Interview der Woche: Sabine alias "Frau Schnitte"

Ihr Herz schlägt für Taschen - und ist ein neuer Prototyp fertig, hüpft ihr Herz. Im Interview mit Sewunity erzählt Sabine alias "Frau Schnitte", wie sie den Weg zum Nähen fand, wie sie es zu eigenen Nähbüchern brachte und wie es auch Anfänger zur ersten eigenen Tasche bringen.

Avatar

Liebe Sabine, wir heißen dich herzlich im Sewunity-Nähcafé willkommen. Du bist also die „Frau Schnitte“. Erzähl uns doch zunächst mal, wie der Name für dein Label entstanden ist.

Frau Schnitte
Sabine alias "Frau Schnitte"

Sabine: Vielen Dank für die Einladung, ich freue mich sehr, hier zu sein. Die erste Idee zu diesem Namen kam eigentlich von meinem Mann. Er unterstützt mich bei allen computertechnischen Angelegenheiten und als wir damals den ersten Shop bei Dawanda eröffneten, war der Name ziemlich schnell geboren.

Das Nähen hast du von der Pike auf gelernt – du bist ausgebildete Modedesignerin. Wann hast du das erste Mal an einer Nähmaschine gesessen und wie ging dein persönlicher Weg dann weiter?

Mit dem Nähen habe ich in der Tat recht spät begonnen, das erste Mal bei einem Nähkurs an der Abendakademie. Das Thema Mode und Nähen blieb auch erst einmal ein Hobby und so habe ich nach dem Abi eine kaufmännische Ausbildung gemacht und auch einige Zeit in diesem Beruf gearbeitet. Doch das Kreative ließ mich nicht los und so beschloss ich, nach einem Praktikum in einem Maßatelier, die Modedesign Ausbildung zu beginnen. Bei der Firma Betty Barclay, in der ich danach beschäftigt war, lernte ich meine liebe Freundin kennen, mit der ich anschließend viele Jahre ein Maßatelier betrieb.

Irgendwann ist dann der Punkt gekommen, an dem du gesagt hast, ich will auch beruflich Schnitte erstellen, diese entwerfen und verkaufen. Wann war das und wie hat sich dann dein Label entwickelt?

Logo Frau Schnitte
Frau Schnitte

Angefangen hat das alles schon während unserer gemeinsamen Zeit im Atelier, da haben wir manchmal Taschen entworfen und genäht. Diese verkauften wir dann einmal im Jahr auf einem Kunsthandwerkermarkt in unserer Nähe und sie erfreuten sich großer Beliebtheit. Als dann der DIY-Trend kam, entstand die Idee, Nähanleitungen zu erstellen und so eröffnete ich, parallel zu meiner Dozententätigkeit, die ich mittlerweile an der Mannheimer Abendakademie aufgenommen hatte und den Maßanfertigungen, irgendwann den ersten "Frau Schnitte"-Shop auf Dawanda. Als diese Verkaufsplattform geschlossen wurde, startete ich mit meinem Shop auf anderen Plattformen, ab diesem Zeitpunkt war dann ein stetiger Aufwärtstrend spürbar. Und seit kurzem konzentriere ich mich, neben meinen Nähkursen, hauptberuflich auf Frau Schnitte.

Bei den Schnitten von Frau Schnitte findet man ein breites Angebot an Damenkleidung, aber vor allem an Taschen, Taschen, Taschen. Warum sind gerade Taschen ein Stück weit dein Steckenpferd geworden?

Ertappt – lach. Eigentlich mag ich beides sehr, das Entwerfen von Kleidung und von Taschen. Allerdings finde ich, dass das Austüfteln eines neuen Taschenmodells oftmals noch ein Stückchen mehr kreative Freiheit zulässt. Und ich gebe zu, dass mein Herz jedes Mal wieder hüpft, wenn der finale Prototyp eines neuen Taschenschnittes steht und er genauso aussieht, wie ich ihn mir vorgestellt habe.

Auch Bücher zum Nähen von Taschen sind von dir bereits erschienen. Wie kam es dazu?

Eine Lektorin des EMF Verlags schrieb mich 2018 an, ob ich nicht Lust hätte, ein Buchprojekt mit ihnen umzusetzen. Und da ich so etwas schon immer mal machen wollte und es zeitlich gerade passte, habe ich zugesagt. Aus einem Buch wurden mittlerweile drei sowie ein Lizenztitel in französischer Sprache und ich muss sagen, es macht jedes Mal wieder sehr viel Spaß.

Wo wir schon gerade bei dem Thema sind: Was macht denn mehr Spaß? Einen digitalen Schnitt zu entwerfen oder ein ganzes Buch mit thematisch passenden Schnitten zusammenzustellen? Wie viel Zeit vergeht überhaupt von der ersten Idee bis zum fertigen Buch?

Da kann ich mich spontan gar nicht für eine Sache entscheiden. Beides macht auf seine Art wahnsinnig viel Spaß. Bei meinen E-Books liebe ich die detaillierte Ausarbeitung und die Gestaltungsfreiheit. Beim Buch finde ich die Konzepterstellung sehr spannend, also Entwurfsskizzen passend zum Thema, Materialauswahl usw. und natürlich die Zusammenarbeit mit meiner lieben Lektorin. Vom ersten Brainstorming bis zur Veröffentlichung vergeht in der Regel ein halbes Jahr. Allerdings hat man zwischendurch immer mal eine Pause z.B., wenn der Manuskriptentwurf zur Korrektur geht oder das Layout gestaltet wird.

Bleiben wir auch weiterhin beim Thema Taschen nähen. Mal angenommen, jemand hat gerade erst mit dem Nähen begonnen und möchte sich an eine erste Tasche trauen. Zu was für einem Modell rätst du?

Falls man noch nicht so viel Näherfahrung besitzt, würde ich eher eine Tasche wählen, die nicht so viele Details beinhaltet. Was nicht zwingend heißt, dass man zu Anfang nur Jutebeutel nähen kann- haha. Auch ein Reißverschluss ist machbar, wenn es entsprechend erklärt wird. Generell finde ich am Anfang ein überschaubares Projekt geeigneter als eines, das Unmengen von Nähschritten umfasst, so kommt man dem Erfolgserlebnis schneller näher und das motiviert meiner Erfahrung nach immer sehr.

Gibt es Dinge, die beim Nähen von Taschen besonders wichtig sind? Worauf muss man vor allem achten oder wo liegen die größten Fehlerquellen?

Wichtig beim Taschen Nähen finde ich immer die Verstärkung und die Stoffauswahl. Beides sollte zur Optik der Tasche bzw. zum persönlichen Geschmack passen. Oft gibt es Stellen, die sich, wenn das Material zu dick gewählt ist, nicht mehr vernünftig nähen lassen, weil die Nähmaschine an ihre Grenzen kommt. Oder das Ganze wird durch eine falsche Vlieseinlage zu steif oder zu labbrig. Dann ist man über das Endergebnis schnell mal frustriert. Gerade wenn man noch nicht so erfahren ist, sollte man sich möglichst an die Empfehlungen der Schnittersteller halten bzw. einfach ein paar Tests an kleinen Stoffproben machen, dann steht einem Erfolgserlebnis in der Regel nichts im Weg.

A propos Fehlerquellen: Auch, wenn du ein Profi bist – gibt es Bereiche beim Nähen, die du einfach nicht gerne machst? Oder wo auch gerne mal was schiefläuft? Wenn ja, welche Bereiche sind das?

Da fällt mir spontan nicht viel ein, dass ich nicht gerne mache, abgesehen vom Auftrennen natürlich- hihi.

Und was machst du besonders gerne?

Ich mache sehr gerne Endarbeiten an einem Projekt von Hand, also beispielsweise das Futter einnähen an einem Blazer. Das hat für mich etwas Entspannendes.

Wenn du mal an deine eigenen Nähprojekte denkst – hast du eine selbstgenähte Lieblingstasche – und warum ist gerade diese Tasche deine Lieblingstasche?

Ich liebe meine Bauchtasche Valentina, ich finde sie wahnsinnig praktisch aber gleichzeitig auch total stylish und sie passt irgendwie zu allem.

Kommst du derzeit denn überhaupt noch dazu, für dich selbst zu nähen, egal ob Kleidung oder Taschen? Falls ja, hast du - abgesehen von natürlich deinen eigenen Schnitten – Lieblingsschnitte von anderen Designern? Und wenn ja, welche sind das?

Ehrlich gesagt komme ich sehr selten dazu, etwas für mich zu nähen. Und falls doch, nähe ich Taschen eigentlich immer nach meinen eigenen Schnitten und bei Kleidung verwende ich eigene Grundschnitte, die ich variiere.

Magst du uns denn auch verraten, an was für einem Projekt du gerade arbeitest? Beziehungsweise was wird es denn in Zukunft geben? Ein neues Buch? Neue Schnitte? Etwas ganz anderes?

Momentan arbeite ich an einem neuen Taschenmodell, geplant sind aber auch neue Bekleidungsschnitte, hier möchte ich in Zukunft die großen Größen etwas mehr einbeziehen, denn ich finde, hier könnte es generell mehr Auswahl geben.

Wo siehst du dich und dein Label in fünf Jahren? Wird Nähen dann immer noch genauso angesagt sein wie aktuell? Was meinst du?

Ich hoffe, dass sich Frau Schnitte, wie auch in den letzten Jahren, kontinuierlich weiter-entwickelt. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Nähtrend auch in nächster Zeit anhält, ich glaube wir brauchen einfach einen Ausgleich zu unserem schnelllebigen Alltag und der konsumorientierten Gesellschaft. Etwas mit den eigenen Händen erschaffen, wie beim Nähen oder anderen handwerklichen Hobbys, ist da doch genau das Richtige.

Zum Abschluss fehlt nur noch unsere obligatorische Frage in eigener Sache. Bei Sewunity bewerten unsere User ja Schnitte mit Sternen, fünf Sterne ist die Top-Wertung. Wie viele Sterne würdest du Sewunity geben und warum?

Aus Verkäufersicht gibt es von mir fünf Sterne, euer Support ist prima, der Kontakt sehr nett und alle Anliegen werden schnell geklärt. Die Shopverwaltung ist unkompliziert.

Na das hören wird doch gerne. Und wenn du jetzt immer noch Lust hast, hätten wir nun noch unser kleines Entscheidungsspiel für dich. Wir stellen dir jeweils zwei Begriffe zur Auswahl – wähl doch bitte den aus, der am besten zu dir passt. Los geht’s:

Rollschneider oder Schere? Schere

E-Book oder Papierschnitt? E-Book

Webware oder Maschenware? Webware

Nähkurs oder Autodidakt? Nähkurs

Overlock umfädeln oder immer mit der gleichen Farbe nähen? Umfädeln

Onlineshopping oder Stoffgeschäft? Stoffgeschäft

Couch oder Laufschuhe? Laufschuhe

Kaffee oder Tee? Tee

Vielen Dank für das Gespräch und deine Zeit!