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Kleine Materialkunde 2: Was ist denn nun eigentlich Jersey?

In der letzten Ausgabe des Sewunity Nähkästchens haben wir euch erklärt, was es mit der ominösen „Baumwolle“ – also der Webware – so auf sich hat. Logischerweise geht es dann heute um das klassische Gegenbeispiel: den Jersey, oder, um genau zu sein, die Maschenware. Maschenware fein Makro

Auch hier macht die Bezeichnung schon den Produktionsprozess klar: Maschenware besteht aus Maschen, das heißt, sie wird nicht gewebt, sondern gestrickt oder gewirkt. Das erkennt man, je nach Material, mit bloßem Auge (bei Grobstrick zum Beispiel); manchmal muss man auch genau hinschauen.

Strickstruktur grobDurch die Maschenstruktur ist der Stoff per se mehr oder weniger dehnbar. Bei feiner Maschenware wie Jersey oder Interlock werden aber dennoch oft synthetische elastische Fasern mitverarbeitet, um eine höhere Formstabilität zu gewährleisten. Auch Jersey ist nämlich kein Material, weswegen Angaben wie „Das ist aber 100% Jersey!“ wenig aufschlussreich sind.

Gewirkte Stoffe bestehen ebenfalls aus Maschen, doch wird hier nicht wie beim Stricken oder Häkeln waagerecht Masche an Masche gesetzt, sondern senkrecht. Das ist nur maschinell zu machen und geht viel schneller als Stricken; darum sind viele moderne Maschenstoff eigentlich nicht gestrickt, sondern gewirkt.

Wie gesagt, ist Maschenware immer mehr oder weniger elastisch. Darum wird bei vielen Schnittmuster auch pauschal gesagt: "Für alle dehnbaren Stoffe geeignet". Beim Online-Kauf ist trotzdem Vorsicht geboten, da es auch Maschenware gibt, die weniger dehnbar ist als andere und sich darum für figurnahe Kleidung ohne zusätzliche Verschlüsse nicht eignet. Das ist vor allem bei manchen Sweat- und Fleecestoffen der Fall.

Auch Maschenware gibt es in vielen unterschiedlichen Formen und Qualitäten, die (außer vom verarbeiteten Material) von der Dicke des Garns und der Größe der Maschen abhängen. Die bekanntesten Vertreter von Maschenware sind:

Frottee – auch Frottier; eigentlich Wirkfrottee, wenn es denn wirklich gewirkt wird. Hier hat bereits das spezielle Garn eingearbeitete Schlingen, die in sich verdreht sind. Dadurch entsteht die flauschige Struktur und hohe Saugfestigkeit. Wirkfrottee ist elastisch, Walkfrottee dagegen nicht.

Fleece – auch hier entsteht die flauschige Oberfläche dadurch, dass beim Wirken Schlingen stehen bleiben, die anschließend aufgeschnitten und angeraut werden.

Maschenware feinInterlock – beim Interlock werden beim Strickprozess zwei Jerseylagen miteinander verkreuzt; man strickt sozusagen mit vier Nadeln. Dadurch entsteht ein dichtes, elastisches Material. Interlock ist nicht ganz so elastisch wie Jersey und leiert schneller aus.

Jersey – einfädig hergestellte Maschenware. Single Jersey wird in rechten und linken Maschen gestrickt oder gewirkt, sodass man eine eindeutige linke und rechte Seite hat. Bei Double Jersey (auch unter Romanit bekannt) dagegen haben beide Stoffseiten dieselbe Struktur, der Stoff wird dadurch etwas stabiler, aber auch dicker. Mittlerweile ist Jersey die gängige Bezeichnung für alle feinfädigen Strickstoffe.

Nicki – ein Plüschstoff, bei dem die überstehenden Schlingen abgeschnitten wurden. Flauschig und weich.

Plüsch – hier werden beim Wirkprozess lange Schlingen stehengelassen, sodass eine zottelige Optik entsteht.

Sweat – Sweatshirtstoff ist an und für sich keine offizielle Stoffbezeichnung, sondern sagt nur aus, was aus dem Stoff genäht wird. Es handelt sich dabei um einen sehr dicht gestrickten Jersey, der oft auf der linken Seite mechanisch angeraut wird.

Diese Auflistung ist natürlich – genauso wie letztes Mal bei der Webware – überhaupt nicht vollständig, sondern gibt nur einen kleinen Einblick in die Vielfalt der Stoffe. Grundsätzlich aber gilt: Jeder dieser Stoffe kann wiederum aus einer großen Bandbreite von Materialien hergestellt werden. Die Antwort auf die Eingangsfrage kann also eigentlich immer lauten: „Ja, du kannst das auch aus Baumwolle nähen. Wenn die Baumwolle zu einem Jersey verarbeitet wurde 😉.“