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Interview der Woche: Sabine von "einfach anziehend"

Als Kind nähte sie Kleidung für ihre Barbie-Puppen - doch das reichte Sabine vom Label "einfach anziehend" irgendwann einfach nicht mehr aus. Wie sie ihren persönlichen Weg in die Nähwelt gefunden hat, warum sie keine E-Books mag und was sie beim Nähen eher unglücklich macht, hat sie uns im Interview ausführlich verraten.

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Liebe Sabine, herzlich willkommen im Sewunity-Nähcafé – und danke, dass du dir Zeit für unsere Fragen nimmst. Bitte verrate uns doch mal zuerst, warum dein Label „Einfach anziehend“ einfach anziehend heißt.

Sabine von "einfach anziehend"
Sabine von "einfach anziehend"

Sabine: Hallo Steffi, vielen Dank erst einmal, dass du mich angeschrieben hast für dieses Interview. Meine Mutter kam auf diese Idee. Wir haben ein bisschen Brainstorming gemacht und ich sagte: „Anziehend“, daraufhin fügte sie das „Einfach“ hinzu und wir waren beide angetan, also blieb es dabei.

Das klingt ja wirklich einfach. Wie bist du überhaupt dazu gekommen, Schnittmuster zu entwickeln und E-Books zu schreiben?

Schnittmuster erstelle ich seit 2011, ich war also schon ziemlich am Anfang mit dabei, als die Auswahl noch nicht besonders vielfältig war. Ich habe mir einen Pullover genäht, heute nichts besonderes mehr, damals der absolute Hit. Meine Kunden fanden den alle so gut, dass sie unbedingt den Schnitt haben wollten und ich ihnen beibringen sollte, wie man ihn näht. Daraus entstand dann auch mein erster Nähkurs, einige dieser Kunden sind immer noch dabei.

Gehen wir dann doch noch mal einen weiteren Schritt zurück – wann hast du überhaupt damit begonnen, zu nähen?

Logo - "einfach anziehend"

Ich habe schon als kleines Kind für meine Barbies genäht, zusammen mit meiner großen Schwester. Mit 12 oder 13 Jahren habe ich einen Nähkurs bei der VHS gemacht. Mit 19 Jahren habe ich dann eine Ausbildung in einem Haute Couture-Atelier zur Maßschneiderin gemacht und anschließend direkt bei Müller & Sohn in Düsseldorf Schnittdirektrice gelernt.

Du deckst mit deinen Schnittmustern die gesamte Bandbreite ab – Schnitte für Damen, Schnitte für Herren und Schnitte für Kinder. Welche Art von Schnitten magst du am liebsten?

Damen, auf jeden Fall. Und da ich aus dem Haute Couture-Bereich komme, machen mir aufwendige Kleider und Kostüme am meisten Spaß, doch dafür fehlt es bei Schnittmustern natürlich an Klientel. Um meine Auszubildenden mit kreativen Arbeiten zu beschäftigen, war das Ganze auch ideal, so sind in den Jahren viele Schnittmuster entstanden. Aber jetzt arbeite ich wieder alleine und das spiegelt sich auch im Stil meiner neueren Schnittmuster wider. Ich entwerfe und entwickle nun ausschließlich das, was mir und meinem Freund gefällt. Vielleicht etwas einseitiger, aber dafür stehe ich hinter jedem einzelnen Design.

Mal angenommen, jemand kommt zu dir und sagt, er möchte gerne nähen lernen. Zu welcher Vorgehensweise rätst du ihm?

Einen meiner Nähkurse besuchen ;-)
Ich würde immer mit Baumwolle und nicht mit Jersey o.ä. anfangen. In den Jahren habe ich viele Nähanfänger begleitet und gesehen, was aus ihren Nähkünsten wird. Wer mit Baumwolle anfängt, sei es beim Zuschnitt oder beim Nähen selbst, der arbeitet genauer und bleibt auch dabei. Diese Nähanfänger arbeiten sich qualitativ und vom Schwierigkeitsgrad schnell nach oben, wobei die „Jerseyfraktion“ meist bei Jersey und einfacheren Projekten bleibt. Ich meine, es kommt natürlich auch darauf an, was ein Nähanfänger überhaupt mit diesem Hobby erreichen und wieviel Zeit er investieren möchte. Bei mir ist es Passion, aber das kann ich ja nicht von jedem erwarten.

Und wenn es an die Anschaffung erster Ausrüstungsgegenstände geht – was sollte man deiner Meinung nach unbedingt kaufen – und was ist überflüssig?

Eine gute Stoffschere, einen Trickmarker und Kreidestift, ein Handmaß, ein Maßband, Steck- und Nähnadeln und natürlich diverses für Papier, wenn man das nicht schon besitzt. Alles andere ist fürs erste nicht nötig oder gar überflüssig.  Was Nähmaschinen anbelangt: Keine aus dem Angebot im Discounter, die sind Schrott, aber es muss auch nicht die mit am meisten Schnick-Schnack sein!

Deine Dienstleistungen gehen über das reine Erstellen von Schnittmusterdateien und E-Books noch weit hinaus – du verkaufst auch Material und: Du digitalisierst Schnittmuster für andere. Worin liegt denn da die Herausforderung?

Ich würde sagen, die „Herausforderung“ kommt erst, wenn ich auch etwas gradieren oder technische Zeichnungen anfertigen soll. Ansonsten macht es mir einfach Spaß, die Schnittmuster in ein schönes, optisch ansprechendes Format zu verwandeln. Davon abgesehen, sind die Kunden, mit denen ich arbeite, alle super lieb und das ist doch besonders viel wert, um Spaß an der Arbeit zu haben.

Da hast du natürlich vollkommen recht. Was war bisher das schwierigste Projekt, das du jemals umgesetzt hast? Zum einen in der Konzeption – und zum anderen beim Selbernähen an der Maschine?

Sabine von "einfach anziehend"
Sabine bei der Arbeit

Da kann ich kein bestimmtes Projekt benennen. Durch meine Ausbildung, Maßanfertigungen für meine Kunden und durch Ideen, die ich für mich verwirklicht habe, ist da eine Vielzahl an Projekten zusammengekommen. Ich tüftele wahnsinnig gerne und mir ist eigentlich nichts schwierig genug, darin gehe ich auf. Gerne aus Spitze, Tüll, Organza oder Chiffon, da muss die Verarbeitung durch die Transparenz besonders gut sein.

Gibt es etwas beim Nähen, was du so gar nicht gerne machst – oder sogar regelrecht hasst?

Änderungen und Reparaturen. Das macht mich so unglücklich. Als ich das Geschäft übernommen habe, welches ich nun fast zehn Jahre geführt habe, da war es eine kleine Änderungsschneiderei mit einer noch kleineren Stoffauswahl. Ich habe es nach fünf Jahren in ein großes und gut ausgestattetes Handarbeitsgeschäft verwandelt. Nun aber habe ich es geschlossen, um mich wieder mehr den Schnittmustern und dem Nähen zu widmen. Wieder mehr Zeit für Kreativität.

Was ist dir eigentlich generell lieber – ein Schnittmuster in digitaler Form oder ein Schnittmuster auf Papier? Wird sich die digitale Variante langfristig halten – oder ist mit einem Comeback des Papierschnittmusters zu rechnen?

Auf jeden Fall Papierschnittmuster. Ich kann leider gar nicht verstehen, warum Kunden E-Books kaufen. Ich finde bebilderte Anleitungen auch total schrecklich. Wenn es also nach mir geht, könnten Papierschnittmuster gerne wieder mehr gekauft werden, aber ob das so sein wird, das glaube ich weniger.

Wie schätzt du die Lage im DIY-Markt generell ein? Manchmal hat man den Eindruck, es wäre stiller geworden in der Nähszene … wie siehst du das?

Es ist definitiv stiller geworden. Man merkt es ja auch deutlich an Neuheiten der großen Firmen, diese halten sich doch sehr in Grenzen. Aber ein Boom hat eben immer auch ein Ende.

Würdest du sagen, dass du dir alle erdenklichen Nähträume bereits erfüllt hast – oder hast du einen großen Nähtraum?

Gerade sitze ich an der Planung für einen großen Quilt, im Patchworken bin ich nicht zu Hause, deshalb und weil ich mir nie etwas Einfaches aussuche, ist das jedes Mal eine Herausforderung. Ansonsten beschränken sich meine Träume eher aufs Stricken, da bin ich erst seit ein paar Jahren dabei und habe noch viel zu lernen.

Schaffst du es eigentlich überhaupt noch, selbst zu nähen? Wenn ja, nähst du vorwiegend deine eigenen Schnitte – oder hast du andere Designer, die du toll findest?

Momentan renovieren wir ein Haus, in das wir einziehen möchten. Da bleibt gerade gar keine Zeit zum Nähen. Aber wenn, dann mache ich mir grundsätzlich alle Schnittmuster selber. Außer bei Deko, aber die nähe ich überhaupt sehr selten.

Wie wird sich die Nähszene in den nächsten Jahren deiner Meinung nach entwicken? Wird es neue Trends geben?

Ich denke, es flacht jetzt langsam ab und auf einen großen Trend werden wir bis zum nächsten Boom warten müssen.

Magst du uns verraten, woran du gerade arbeitest – oder ist das noch geheim? Was wird als nächstes von dir erscheinen?

Wie gesagt, komme ich gerade leider gar nicht zum Nähen, daher wird es erst in der zweiten Hälfte des Jahres Neuigkeiten von mir geben. Und was ich bis dahin noch alles an Ideen haben werde, das weiß ich nicht. Ich bin selbst noch gespannt. ;-)

Dann üben wir uns ebenfalls gespannt in Geduld. :) Bevor wir am Ende angekommen sind, unsere obligatorische Frage in eigener Sache. Bei Sewunity bewerten die User Schnitte mit Sternen, fünf Sterne sind die Höchstwertung. Wenn du nun an Sewunity denkst – wie viele Sterne würdest du Sewunity geben und warum?

Insgesamt würde ich euch vier Sterne geben. Ich fände es schön, wenn man die Schnittmuster irgendwann auch selber einstellen dürfte, dann wären es fünf Sterne. Nicht, dass ich das nicht immer schnell und zuverlässig erledigen würdet, aber es dauert dann eben länger, bis meine Schnittmuster auch bei euch online sind.

Vielen Dank für deine offenen Worte. Zum Schluss laden wir dich wie all unsere Designer zu einem kleinen Entscheidungsspiel ein. Wir stellen dir jeweils zwei Begriffe zur Auswahl – entscheide dich doch bitte für den, der am besten zu dir passt:

Rollschneider oder Schere? Schere

- E-Book oder Papierschnitt? Papierschnitt

- Webware oder Maschenware? Webware

- Nähkurs oder Autodidakt? Autodidakt

- Overlock umfädeln oder immer mit der gleichen Farbe nähen? Umfädeln

- Onlineshopping oder Stoffgeschäft? Stoffgeschäft

- Couch oder Laufschuhe? Beides

⁃ Kaffee oder Tee? Keins

Vielen Dank für das Gespräch!