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Interview der Woche: Ilka von Zierstoff

Heute besucht uns Ilka im Nähcafé - die Gründerin des Labels Zierstoff und Autorin zahlreicher Nähbücher. Wie sie zum Nähen gekommen ist, warum sie nur ungern an das allererste Kinderkleid, das sie genäht hat, zurückdenkt und weshalb das Arbeiten an Nähbüchern auch manchmal anstrengend sein kann, verrät sie uns im Interview.

Sewunity: Liebe Ilka, herzlich willkommen im Nähcafé! Schön, dass du Zeit für uns hast. Oder hast du eigentlich gar keine Zeit, weil du gerade was anderes machen solltest?

Ilka von ZierstoffIlka: Ich habe wie alle Mütter mit einer beruflichen Tätigkeit natürlich „nie Zeit“. smiley Ich sitze mittlerweile auch mehr vor dem Computer als vor der Nähmaschine. Für das Interview hier nehme ich mir aber gerne etwas Zeit!

Zierstoff ist eines der Labels mit dem größten Portfolio in der Sewunity-Datenbank – weit über 500 Schnitte von euch haben wir gelistet. Weißt du noch, welches der erste war?

Ja, sehr genau sogar, weil er nach meiner Tochter benannt ist, das Kittelkleid Flora.

Und wann entstand die Idee zu Zierstoff? Wann hast du dich entschieden, E-Books zu erstellen und zu verkaufen?

Ich habe lange Zeit nicht genäht und habe mir dann einen Schnitt mit einer für mich sehr dürftigen Anleitung gekauft. Dadurch, dass ich mir ein Video-Tutorial dazu gewünscht hätte, kam dann die Idee, solche Nähvideos einfach selber zu machen. Meine Freundin Conny hatte damals auch Lust dazu und so wurde die Idee für Zierstoff geboren.

Gehen wir noch weiter zurück: Seit wann „hängst du an der Nadel“? Was war bei dir der Anlass, das Nähen anzufangen?

Ich habe eine Ausbildung zur staatlich anerkannten technischen Assistentin und Industrieschneiderin IHK auf einer Modefachschule absolviert. Danach habe ich noch den Betriebswirt gemacht und kam durch meine Tätigkeiten in der Modeindustrie etwas weg vom Nähen. Durch meine Tochter kam ich dann im Jahr 2011 wieder an die Nähmaschine.

Weißt du auch noch, was du als Allererstes genäht hast?

Ich kann mich noch gut an das Kleid für meine Tochter im Jahr 2015 erinnern. Es war so schrecklich, dass sie es nie anhatte. smiley

Hättest du damals erwartet, dass du einmal ein so großes Label werden würdest? Du hast ja gleich mehrere Mitarbeiter, die Zierstoff-Familie ist ganz schön umfangreich geworden. Stellst du uns dein Team einmal kurz vor?

Zierstoff-TeamNein, damit hätte ich nie gerechnet. Nachdem Conny aus zeitlichen und räumlichen Gründen leider nicht mehr mitmachen konnte, war ich erst mal alleine. Dann kam durch Zufall Ela ins Spiel. Ich brauchte eine Schnittdirektrice und bin hier in Borken „fündig“ geworden. Damit hätte ich nie gerechnet. Silvia war dann unser zweites Mitglied, sie unterstützt mich mit dem Stoffversand. Am Ende kam dann Britta dazu, da der ganze Grafik-Bereich und die sozialen Medien auch immer mehr wurden. Nebenbei haben wir dann mit Joanna und Julie aus München das Zierstoff-Label noch in englischer Version erstellt und eine eigene Homepage dafür gemacht.

Ihr habt auch einen YouTube-Kanal, auf dem man Anleitungen zu Details eurer Schnittmuster anschauen kann. Seit wann nutzt du dieses Medium, und was hat dich dazu inspiriert?

Das war eigentlich unser allererster Kanal und wir waren damals einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Als wir die ersten Videos drehten, gab es noch nicht so viel an Tutorials. Heute gibt es ja eine Vielzahl an Nähvideos.

Auch mehrere Bücher aus deiner Feder sind mittlerweile erschienen, unter anderem unser aktuelles Fundstück "Röcke - selbst genähte Modelle für jeden Anlass". Woher nimmst du die Inspiration für so viele kreative Ideen?

Ich werde tagtäglich durch unzählige Dinge inspiriert, es ist manchmal so frustrierend, weil wir gar nicht alles umsetzen können, was wir wollen ... es hapert bei uns nicht an Ideen, sondern an der Zeit! smiley

Welche Ansprüche an deine Schnitte stellst du? Was macht für dich ein gutes E-Book aus?

Wir testen unsere Schnitte an uns und an unseren Kindern so lange, bis wir zufrieden sind. Das Schnittmuster muss einfach sitzen. Wir nähen auch „alte“ Muster immer wieder mal durch und aktualisieren sie dann auch, wenn wir mittlerweile bessere Ideen oder Beschreibungen haben. 100% zufrieden sind wir nie, es gibt immer was zu tun. Auch Kundenfeedback nehmen wir sehr ernst. Wenn sich jemand beschwert und diese Kritik gerechtfertigt ist, dann verbessern wir das schnellstmöglich.

Und fällt es dir schwer, die Anleitungen auf „Druckformat“ herunterzubrechen? In Nähbüchern müssen die Anleitungen ja oftmals viel kompakter sein als im komfortablen, voll bebilderten E-Book.

Das Zusammensetzen der Schnittmuster in unseren Nähbüchern übernimmt der Verlag, wir schicken ihnen unser Schnittmuster zu. Wir müssen hier nur viel mehr auf Bezeichnungen achten, da es hier strenge Vorlagen vom Verlag gibt.

Und wodurch unterscheidet sich die Arbeit an Anleitungen für ein Buch vom Produktionsprozess eines E-Books?

Zierstoff-Team kleinVom Prinzip her gibt es da keinen Unterschied. Wir gehen nach dem gleichen Prinzip vor, nähen und bebildern alles und testen die Schnitte. Parallel schreiben wir das E-Book. Für das Nähbuch müssen wir uns dann nach den Vorgaben des Verlages richten, das ist etwas anstrengend, da ich andere Formulierungen verwenden muss und teilweise nicht so ausführlich schreiben kann. Aber mittlerweile geht es ganz gut, wir haben ja Erfahrungswerte ...

Wenn du nicht an deinen eigenen Schnitten arbeitest, was nähst du persönlich am liebsten? Deko, Kleidung, oder immer noch Taschen? Und hast du einen Lieblingsschnitt (abgesehen von deinen eigenen)?

Ich nähe sehr gerne für mich selber, besonders Röcke und Kleider mag ich gerne. Ich habe für mich bisher ausschließlich Zierstoff-Schnittmuster genäht, mir fehlt auch einfach die Zeit für „fremde“ Schnittmuster smiley

Gibt es in puncto Nähen noch etwas, an das du dich bislang noch nicht gewagt hast? Welcher Herausforderung würdest du dich gerne mal stellen?

Ich habe in meiner Ausbildung Blazer mit Reverskragen genäht. Das habe ich seitdem noch nicht wieder genäht, das wäre eine Herausforderung für mich. Und es steht auch in der Tat auf unsere „Ideenliste“... smiley

Wenn eine Freundin heute mit dem Nähen anfangen wollte, welchen ultimativen Tipp hättest du für sie? Welches Helferlein oder welches Wissen ist für dich unverzichtbar?

Ich bin kein Freund von günstigen Nähmaschinen. Auch wenn man damit nähen kann, viel Spaß wird es auf Dauer nicht machen. Ich empfehle daher lieber, eine etwas teurere Maschine gebraucht zu kaufen. Ein guter Tipp ist, sich mal zu erkundigen, ob man einen Nähkurs machen kann, in dem die Maschinen gestellt werden. Hier vor Ort ist so was möglich. So kann man es erst mal ohne Risiko testen, ob das Nähen dann auch Spaß macht. Natürlich sollte man dann einfache Projekte in Angriff nehmen, um sich Erfolgserlebnisse zu holen.

Und das Gegenteil: Welches Näh-Gadget wird deiner Meinung nach überschätzt und ist überhaupt nicht nötig?

Ilka

Es gibt so viele Näh-Gadgets, die ich persönliche NIE verwende.Wir haben bei uns einige Videos, in denen wir das erklären, was wir gut finden. Wichtig sind z.B. gute Scheren, ordentliches Garn, ein neuer gut funktionierender Trenner. Viele unterschätzen auch die Wichtigkeit eines guten Bügeleisens.

Sewunity basiert ja auf den Bewertungen: Die User bewerten Schnittmuster nach einem Fünf-Sterne-System, sodass andere von ihren Erfahrungen profitieren können. Wenn Sewunity ein Schnitt wäre: Wie viele Sterne würdest du geben – und warum?

Ich würde 5 Sterne geben, weil ich so ein Bewertungsportal unglaublich wichtig finde!

Auch mit dir würden wir nun gerne zum Abschluss ein kleines Spiel spielen. Immer zwei Begriffe stehen zur Auswahl – bitte sag uns doch, welcher davon am besten auf dich zutrifft!

- Rollschneider oder Schere? Definitv Rollschneider

- E-Book oder Papierschnitt? E-Book

- Webware oder Maschenware? Maschenware

- Nähkurs oder Autodidakt? Autodidakt

- Ovi umfädeln oder immer mit der gleichen Farbe nähen? Gleiche Farbe

- Onlineshopping oder Stoffgeschäft? Onlineshopping

- Couch oder Laufschuhe? Laufschuhe

- Kaffee oder Tee? Kaffee

Liebe Ilka, wir danken dir herzlich für das Gespräch!