Interview der Woche: Petra von pedilu

Das Nähen brachte sie sich mit Hilfe von YouTube-Videos bei, heute entwickelt sie Schnitte und gibt ihnen besonders gerne französisch anmutende Namen. Warum das so ist, warum ihr Damenschnitte mehr Spaß als Kinderschnitte machen und wo ihr Anspruch bei der Erstellung von E-Books ist, verrät uns Petra vom Label pedilu, die diesmal zu Gast im Sewunity-Nähcafé ist.

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Liebe Petra, herzlich willkommen im Sewunity-Nähcafé und danke für deine Zeit. Nimm Platz, nimm dir ein Getränk – und erzähl uns doch als Erstes mal bitte, warum pedilu pedilu heißt.

Petra von pedilu
Petra von pedilu

Als ich 2010 auf meinem Blog unter www.pedilu.com mit dem Bloggen anfing, musste schnell ein Name her. Da habe ich ein wenig mit den Buchstaben gespielt. Am Ende ist es ein Akronym aus meinem Spitznamen aus der Kindheit und meinem Mädchennamen geworden.

Wie bist du denn eigentlich überhaupt zum Nähen gekommen? Hast du es dir selbst beigebracht, einen Kurs besucht?

Ich bin bekennender Autodidakt. Hochschwanger habe ich damals ziemlich spontan eine alte Vintage-Nähmaschine ersteigert und einfach angefangen. Mir haben YouTube-Videos damals unheimlich geholfen.

Was war denn ausschlaggebend für die Entscheidung, zu sagen: O.k., ich ziehe die ganze Sache jetzt professionell auf und verkaufe meine eigenen Schnitte?

Da ich zu dem Zeitpunkt schon Plotterdateien zum Verkauf anbot, war der Schritt zu den eigenen Schnitten gar nicht so groß. Ausschlaggebend war ein Shirt, das ich für meine Tochter nähen wollte und das es so noch nicht gab. Geworden ist es das Kinder-Bretonshirt „LeBretöngchen“.

Wenn man deine Schnitte anschaut, sieht man, sie haben alle französisch angehauchte Namen, zum Beispiel „LaBlus“ oder „LaPullunda“. Wie bist du auf diese Idee gekommen, das zu einer Art Markenzeichen von dir zu machen?

Logo pedilu

Ich mag den fran­ko­phon Klang einfach sehr. Und natürlich strahlt französische Mode einen gewissen Stil aus. Da meine Schnitte zeitlos und unaufgeregt sind, haben die Namen bisher immer gut gepasst.

Du setzt deinen Schwerpunkt vor allem auf Damen- und Kinderschnitte. Was macht dir mehr Spaß, Schnitte für Große oder Schnitte für Kleine?

Eindeutig für Große! Allein schon, weil es viel einfacher ist, eine Idee mal schnell an sich selbst auszuprobieren.

Bleiben wir doch noch ein bisschen bei den Schnitten – du bist ja selbst gelernte Grafik-Designerin. Welche Ansprüche hast du mit dieser Grundlage an einen Schnitt – bzw. an ein E-Book? Was macht einen guten Schnitt oder ein gutes E-Book für dich aus?

Ein guter Schnitt muss in erster Linie gut sitzen, aber auch zur Trägerin passsen. Das ist eine ganz individuelle Sache. Als Grafik-Designerin ist mir natürlich wichtig, dass E-Book und Schnittbogen schön gestaltet sind und funktional aufgebaut sind. Meine Schnittbögen beispielsweise sind immer so papiersparend wie möglich, lassen sich bei Damen-Schnitten auch als A0 ausdrucken und enthalten Größen-Ebenen, die sich einzeln ein- und ausblenden lassen.

Wie würdest du die Nähszene eigentlich derzeit insgesamt einschätzen? Nähen war ja jetzt einige Jahre sehr angesagt – hat es auch die nächsten Jahre noch Zukunft?

Auf jeden Fall! Ich denke, dass sich die Rückbesinnung auf alte Fertigkeiten im Zuge der Digitalisierung noch verstärken wird. Die Nähszene wird sich sicherlich verändern, aber die Begeisterung wird bleiben.

Wo liegt dein Anspruch als Erstellerin von Schnitten, dich von der Masse abzuheben? Wie leistest du deinen Beitrag, dass deine Kunden auch auf Dauer Spaß am Nähen haben?

Das ist tatsächlich eine große Herausforderung. Ich versuche, Schnitte zu entwerfen, die sich vielseitig nähen und einsetzen lassen. Oft sind sie auch gut mit meinen anderen Schnitten kombinierbar, dass der Kunde ein stimmiges Gesamtbild vorfindet.

Wie viel Zeit bleibt dir eigentlich noch, selbst zu nähen? Und falls noch Zeit bleibt – hast du Lieblingsschnitte, abgesehen natürlich von deinen eigenen?

Da ich die Prototypen für meine Schnitte meistens für mich selbst nähe, habe ich selten Bedarf an anderen Projekten. Aktuell brauche ich nur einen neuen Winter-Parka. Es soll eine Lady Neve von mialuna werden. Ob ich Zeit dafür gefunden habe, wird sich im Frühjahr zeigen …

Was war denn bisher dein aufwendigstes Projekt? Und was hat dir nähtechnisch am meisten Spaß gemacht?

Am längsten gedauert hat meine XXL-Patchworkdecke. Das Ergebnis weiß ich fast jeden Abend auf dem Sofa zu schätzen. Nähtechnisch waren Paspeltaschen bisher die größte Herausforderung. Die gehen zwar nicht schwer, aber man muss unglaublich exakt nähen, wenn es perfekt aussehen soll.

Wenn heute jemand neu das Nähen lernen möchte – was gibst du ihm mit auf den Weg? Wie sieht deiner Meinung nach der perfekte Einstieg in dieses wunderschöne Hobby aus?

Einfach anfangen! Ob mit oder ohne Nähkurs ist dabei nicht so wichtig. Wenn es nicht klappt, ist immer noch Zeit, sich professionelle Hilfe zu holen.

Apropos Hobby – hast du noch andere Hobbys und Leidenschaften außer dem Nähen? Wenn ja, welche sind das?

Ich habe schon gehäkelt, gestrickt, gesponnen, gefärbt und gedruckt. Aber nichts hat mich so nachhaltig beeindruckt wie das Nähen. Es ist einfach das vielfältigste Hobby unter den Handarbeiten. Neben der Handarbeit liebe ich auch die Arbeit in unserem Schrebergarten.

Arbeitest du derzeit eigentlich wieder an neuen Schnitten? Wenn ja, magst du schon verraten, was von dir als nächstes kommen wird?

Neue E-Books sind in letzter Zeit leider zu kurz gekommen. Aber im Frühjahr kommt mein viertes Nähbuch heraus. Das hat mich die letzten Monate ziemlich in Beschlag genommen. Im neuen Jahr geht es dann mit frischem Elan und neuen E-Books weiter.

Eine Frage in eigener Sache hätten wir da noch. Bei Sewunity bewerten die User – wie du ja weißt – die Schnitte mit Sternen, fünf Sterne sind die Höchstwertung. Wie viele Sterne würdest du Sewunity geben und warum?

Aus der Sicht der Schnittersteller gebe ich volle Punktzahl. Es ist immer jemand da, der sich um meine Fragen kümmert, und das System lässt sich ruckzuck befüllen. Und zu viel Zeit haben wir ja alle nicht …

Zum Schluss wird es nun noch Zeit für unser kleines Entscheidungsspiel. Zwei Begriffe stellen wir dir jeweils zur Auswahl, bitte wähl doch den Begriff aus, der am besten zu dir passt. Und jetzt geht es los:

E-Book oder Papierschnitt? E-Book

Rollenschneider oder Schere? Schere

Webware oder Maschenware? Jersey

Nähkurs oder Autodidakt? Autodidakt

Ovi umfädeln oder immer mit der gleichen Farbe nähen? Da bin ich meistens ziemlich faul.

Onlineshopping oder Stoffgeschäft? Onlineshopping

Couch oder Laufschuhe? Couch, mit Patchworkdecke

Kaffee oder Tee? Kaffee

Vielen Dank für das Gespräch! ☺