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Mode schneidern - Das Buch

Mode schneidern, das Buch - das klingt doch schon einmal vielversprechend, oder? Hält man dieses 320 Seiten starke Hardcover dann in den Händen, ist man erst einmal von seinem Umfang (und Gewicht!) beeindruckt. Das macht was her und dominiert jedes Nähbücherregal. Doch hält dieses imposante Buch auch, was es verspricht? Wir haben es für euch einmal unter die Lupe genommen.

"Meine Kleidung? Näh ich selbst!" lautet das Motto auf dem Buchrücken. Dieses Buch sei DAS große Buch zum Modeschneidern mit Profi-Tipps von TV-Näh-Expertin Inge Szoltysik-Sparrer. Es sollen alle Techniken detailliert erklärt werden, der Grundlagenteil ließe keine Fragen offen und mit den Schnitten im Buch könne eine komplette selbst geschneiderte Lieblingsgarderobe entstehen. Wir sind gespannt!

"Alle Techniken und Schnitte, die man wirklich braucht" soll dieses Buch beinhalten. Der Anspruch war, ein Nachschlagewerk zu schaffen, das einen das ganze Nähleben lang begleitet. Der Grundlagenteil umfasst über 200 Seiten und stammt aus der Feder von Brigitte Binder, Jutta Kühnle und Karin Roser. Er beginnt wirklich mit Basics: Wie ist eine Nähmaschine aufgebaut, welches Zubehör braucht man zum Nähen, was für Nadeln, Garne und Stoffe gibt es? Hier werden nicht nur Anfänger abgeholt, auch erfahrenere Näher können noch Neues lernen. Grundlegende Nähtechniken werden Schritt für Schritt mit sehr deutlichen und erstaunlich zahlreichen Fotos erklärt.

Der folgende Abschnitt widmet sich der Schnitttechnik und beginnt mit dem, womit man vor jedem Nähen eines Kleidungsstückes beginnen sollte: den Körpermaßen. Interessant ist, dass hier auch auf die verschiedenen Figurtypen eingegangen wird und die Schnittsilhouetten, die sich für sie eignen. Anschließend wird erläutert, was es für Schnittmuster gibt, wo man sie findet (das wisst ihr alle, nicht wahr? smiley), wie man sie abpaust und was die verschiedenen geläufigen Symbole bedeuten. Auch Begriffe wie der Fadenlauf, Stoffbruch, Umbruch und einige mehr werden vorgestellt. Auch für Fortgeschrittene interessant sind die Erklärungen zu Schnittkorrekturen: Wie verkürze oder verlängere ich Schnittmuster richtig? Wie korrigiere ich die Weite? Wie gradiere ich ein Schnittmuster, wenn es meine Größe nicht enthält?

Ab Seite 146 widmet sich das Werk den Modetechniken: Was sind Abnäher, was für Arten gibt es und wie näht man sie? Welche Möglichkeiten für Halsabschlüsse gibt es - und welche für Ärmel? Der Hobbynäher erhält hier wirklich einen umfangreichen Fundus an Anleitungen, die leicht verständlich geschrieben sind. Wie auch schon in den vorherigen Kapitalen findet man hier immer wieder Profitipps von Inge Szoltysik-Sparrer, von denen manche nicht zwingend dieses Prädikat verdient hätten. Die Faustregel, lieber mehr Stoff als zu wenig zu kaufen, sollte auch Anfängern geläufig sein.

Die folgenden gut 100 Seiten sind den 17 Schnittmustern in den Größen 34 bis 52 gewidmet, die von Tuula Hepola von Ottobre Design stammen. Leider ist dies vor dem Kauf nicht wirklich leicht erkennbar, da dies nicht auf dem Einband genannt wird, sondern erst auf Seite 1 des Buches. Das ist etwas unglücklich gelöst, denn wenn das Buch im Handel nur eingeschweißt erhältlich ist, erfährt man erst nach dem Kauf davon. Die folgenden Schnitte stammen alle aus schon erschienen Ausgaben der Ottobre Design für Damen. Wer diese schon besitzt, wird sich nach dem Kauf zurecht ärgern - hier wäre eine deutlichere Kennzeichnung wünschenswert gewesen. Auch die Sortierung der Schnittmuster wäre nach Schwierigkeitsgrad durchaus sinnvoll gewesen. So beginnt die Zusammenstellung mit der schwierigen Jeans, der mittleren Bleistifthose, gefolgt vom leichten Faltenrock usw. Die Namen der Originalschnitte wurden nicht beibehalten, so heißt Faded Stripes beispielsweise schlicht und ergreifend Jerseytop. Alle Schnittmuster wurden neu vernäht und abgelichtet, die Anleitungen wurden jedoch 1:1 von Ottobre übernommen. Wer schon einmal nach Ottobre genäht hat weiß, wie schwer verständlich die Anleitungen gerade für Anfänger sein können. Hier hätte der Verlag mit neuen, bebilderten Anleitungen punkten können. Leider hilft einem auch der vorangegangene Technikteil nicht zwangsläufig weiter - nehmen wir als Beispiel das eben genannte Shirt Faded Stripes, das als "leicht" gekennzeichnet ist. Hier soll der Halsausschnitt laut Anleitung mit Streifen versäubert werden. Wie man dies macht, wird an dieser Stelle nicht verraten und im Technikteil wird nur erklärt, wie man ein sogenanntes faules Halsbündchen näht. In den Ausgaben der Ottobre Design findet man im Anleitungsteil immer noch eine Erklärung und technische Zeichnung zur Streifenversäuberung, die hier leider fehlt.

Die Schnittmuster sind auf zwei beidseitig bedruckten Bögen in den Innenseiten des Buchdeckels mittels Klebepunkt fixiert. Leider sind die einzelnen Mehrgrößenschnitte in so blassen Farben und so dünnen Linien gedruckt, dass es wirklich schwierig ist, sie abzupausen, selbst mit durchsichtiger Folie. Wer eine große Größe benötigt, sei an dieser Stelle gewarnt: Anscheinend haben nicht alle auf die Bögen gepasst, so ist zum Beispiel die Armkugel der Seidenbluse ab Größe 48 nicht mehr vollständig abgebildet.

Somit hinterlässt das Buch eher einen gemischten Eindruck: Es bietet einen soliden, ausführlichen Grundlagenteil, der dem Anspruch, ein Begleiter für das gesamte Nähleben zu sein, gerecht wird. Auf der anderen Seite stehen die Schnittmuster, deren Anleitungen leider nicht für das gesamte Nähleben, das ja auch das Anfängerstadium einschließt, uneingeschränkt geeignet sind. Dadurch und vor allen Dingen durch die schwer verwendbaren, teilweise unvollständigen Schnittmusterbögen, wird die Freude am Ende sehr getrübt.



Inge Szoltysik-Sparrer, Jutta Kühnle, Brigitte Binder, Tuula Hepola, Karin Roser

Mode schneidern. Alle Techniken und Schnitte, die man braucht.

frechverlag

ISBN 9783772464539

Hardcover, 320 Seiten

29,99 €

Wir danken dem frechverlag mit der Marke Topp, der uns ein Exemplar dieses Buches für diese Vorstellung zur Verfügung gestellt hat.