen - das heißt, das Fertigmaß in Brusthöhe sollte etwas kleiner sein als euer gemessener Brustumfang. Bei einer eleganten Bluse aus Webware dagegen müsst ihr beim Fertigmaß unbedingt noch etwas Material für die Bewegungsfreiheit hinzugeben, das Fertigmaß sollte also ein paar Zentimeter höher liegen als euer tatsächlicher Umfang. Bei einer Legging muss das Fertigmaß sogar wirklich deutlich kleiner sein als das Körpermaß, um einen guten Sitz zu garantieren. Hier ist natürlich immer wichtig, dass man das gewählte Material mit in Betracht zieht. Funktions-Jersey aus Lycra hat auch, was die Maße angeht, völlig andere Eigenschaften als ein Baumwoll-Interlock.

Zwischen den Größen

Wie schon gesagt, wir alle sind nicht genormt. Und so kommt es durchaus vor, dass man seine Maße mit der Maßtabelle vergleicht und feststellt, dass man eigentlich mindestens drei verschiedene Größen nähen müsste ... Was nun?

Bei vielen Schnitten ist es aufgrund der Passform nicht unbedingt notwendig, dass alle Maße genau passen. Bei einer A-Linie zum Beispiel solltet ihr euch stets an der Brustweite orientieren; Shirts in Fledermausoptik können auch gerne anhand des Hüftumfangs festgelegt werden. Außerdem kann man (zumindest bei Mehrgrößenschnitten) immer relativ einfach von einer Größe zur anderen wechseln, indem man die Größenlinien ungefähr auf halber Höhe mit einer Bleistiftlinie aufeinander zu laufen lässt. Hier ist ein bisschen Übung gefragt, doch es lohnt sich!

Und schließlich: Hängt euch nicht an den Größenbezeichnungen auf. Ihr kauft eigentlich immer Jeans in Größe 42, sollt aber bei einem Shirt plötzlich 44/46 nähen? Lasst euch davon nicht ins Bockshorn jagen. Wenn euch die Differenz zu krass erscheint, dann legt einfach ein gut sitzendes Kleidungsstück oder ein bewährtes Schnittmuster vor dem Ausschneiden auf euren neuen Schnitt und vergleicht die Linien. Passt es? Dann lasst die Zahlen Zahlen sein und näht euch einfach euer perfektes Kleidungsstück in der Egal-wie-sie-heißt,- hauptsache-es-sitzt-gut-Größe. Und wenn ihr feststellt, dass ihr getrost bei der 42 bleiben könnt? Dann schneidet die 42 zu! Und anschließend ladet ihr ein Foto eures neuen Schmuckstücks bei Sewunity hoch und vergesst nicht, in der Bewertung auf die Maßproblematik hinzuweisen. Die anderen User werden es euch danken!