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Interview der Woche: Renate von "Laura und Ben"

Sie ist die Schöpferin mehrerer Stoff-Eigenproduktionen - und die Königin der farbenfrohen Badelycras. Im Interview mit Sewunity erzählt Renate vom Stoffshop "Laura und Ben", wie viel Arbeit dahintersteckt, eine Eigenproduktion auf den Markt zu bringen und warum Badelycra für sie eine echte Herzensangelegenheit ist.

Logo Laura und Ben

Sewunity: Liebe Renate, erst einmal herzlich willkommen im Sewunity-Nähcafe. In der Vergangenheit haben wir hier vor allem die Schöpfer von Schnitten und E-Books begrüßt, heute geht es zum ersten Mal unmittelbar um Stoffe – also eine Premiere. Bevor wir aber näher darauf eingehen, wie du dein Herz für schöne Stoffe entdeckt hast, zunächst eine grundlegende Frage: Wie bist du zum Nähen gekommen?

Renate: Hallo Stefanie! Vielen Dank für die Einladung zum Interview! Es ist mir eine große Freude … noch dazu, wenn es bei euch heute zum ersten Mal um Stoffe geht! Wie bin ich zum Nähen gekommen … puh, eigentlich nähe ich schon seit ich klein bin –aber mit einer längeren Pause zwischendurch. Erst nach der Geburt unserer Tochter vor 9 Jahren habe ich wieder so richtig angefangen und die Freude an selbstgenähten Kleidungsstücken entdeckt.

Wann hattest du zum ersten Mal die Idee, Stoffe zu verkaufen – und wie viel Zeit verging vom ersten Traum bis zur Wirklichkeit? Und wer sind eigentlich Laura und Ben?

Renate von Laura und Ben„Laura und Ben“ … (lacht) … das sind meine Kinder … nein, Scherz beiseite … der Name entstand zu einer Zeit, als ich noch genähte Kindersachen verkauft habe und einen Namen suchte, unter dem ich sowohl Mädchen- als auch Jungssachen anbieten konnte. Damals habe ich auch schon Stoffe verkauft – zwar noch keine Eigenproduktionen, aber ich habe schnell gemerkt, wie sehr mich Stoffe begeistern. Da wollte ich unbedingt mehr daraus machen. So entstand langsam die Idee, eigene Entwürfe umzusetzen, aber es war gar nicht so leicht, die richtigen Produzenten zu finden. Unsere erste Eigenproduktion waren 2012 die Fußballer-Webbänder und dann kam im Jahr darauf die "Fräulein Gänseblüm"-Serie – unsere erste Stoffproduktion.

Dein Shop zeichnet sich durch eine Besonderheit aus: Du warst vergangenes Jahr die erste Verkäuferin hierzulande, die Badelycra mit schönen Mustern angeboten hat. Wie bist du auf die Idee gekommen, solche Stoffe zu vertreiben – und warum führen sie immer noch ein Nischendasein?

Der Badelycra war einer meiner großen Herzenswünsche. Ich wollte unbedingt einen hochwertigen Badeanzugstoff für coole Beachwear anbieten, mit einem UV-Schutz von UPF 50+. Auf die Idee hat mich meine Tochter gebracht, die sich einen Badeanzug gewünscht hat, auf dem nicht die „konventionellen“ Standardmotive drauf sind. Ich glaube, dass der Badelycra immer beliebter wird und es in den nächsten Jahren viel mehr selbstgenähte Bademode geben wird. Natürlich auch dank der tollen Schnitte, z.B. dem Badespaß-Freebook von ki-ba-doo. Und der Badelycra eignet sich ja nicht nur für Bikini, Badeanzug & Co, sondern dank des Sonnenschutzfaktors auch perfekt für UV-Schutzkleidung von Kleinkindern oder das coole Outfit für eine Stand-Up-Paddling-Tour.

Ein weiteres deiner Steckenpferde sind Funktionsstoffe. In der Nähszene bist du damit durch deine Kooperation mit ki-ba-doo bekannt, die Schnitte entwickelt hat, die speziell mit solchen Stoffen genäht werden. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und wie ist die bisherige Resonanz der Näh-Fans?

Ja, die Funktionsstoffe! Darüber freue ich mich ganz besonders! Das war eine lange Testphase, bis ich die richtigen Stoffe gefunden hatte. Die Zusammenarbeit mit ki-ba-doo war ein glücklicher Zufall. Claudia hatte schon längere Zeit die Idee einer Sportkollektion im Hinterkopf, nur gab es da noch keine geeigneten Funktionsstoffe. Und ich wollte schon lange Funktionsstoffe mit eigenen Designs machen, nur gab es keine passenden Schnitte. Da haben wir uns wunderbar ergänzt! Die Resonanz der Näherinnen ist großartig! Jetzt kann sich jede ihr Sportoutfit genauso nähen, wie es ihr gefällt!

Gehen wir doch auch mal auf das Stichwort Eigenproduktionen ein – denn auch eigenproduzierte Stoffe findet man in deinem Shop, zum Beispiel Frau Fuchs. Es hört sich für Außenstehende immer so leicht an, wenn Shops sagen: "Wir bringen eine Eigenproduktion heraus" – aber verrate uns doch mal, wie viel Arbeit dahinter in Wirklichkeit steckt.

Badelycra von Laura und BenEine Eigenproduktion ist unglaublich spannend und man kann darin seine eigenen Vorstellungen von Motiven, Designs und Farben verwirklichen. Aber natürlich steckt da auch viel Arbeit dahinter … bis man den geeigneten Produktionspartner gefunden hat, bis die Stoffqualität passt, bis die Entwürfe stehen, bis die Farben ausgewählt sind, und und und… aber es macht immer wieder riesig Spaß!

Eigenproduktionen sorgen bei manchen Shops ja für regelrechte Booms, zusammenbrechende Server und eine grenzenlose Nachfrage. Wie beurteilst du diese Entwicklung – faszinierend oder bedenklich?

Für mich bedeuten Eigenproduktionen eine unglaubliche Bereicherung des Stoffmarktes. Natürlich ist es auch für mich schwierig, genau die „richtige“ Menge zu bestellen, um einerseits die Nachfrage gut abzudecken und andererseits nicht mit einem riesigen Stoffberg dazustehen. Und letztlich ist es auch immer eine Kostenfrage, wie viel man bei einer Neuproduktion riskieren kann bzw. möcht

Wie viel Zeit bleibt dir neben dem Stoffverkauf denn noch, selber zu nähen? Hast du Lieblingsschnitte – und wenn ja, welche?

Im Moment komme ich leider kaum zum Nähen … und wenn doch, dann nähe ich für meine Tochter. Meine Lieblingsschnitte – oder eigentlich die meiner Tochter - sind gerade Lina und Jorne, beide von ki-ba-doo.

Was war das aufwendigste Projekt, das du je genäht hast? Worin lag die besondere Herausforderung?

Haha, das ist leicht …. das war ein Dirndl für meine Tochter! Da hat alleine die Stoffauswahl schon eine gefühlte Ewigkeit gedauert und dann erst das Nähen …. aber es ist wunderschön geworden und meine Tochter zieht es ganz stolz an!

Mal angenommen, eine gute Fee kommt und schenkt dir 50.000 Euro. Die Bedingung: Du musst mit dem Geld irgendwas anstellen, was mit Stoff und Nähen im weitesten Sinne zu tun hat. Welchen Traum würdest du dir von dem Geld erfüllen?

Was für eine schöne Frage … hmmm, lass mich überlegen … ich glaube, ich würde noch eine Dirndlstoff-Serie rausbringen, denn die Dirndlstoffe liegen mir ganz besonders am Herzen. Wir leben und arbeiten ja im oberbayrischen Raum und da hat das Dirndl einen ganz hohen Stellenwert. Es wird zu Festen angezogen, aber auch im Alltag, und das finde ich wunderschön! Ja, und ich würde ein neues Stoff-Projekt abschließen, an dem ich auch schon ganz lange tüftle. Aber dazu kann ich im Moment noch nicht mehr verraten.

Selbermachen ist ja im Moment total angesagt,das Nähen bekommt immer mehr Fans. Glaubst du, dass der aktuelle DIY-Boom ein kurzfristiges Phänomen ist – oder wird er anhalten?

Ich glaube, dass er noch anhalten wird, denn jeder möchte gerne etwas Besonderes, am besten Einmaliges tragen. Es gibt eine immer größere Auswahl an wunderbaren Stoffen und Schnitten und so viele tolle Möglichkeiten, sich Anleitungen und Inspirationen zu holen … so wie eure Seite!

Dankeschön. Dazu dann doch gleich eine Frage in eigener Sache: Eines der Ziele von Sewunity ist es, dass User Schnittmuster mit Sternen bewerten. Wie viele Sterne würdest du Sewunity geben – und warum?

Ich finde eure Seite wunderbar! Ganz klar, 5 Sterne!

Zum Schluss noch ein kleines Spiel, zu dem wir all unsere Interviewpartner gerne einladen. Wir stellen dir jeweils zwei Begriffe zur Auswahl – such dir doch bitte den Begriff aus, der am besten zu dir passt:

- Rollschneider oder Schere? Schere

- E-Book oder Papierschnitt? Papierschnitt

- Webware oder Maschenware? Webware

- Nähkurs oder Autodidakt? Autodidakt

- Overlock umfädeln oder immer mit der gleichen Farbe nähen? Haha, jetzt wo du fragst … ich habe schon lange nicht mehr umgefädelt….

- Onlineshopping oder Stoffgeschäft? Beides

- Couch oder Laufschuhe? Hmmm… leider beides selten…

- Kaffee oder Tee? Im Moment mehr Tee

Vielen Dank fürs Interview!

Ich danke dir! Ich freue mich sehr, dass ich dabei sein durfte!