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Nähen für den Babybauch - Umstandsmode und mehr

Nähen für den Babybauch

Neben all den Grundlagen-Werken hat sich das Segment der Nähbücher auch immer mehr für Spezialthemen geöffnet. Kein Wunder also, dass auch einer der schönsten Anlässe, sich etwas Neues zum Anziehen zu nähen, Gegenstand eines Buchs mit Schnittmustern geworden ist: die Schwangerschaft. "Nähen für den Babybauch" wurde von Dorina Hartmann und Maren Will verfasst, die mit ihrem Label "mara mea" für moderne, schicke Accessoires und Kleidung für Schwangere und junge Mütter stehen. Und genau das findet man in diesem Band auch. Wir haben ihn für euch unter die Lupe genommen.

Das 146 Seiten starke Buch zeichnet sich gleich auf den ersten Blick durch seine hochwertige Ausstattung aus. Das stabile Hardcover hat ein ansprechendes Cover, das mit Spotlackierung auf der Schrift veredelt ist. Der Rücken hat eine Stoffoptik, und der Reihentitel sieht aus wie ein angenähtes Label - solche Kleinigkeiten lassen das Tüddelherz höher schlagen. Das Papier, auf dem gedruckt wurde, ist hochwertig und ungestrichen, sodass das Durchblättern Freude macht und das Buch dem auch lange standhält. Die drei doppelseitig bedruckten, großformatigen Schnittmusterbögen, die dem Buch beiliegen, sind in einer praktischen Umschlagtasche untergebracht, sodass nichts verloren gehen kann. Das dadurch entstehende Extra-Volumen ist im Hardcover mit einberechnet, damit sich nichts verzieht. Herstellerisch also ein echter Augen- und Handschmeichler!

Schnittmustertasche

Das Papier der Schnittmusterbögen ist dünner als die Buchseiten, aber trotzdem schön stabil, sodass sie auch häufigerem Auseinander- und Zusammenfalten gut standhalten. Die Schnittmusterbögen sind übersichtlich mit verschiedenen Farben gestaltet, sodass das Kopieren leicht vonstatten geht. Auch sind sie durchnummeriert von 1-6, damit man den gewünschten Schnitt schnell und unkompliziert findet. Leider ist beim Falten von Bogen 5/6 etwas schiefgegangen und die Nummerierung ist auf der Innenseite der Faltung gelandet. Aber das ist eigentlich ein Luxusproblem, denn wenn man 1 und 3 vor sich liegen hat, könnte man drauf kommen, dass der verbliebene Bogen die 5 ist ... Die Beschriftung der Schnittbögen ist ebenfalls vorzüglich, da alle relevanten Informationen (Name des Schnitts, Größenzuordnung, Schnittteil, enthaltene Naht- und Saumzugabe) direkt am Schnittteil vermerkt sind. Passmarken für Reißverschluss-Ansätze und ähnliches sind ebenso gut lesbar enthalten wie exakte Angaben zu Kräuselungen oder Verarbeitungshinweise.

Schnittbogen - Detail

Der Innenteil des Buchs ist ebenso liebevoll und ansprechend gestaltet, wie es die Aufmachung erwarten lässt. Dabei kommt das Buch ohne die gefürchteten "Bärchen und Blümchen" aus, sondern arbeitet mit grafischen Elementen, klaren Rahmen und dezenten Farben. Das Papier ist nicht weiß, sondern grau und mit einer Struktur versehen, die an die Hadern älteren Recyclingpapiers erinnert. Diese ist jedoch aufgedruckt, das Papier selbst ist glatt und angenehm. Durch die ungestrichene Struktur des Papiers leuchten die Farben der abgedruckten Fotos zwar weniger, aber das passt zum edlen, eher coolen Gesamtdesign. Die Schrift ist eher klein, was besonders bei den Anleitungen nicht immer ideal ist. Überschriften und einleitende Texte sind allerdings größer gesetzt. Diese Struktur trägt durchaus zur Orientierung im Buch bei.

Das Buch ist in fünf Kapitel gegliedert. Nach einer Einführung, die die grundlegenden Werkzeuge und Materialien kurz vorstellt und auf die Nähbasics eingeht (wie bediene ich eine Nähmaschine, wie nähe ich um eine Ecke - aber auch durchaus anspruchsvollere Themen wie nahtverdeckte Reißverschlüsse oder Paspeln) orientiert sich die Reihenfolge der Kapitel ein bisschen am zeitlichen Ablauf, wie man die Dinge im Laufe einer Schwangerschaft benötigt: Im ersten Kapitel werden Tricks und Kniffe vorgestellt, wie man die "normalen" Lieblingsklamotten so abändern kann, dass sie zumindest zu Beginn der Schwangerschaft noch gut getragen werden können. Zu Umstandsoberteilen abgeänderte T-Shirts des Partners, ein Cardigan aus einem alten Pulli oder Einsätze, die in Shirts oder Jeans genäht werden, werden in diesem Kapitel vorgestellt. Dabei handelt es sich auch um gute Einsteigerprojekte, da sie zum Teil mit wenig Nähaufwand umgesetzt werden können.

Im Kapitel darauf, der Umstandsmode, wird dann schon mehr genäht. Die Anleitungen sind auch bei einfachen Projekten wie dem Bauchband aus Jersey bebildert und von der Ausführlichkeit her dem Projekt angemessen. Dieses Kapitel ist, dem Titel des Buchs entsprechend, das umfangreichste: 11 verschiedene Schnittmuster, vom Bauchband über das Umstandsshirt und die Babybauchleggings bis hin zum Maxikleid und der aufwendigen A-Linien-Bluse in jeweils 2 Größen (S/M und L/XL) sind enthalten.

Wenn dann das Baby da ist und man keine Umstandskleidung mehr benötigt, wird das vierte Kapitel interessant: Es geht um Stillkleidung und -accessoires. Dabei gibt es sowohl passende Schnitte für den Sommer (wie den Kaftan oder das überlappende Shirt) wie für den Winter (einen erstaunlich praktischen Sweatpulli oder einen Stillschal, der vor neugierigen Blicken schützt.). Ein Schnittmuster für ein Stillkissen rundet das Kapitel ab.

Und zum Schluss gibt es noch ein Kapitel mit einer Reihe von Schnittmustern fürs Baby: Windeltasche oder Schnullerkette sind ebenso enthalten wie ein Halstuch. Außerdem sind hier (wie auch in den anderen Kapiteln) immer mal wieder kleine "Tutorials" zwischen die Anleitungen eingestreut. Wie man aus einfarbigen Stoffen mithilfe von Kartoffelstempeln echte Unikate machen kann, wie man Quasten oder Flechtgürtel bastelt oder wie man den angesagten Dip-Dye-Look an einem simplen Kauf-Baby-Body erzeugen kann, wird in den sogenannten "Features" erklärt.

Mamas Stillshirt

Zu Testzwecken haben wir "Mamas Stillshirt" genäht - ein alltagstauglich schickes, eher schlichtes T-Shirt mit überlappendem Vorderteil und überschnittenen Schultern. Die Materialangaben sind eher großzügig gehalten, was man am Schnitt-Auflageplan (der jeder Anleitung voransteht) auch sieht. Das Abpausen des Schnittmusters und der Zuschnitt ergaben keine Probleme. Leider fehlt in der Anleitung ein Schritt: Die Zierborte wird nur festgesteckt, nicht aber festgesteppt. Und dabei wäre gerade hier ein Empfehlung, wie man ein so langes Webband sauber fixiert (zum Beispiel mit einem Zickzackstich oder zwei parallelen Steppnähten) wirklich sinnvoll. Auch wie man ein Halsbündchen annäht, könnte etwas genauer erklärt sein, hier müsste man wohl vorangehende Anleitungen einmal gelesen haben, wo auf dieses Thema etwas ausführlicher eingegangen wird. Wohl auch deswegen wird die Schwierigkeit dieses Schnittes mit zwei von drei Fingerhüten bewertet. Trotz der sehr knappen Anleitung kann man aber mit ein bisschen Vorwissen hier schnell und auch nicht ganz 08/15 ein tolles Stillshirt zaubern! Zur Passform können wir leider noch nichts sagen, da das zu stillende Baby noch "inside" ist, aber von den Maßen her scheint es leger zu sitzen und nicht zu weit aufzuzuspringen.

So bietet das Buch ein schönes Rundumpaket von den ersten Bedürfnissen einer Schwangeren bis hin zu Sachen fürs Baby. Das Ganze dann auch noch so ansprechend verpackt - das gibt eine ausdrückliche Kaufempfehlung (wenn auch nicht für ganz blutige Anfänger) von der Sewunity-Redaktion!



Doria Hartmann & Maren Will

Nähen für den Babybauch

146 Seiten, Hardcover, drei Schnittbögen

€ [D] 16,99, ISBN 978-3-8310-3178-8

Coverabbildung: ©Doring Kindersley Verlag GmbH, München

Wir danken dem Doring Kindersley Verlag, der uns ein Exemplar dieses Buches für diese Vorstellung zur Verfügung gestellt hat.